Lage: im Vermilion Cliffs Paria Wilderness
N.M. im Bundestaat Arizona, knapp südlich der Grenze zu Utah;
östlich der Coyote Buttes South Permit Area
Anreise: Von der House Rock Valley Road
zweigt in der Höhe des Corral Valley (ca. 20 mi südlich
des Hwy 89 bzw. 9 mi nördlich des Hwy 89A) die BLM Road 1017
(36°5143N, 112°0347'W)
nach Osten ab. Von diesem Punkt an gilt es 15 sandige Meilen sicher
hinter sich zu bringen. White Pocket (36°57'22
N, 111°5345 W) zählt zu jenen entlegenen Orten im Südwesten,
die sich ausschließlich mit einem SUV besuchen lassen oder im
Rahmen einer geführten Tour. GPS-Koordinaten
in WGS84/NAD83
Wichtiger Hinweis: White Pocket
(öfters auch "White Pockets" genannt) erreicht
man auch via Paw Hole, wenn man die House Rock Valley
Road bei Lone Tree verlässt. Vor dieser Anfahrt
möchte ich aber sehr abraten, da sich auf dieser Strecke ca.
1 mi nach Paw Hole jener berüchtigte steile Sandhügel befindet,
in dem man sich nur allzu leicht eingräbt, oder auf der Steinplatte,
die man oft mit Schwung erreicht, aufsitzt. Zurück zur House
Rock Valley Road kann man diesen Weg einschlagen, da man hier
die Sanddüne bergab gleitet. Aber bei der Steinplatte auf der
Hügelspitze ist dennoch allerhöchste Vorsicht geboten! Und
auch im Sand unmittelbar davor haben sich schon einige eingegraben.
Hier
gibt ein paar Bilder von dieser Schlüsselstelle zu sehen mitsamt
einer "Auspuddel"aktion.

Unsere Frühlingstour: Seit ich letztes Jahr
Steffens
Bericht, dem wohl ersten im Netz über die White Pocket Gegend,
gelesen hatte, war mir klar, dass ich dort unbedingt und raschestmöglich
mein eigenes Stativ aufstellen möchte. Umso froher war ich, als
sich die Gelegenheit bot ihn diesen April dorthin zu begleiten. Und
ich war auch sehr dankbar all die sandigen Straßen nicht selber
fahren zu müssen... ;-)
Wir hatten aber das Glück, dass das Wetter einige Tage zuvor
etwas feuchter war, so befanden sich sämtliche Pisten am 7. April
2006 in Bestzustand. Mit zügigen 15-20 mph "glitten"
wir dahin, nicht selten saß der Trailblazer komplett in der
Mitte auf und "schwamm" um die Kurven. Ein ständiges
Hin- und Herlenken war erforderlich um nicht aus der Spur zu rutschen.
Dass sich die Untersetzung ("low 4WD") bei unserem
SUV nicht zuschalten ließ, beunruhigte uns nur kurz, denn man
kommt hier offensichtlich auch im Modus "high 4WD"
ganz gut voran.
All jene, die keine oder kaum Erfahrung
mit Tiefsandpisten haben, sollten die Gefahr sich hier einzugraben
nicht unterschätzen!!! Es haben auf dieser Strecke
auch schon Leute jenseits der 1000 Dollar an ein Abschleppunternehmen
bezahlen oder unfreiwillig die Nacht unter dem klaren Sternenhimmel
verbringen müssen! Nachzulesen gibt es solch eine Geschichte
z.B. in
diesem Blog unter Sandbound, Nov 2005. Was man auch
bedenken sollte: Im Vertrag der Mietautos gibt es eine Klausel, die
besagt, dass auf unbefestigten Straßen keinerlei Versicherungsschutz
besteht. Wer hier unterwegs ist, sollte sich dieses Risikos bewusst
sein!

Wir kamen an diesem Tag vom Valley of Fire State
Park und bogen vom Hwy 89A auf die unbefestigte House Rock
Valley Road ab, die meist(!) in recht gutem Zustand ist und sogar
mit PKWs befahren werden kann (Topo).
Dieser folgt man für ca. 9 mi nach Norden bis zum Abzweig der
BLM 1017 zum Corral Valley (36°51'43N,
112°0347'W; Topo).
Nach ungefähr 3 mi gabelt sich die Piste. Hier geht es nach links
in Richtung Nordosten auf der BLM 1066 weiter (36°5134N,
112°0040''W; Topo).
Von nun an wird die Strecke ein wenig anspruchsvoller. Immer wieder
wechseln sich sandige und felsige Passagen ab. Die ersten 9 mi bis
zur Poverty Flat Ranch (36°5533N,
111°5756'W) sollten jedoch normalerweise - gutes Wetter vorausgesetzt
- kein größeres Problem darstellen. Ich hatte mir vor unserer
Reise die gesamte Anfahrt von der House Rock Valley Road
deutlich kahler und steiniger vorgestellt und war überrascht,
wieviele Sträucher und Bäume in der sanft hügeligen
Landschaft gedeihen. Man fährt auf einer mitunter recht engen
Sandspur, die sich durch die Beifußsträucher und Wacholderbäume
schlängelt. Gestrüpp zum Unterlegen, sollte man sich eingraben,
gibt es hier en masse!
10,7 mi von der House Rock Valley Road entfernt geht es nach
rechts weiter. Dieser Teil der Strecke ist leider nicht auf den derzeitig
gängigen Topomaps (Stand: April 2006) eingezeichnet (36°5635N,
111°5641''W). Auf den Luftaufnahmen (z.B. von UsaPhotoMaps)
ist sie jedoch deutlich zu erkennen - kein Wunder, wird sie doch von
den Viehzüchtern der Umgebung genauso häufig genutzt wie
all die anderen Pisten der Paria Wilderness. Auf den aerial maps
sieht man auch, dass es die Straße, die laut topographischen
Karten an diesem Punkt weiter nach Norden führen sollte, nicht
mehr gibt.
Bevor diese Piste in die auf Topomaps eingezeichnete 4WD Route zur
White Pocket einmündet, gilt es einen kleinen, steilen Sandhügel
zu überwinden (1820 m ü.d.M.; die Ranch liegt auf 1730 m).
Nachdem man die wieder eingezeichnete 4WD Piste erreicht hat (36°5614N,
111°5407''W), geht es nach links und schon bald befindet man
sich an einer kleinen unscheinbaren Straßengabelung. Die Abzweigung
nach rechts führt in eine Ebene, in der es sich gut nächtigen
lässt, und nach links geht es einen sandigen Hügel hinauf,
den man aber am besten schon zu Fuß hinaufgeht, denn dahinter
befindet sich bereits das Ziel, die farbenprächtigen Sandsteinhügeln
zu Fuße des Bergmassivs, das den Namen White Pocket
trägt (36°57'22 N, 111°5345' W;
Topo).
Auch aus Naturschutzgründen sollte man davor Abstand nehmen mit
dem Auto auf die weißen Sandsteinhügeln hinaufzufahren.
Ranger sehen das nicht gerne, da dies unschöne schwarze Spuren
auf dem weißen Untergrund hinterlassen kann.

Wir haben unser Quartier gleich an der Weggabelung
errichtet. Der schöne große Baum hat uns verleitet, den
Trailblazer dort über Nacht abzustellen. Jenseits des kleinen
Sandhügels eröffnete sich eine steinerne Welt die ihresgleichen
sucht. Derart beeindruckende formen- und farbenvielfältige Sandstein"verwirrungen"
hatte ich bislang noch nirgends gesehen, nicht einmal in den Coyote
Buttes North noch in den Coyote
Buttes South! Und nur allzu treffend empfand ich Tony´s
Beschreibung "Sandstone
gone wild".
Von unserem "Parkplatz" gelangt man zu einer kleinen Zwischenebene,
in der sich u.a. die Zimtschnecke (Bild
03) versteckt. Vorgegebene Wege gibt es hier nicht, aber wer mag
kann hier nach links zu einer pilzartigen
Formation am Plateaurand hinübergehen, von der man eine gute
Sicht auf die White Pocket hat, oder nach rechts zum schönen
"Lollipop" (Bild
11). Checkerboardmesaartige, weiße Sandsteinformationen
vermengen sich hier mit roten und orangefarbenen Schichtungen, eigenartige
versteinerte Knoten stehen aus der Ebene heraus, Sedimentgesteine
ineinander verschlungener wie sie es nicht sein könnten - die
Natur hat hier wahrlich ganze Arbeit geleistet!
Zweieinhalb Stunden hatten wir bis zum Sonnenuntergang, die Zeit verging
wie im Flug!
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Das Bergmassiv der White Pocket im
Licht der aufgehenden Sonne |

Die Nacht vor Ort war kurz und eisig. Es erging mir ähnlich wie
in den Coyote
Buttes South. Es war viel zu kalt und selbst in "voller Montur"
(T-Shirt, Sweetshirt, 2 Fleecejacken, Regenjacke und die 3. Fleecejacke
um die Socken gewickelt) habe ich ordentlich gefroren. Dafür
war ich umso früher wach und munter. Schon im Morgengrauen machten
wir uns mit unseren Stativen auf den Weg.
Es ist ein wunderschöner Anblick, der sich bietet, wenn man zu
Sonnenaufgang auf den Brainrocks steht, das glühende Bergmassiv
der White Pocket vor sich hat und in der Ebene die North und South
Teepees von einem herrlichen goldenen Licht angestrahlt werden.
Wer die Möglichkeit hat und das "Wild Campen" vor Ort
nicht scheut, sollte sich das Erlebnis nicht entgehen lassen. Auch
lichttechnisch ist man so auf der sicheren Seite, zumal einige der
Formationen ausschließlich Morgenlocations sind und andere wiederum
schöner im Abendlicht erscheinen, so z.B. "Icing Sugar"
(Bild 04)
oder der "Lollipop" (Bild
11). Bei der "Cinnamon Roll" (Bild
03, Bild
05) sollte man früh morgens sein Stativ aufstellen, da das
Licht abends von der falschen Seite einfällt und störende,
harte Schatten verursacht. Dasselbe gilt auch für eine der für
mich schönsten Stellen bei der White Pocket, im "Land
of Confusion", wo das Gestein fast noch gestreifter, verwirrter
und verknoteter erscheint, als es sonst ohnehin dort überall
ist (Bild
10, Bild
15).
Ein Sandsteinfan fühlt sich auf dem gesamten
Plateau wie "Alice im Wunderland", es ist einfach überwältigend!
Einziger Nachteil: Bei der Fülle an Sehenswürdigkeiten verliert
man nur allzu schnell die Übersicht und den Blick für die
ganz besonderen Motive. Mir ist es jedenfalls so ergangen und jetzt
sehne ich mich schon sehr nach einem weiteren Besuch! ;-)
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Siesta... :-) |
Kurz nach Sonnenaufgang |

Steffen ist an diesem Morgen auch hinüber zu jenem Bergmassiv
gegangen, das den eigentlichen Namen "White Pocket"
trägt (diese Erhebung sieht man im Übrigen sehr schön
vom Top Rock der Coyote Buttes North aus!). Es erwies sich als nur
mäßig interessant. In dessen Umgebung befindet sich jedoch
ein recht seltsames Gebilde.
Um halb 10 ging es dann zurück zum Auto. Es
wurde ausgiebig gefrühstückt und kurz später fuhren
wir über dieselbe Strecke, über die wir am Vortag gekommen
waren, zurück zur House Rock Valley Road und weiter
in Richtung Kayenta. Über Steffens Fahrstil an jenem Morgen möchte
ich mich mal lieber nicht äußern, nur soviel: Man(n) kann
die Tiefsandpisten auch einhändig fahren, während man in
der zweiten Hand, eine Getränkedose hält...... :-)
Die Vorfreude auf das bevorstehende Treffen mit Tony
Kuyper, einem sehr netten und hervorragenden amerikanischen Fotografen,
war groß. Nach einer weiteren bitterkalten Nacht in entlegener
Wildnis gab es schließlich am nächsten Vormittag endlich
wieder eine Dusche. Während ich das kühle Nass genoss, standen
die zwei Männer in der Küche und bereiteten fleißig
die von Steffen aus Deutschland mitgebrachte Schwarzbrotmischung zu.
Als ich dann fertig war, duftete es herrlich und der Tisch war bereits
gedeckt. So angenehm kann Urlaub sein... ;-)

Guided tours / Geführte Touren: Die Preise für
eine 10- bis 12-stündige Tour von Page oder Kanab variieren je
nach Anbieter, betragen in der Regel in etwa $150-200 pro Person.
Verpflegung ist meist inklusive. Ca. 3 Stunden dauert allein die Hin-
und Rückfahrt. Hier eine Liste der Outfitter, die derzeit Touren
zu White Pocket anbieten (Stand: Januar 2008):
- Canyon Country Out-Back Tours in Kanab; Tel.: 1-435-644-3807, http://www.ccobtours.com
- Paria Outpost and Outfitters, Hwy 89 zw. Page und Kanab; Tel.: 1-928-691-1047;
http://www.paria.com
- Antelope Slot Canyon Tours, 55 South Lake Powell Blvd., Page; http://www.antelopeslotcanyon.com
- Spezielle Fototours mit Kyle Walker; Kayak Powell Tours; Tel: 1-888-854-7862;
http://www.kayakpowell.com
Einen schönen Bericht über eine Ganztagestour zu White Pocket
und den Coyote Buttes South mit "Paria Outpost" hat Tilman
hier
veröffentlicht.
Übernachtung: Wer die Nacht
nicht vor Ort im Auto verbringen möchte, findet Zimmer im Super
8 in Kanab oder in der neuόbernommenen Juniper
Lodge in Fredonia (ca. 70 mi entfernt von White Pocket). Relativ
nahe gelegen ist das nicht sehr billige Jacob
Lake Inn in Jacob Lake sowie die Lodges im Marble Canyon (ca.
50 mi entfernt von White Pocket).
Wer sich die wunderbare Gesteinswelt
der White Pocket bislang noch nicht so recht vorstellen konnte,
der kann sie sich jetzt auch in Ton und Bild anschauen:
http://www.hkhinc.com/foto/cbs/index.htm
(wmv-files zuerst auf den PC herunterladen
und dann erst anschauen!)
-> Ein Film sagt
oft mehr als 1000 Worte! Wie winzig wir Menschen erscheinen
im Vergleich zu den gewaltigen Sandsteinformationen fasziniert
mich immer und immer wieder. Kent, ein sehr netter Amerikaner
aus Flagstafff, hat u.a. auch die Zufahrt gefilmt. Die
zwei gutaussehenden Protagonisten :-)))) sind Philippe
Schuler und seine Tochter Flora Schuler.
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