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"The region is of course altogether valueless...
Ours has been the first, and will doubtless be the
last party of whites to visit this profitless locality."
Irrtümer des Lieutenant Joseph Ives, 1858


Lage/Allgemeines: Das touristisch weniger erschlossene North Rim des Grand Canyon Nationalparks befindet sich im sogenannten Arizona Strip, jenem entlegenen Landstrich im Nordwesten Arizonas, den die große Schlucht vom restlichen Bundesstaat abgliedert und der nur von Utah oder Nevada aus erreichbar ist (Karte). Der Nordrand liegt im Schnitt um fast 400 m höher als das South Rim und ist für Besucher alljährlich nur fünf Monate lang zugänglich - von Mitte Mai bis zu den ersten Schneefällen gegen Ende Oktober/Anfang November. All jene, die neben der Aussicht in den Canyon auch ruhigere und schattigere Wanderwege suchen, sind am North Rim gut aufgehoben, denn nur etwa jeder zehnte Grand Canyon Tourist verirrt sich auch hierher.
Nach einer im Herbst landschaftlich sehr schönen und abwechslungsreichen Fahrt entlang des Hwy 67 durch die dichten Mischwälder des Kaibab National Forest erreicht man 30 mi südlich der kleinen Ortschaft Jacob Lake zunächst den Parkeingang und nach weiteren 14 mi das Besucherzentrum und die Abbruchkante.
GPS-Koordinaten in WGS84/NAD83

Wichtiges Update: Der Zustand der unbefestigten Straßen kann sich mit jedem Winter oder jedem Regenfall von heute auf morgen ändern. Mein Besuch liegt nun schon ein paar Jahre zurück und die Zufahrt zum Point Sublime hat sich dramatisch verschlechtert. Auf meine Anfrage beim NPS erhielt ich im Juni 2007 folgende Antwort: "There are two roads to Point Sublime, the one from the North Rim Village and the one from the National Forest. The one from the North Rim Village is practically not maintained (other than clearing the occasional fallen tree). The road is in horrible condition, a checkboard pattern of deep potholes and erosion gullies. It is barely passable. The road from the national forest is better and is passable with high clearence four wheel drive. The only obstacles on this road are some deep erosion gullies, but they can be avoided with some driving skill." Zum derzeitigen Zeitpunkt empfiehlt sich die Zufahrt wie unten eingezeichnet nicht, sondern nur über die Forest Roads ausgehend von der Kaibab Lodge. Hierfür benötigt man neben einem SUV und viel Abenteuergeist auch eine gute National Forest Road Map, um sich im Forest Road Wirrwarr nicht heillos zu verirren - etwas, das uns auf dem Rückweg damals ja fast passiert wäre (Stand: Juni 2007).



Unser Besuch: Der Hauptgrund für unseren 2-tägigen Aufenthalt am North Rim hieß Indian Summer und Informationen aus dem Internet zufolge, hätte die erste Oktoberwoche die optimalste sein sollen. Leider war das Kalenderjahr 2004 bis zu diesem Zeitpunkt eher trocken und der Herbst ist sehr früh eingezogen, so dass am 7. und 8. Oktober, als wir dort waren, ein Großteil der Espen bereits ihr Laub abgeworfen hatte. Die wenigen noch strahlend goldgelben Bäume ließen z.T. nur noch erahnen, wie wunderschön dieser Landstrich zum Höhepunkt der Laubverfärbung sein muss. So beschlossen wir am 8. Oktober - aus Mangel an Indian Summer Motiven - nach einem Sonnenaufgang am Point Imperial und einem anschließenden Ausflug zum schönen Angels Window und gut besuchten Cape Royal am Nachmittag noch einen etwas einsameren Aussichtspunkt aufzusuchen.

Den Point Sublime (GPS: 36°11'56"N, 112°15'03"W; 2274 m) im Westen des North Rims erreicht man über eine 17 mi lange, raue Staubpiste, die 0,25 mi südlich der Cape Royal Road von der Parkstraße in Richtung Westen bzw. Widforss Hiking Trailhead abzweigt (GPS: 36°13'29"N, 112°03'35"W; Map). Vor dem Besuch dieser doch eher entlegenen Gegend des North Rims sollte man sich bei der backcountry office im Besucherzentrum unbedingt über die aktuellen Straßenverhältnisse informieren. Auch wenn in vielen offiziellen Broschüren und Reiseführern stand, dass die Point Sublime Road auch für normale PKWs mit hoher Bodenfreiheit befahrbar sein kann, so war sie es Anfang Oktober 2004 definitiv nicht. Ein einheimischer Tankwart hatte uns nicht ganz zu unrecht gewarnt: "Mit dem eigenen Auto würde er dort nie hinaus fahren!" Wir vermutlich auch nicht, aber für unseren Trailblazer stellte die Strecke kein Problem dar, schnell vom Fleck kommt man leider dennoch nicht. Für die 17 mi haben wir knapp 80 Minuten gebraucht.
Anfangs war die Piste durch aufgelockerte Espenwälder noch relativ eben und in einem ausgezeichneten Zustand allerdings gab es zwischendurch immer wieder tiefere Wasserlöcher und Passagen im Wald mit mehr oder weniger großen Steigungen, die zu diesem Zeitpunkt z.T. sehr ausgewaschen waren - selbst SUVs hätten hier aufsitzen können! Auch Mitte Mai, wenn der Rest des North Rims meist schon zugänglich ist, können auf der Point Sublime Road noch tiefe Schneefelder liegen oder schlammige Abschnitte die Route völlig unpassierbar machen.

 
Grand Canyon North RIm Point Sublime
Mencius Temple im Abendlicht - Point Sublime


Am Weg zum Aussichtspunkt lassen sich noch zwei Abstecher machen:
Von einer großen, weiten, von Bäumen umgebenen Wiese, ca. 4,2 mi westlich der asphaltierten Parkstraße, startet der nicht ausgeschilderte Tiyo Point Trail. Auf einer für Fahrzeuge nicht zugelassenen alten Forststraße, die nach Westen abzweigt, geht es zunächst leicht bergauf durch einen aufgelockerten Wald aus Kiefern, Fichten und Espen bis man nach rund 10 km den entlegenen Tiyo Point [tee-yo] an der Abbruchkante des Grand Canyons erreicht.
Kurz vor dem Abzweig (36°15'21"N, 112°12'00"W) nach rechts zur Kaibab Lodge eröffnet sich von einem namenlosen Overlook der Blick in einen großen, grünen Seitencanyon.
Den dritten Abstecher zu einem netten Picknickplatz vor dem Point Sublime haben auch wir gemacht, nach einem ersten Blick hinunter in die Schlucht. Um halb 3 stand die Sonne noch zu hoch für schöne Fotos, so dass wir nur ein ungewöhnliches Kunstwerk, das dort am Abgrund stand (siehe Bild unten), bewunderten und dann zurück gefahren sind, um uns an dem nett gelegenen Picknicktisch etwas zu stärken. Wer hier in dieser herrlichen Umgebung seinen Zeltplatz über Nacht aufschlagen möchte, braucht ein backcountry permit.
Als wir eine Stunde später zum Point Sublime zurück kehrten, waren wir nicht mehr allein und meine Neugierde veranlasste mich gleich den Unbekannten zu fragen, ob er denn wüsste, ob dieses schöne indianische Kunstwerk, das ich zuvor noch nie auf Fotos gesehen hatte, immer da stehen würde. Nicht schlecht staunte ich über die Antwort: "es ist dort erst seit Mittag und es wird am Abend wieder abmontiert ". Es stellte sich heraus, dass dieser Künstler, Stephen Kandik, seine Kunstwerke gerne an den unterschiedlichsten locations im Südwesten fotografiert und an diesem Tag hatte er sich dafür den Point Sublime ausgesucht. Glück für uns, denn es passte sehr gut in diese Landschaft und wurde auch von uns mehrfach abgelichtet während wir auf den Sonnenuntergang warteten.

 
Grand Canyon North RIm Point Sublime
Der erste Blick hinunter in die Schlucht


Wer glaubt, hier draußen am Point Sublime fernab jeglicher Zivilisation die absolute Stille und Einsamkeit zu finden, der wird so wie wir etwas enttäuscht sein. Zwar sind wir den ganzen Nachmittag nur drei weiteren Leuten begegnet, aber die Ausflugshubschrauber vom South Rim und Las Vegas fliegen fast ununterbrochen über das schöne, nah gelegene Hindu Amphitheater hinweg, so dass von einer angenehmen Stille leider keine Rede sein kann. Und dass nicht nur ich so empfand, zeigte sich, als sich auch der Amerikaner bei uns darüber beklagte.
Dennoch wird der Aussichtspunkt seinem französischen Namen ("sublime") durchaus gerecht, liegt er doch auf einem sich weit in die Schlucht hinein erstreckenden Plateau, von dessem Ende sich ein schöner, weitreichender Panoramablick in beide Richtungen eröffnet. Vom nur knapp 6,5 km Luftlinie entfernten South Rim sieht man von hier den gesamten Abschnitt vom Bass Canyon im Westen bis hin zum Desert View, dem östlichsten Aussichtspunkt des South Rim. Mit einem Fernglas oder einem guten Teleobjektiv lassen sich Teile des Tonto, Hermit und South Kaibab Trails ausmachen sowie im Südosten die Grand Canyon Village und Hermits Rest, der westliche Aussichtspunkt am Südrand, und entlang des North Rims versteckt sich im Osten hinter dem Hindu Amphitheater der Tiyo Point sowie das Cape Royal.
Selbst ein kleines Stück des Colorado River kann man von hier oben erkennen. Kaum vorstellbar, dass dieses reißende Gewässer auf seinem 2300 km langen Weg vom Bundesstaat Colorado bis zum Golf von Kalifornien gemeinsam mit seinen zahlreichen Nebenflüssen im Lauf der Jahrmillionen hier im Nordwesten Arizonas solch ein Meisterwerk geschaffen hat: knapp 1600 m tief und an seiner breitesten Stelle sind die gegenüberliegenden Abbruchkanten fast 30 km voneinander entfernt.
Leider hatten wir an diesem Abend keine idealen Bedingungen und der Sonnenuntergang verlief relativ unspektakulär. Am Südrand des Canyons stiegen große Rauchwolken auf, die das Licht trübten und die Sonne schon vor ihrem Untergang hinter einer dichten Wolkenbank verschwinden ließen. In einer recht waghalsigen Aktion - mit der Leiter direkt am Abgrund - montierte Stephen Kandik seinen Vogel wieder ab. Noch ein letztes Foto vom Confucius Temple im Abendlicht und wir machten uns gegen 18 Uhr auf den Heimweg.

 
Grand Canyon North RIm Point Sublime
Alleine am Point Sublime


Jedem, der sich für die zweite Anfahrtsmöglichkeit zum Point Sublime über die Kaibab Lodge entscheidet, dem sei die Mitnahme einer detaillierten Kaibab National Forest Map empfohlen. Eigentlich wären wir auch niemals darauf gekommen diesen Weg einzuschlagen, wenn nicht Stephen Kandik uns auf die Idee gebracht hätte. Er meinte die Piste zurück zur Parkstraße war derart mies, dass er sie nicht noch einmal fahren möchte und nun die andere Variante ausprobieren würde. Ich erinnerte mich auch schon im Internet gelesen zu haben, dass man den Point Sublime ganz gut direkt von der Kaibab Lodge aus erreichen kann und auf der groben Karte, die wir mit hatten, war auf diesem Weg lediglich eine einzige forest road eingezeichnet. Viel schlechter konnte die auch nicht sein und eventuell sogar kürzer, weil sie uns ja direkt zu unserem Quartier führen würde, waren unsere Gedanken. Außerdem wenn wir früher aufbrechen und uns am Heimweg eine Panne widerfahren sollte, dann hätten wir im Notfall immerhin noch einen hinter uns, denn Kandik wollte erst etwas später vom Point Sublime aufbrechen. Dass wir allerdings an jenem Abend den Weg zurück zur Kaibab Lodge nur mittels GPS und "kartenlos" gefunden haben, ohne uns zu verfahren, würde ich als pures Glück bezeichnen.
Zwei Stunden lang dauerte die abenteurliche Fahrt in der Dunkelheit durch die Kaibab National Forest in Richtung Nordosten, immer wieder standen wir vor unbeschilderten Kreuzungen, großen Schlaglöchern und immer wieder zeigte mir mein GPS-Gerät jenes Display an, das ich in solch einer Situation am "allerliebsten" lese: "Are you indoors now?"...
Das ungute Gefühl, das uns dort schon beschlichen hatte, bestätigte sich zu Hause, als ich mir das Wirwarr an Forststraßen im Topozone angeschaut habe und selbst am PC Navigationsprobleme hatte... Vor einem Nachahmen ohne entsprechende Kartenausrüstung kann ich nur dringlichst abraten!
Selbst mit der folgenden Beschreibung in umgekehrter Richtung, die ich allerdings erst nach unserem Ausflug im Internet gefunden habe, würde ich eine "kartenlose Tour" nicht nochmals unternehmen wollen: "Von der De Motte Park Abzweigung, rund 0,8 mi südlich des North Rim Country Store an der AZ-67, geht es 2 mi entlang der forest road 22 in Richtung Westen und dann auf der forest road 270 für weitere zwei Meilen nach Süden. Hier zweigt man wieder nach rechts ab auf die forest road 223, von der man nach 6 mi auf die forest roads 268 und 268B in Richtung Süden abbiegt, deren Zustand sich auf den letzten 15 mi innerhalb des Nationalparks kontinuierlich verschlechtert. 0,2 mi hinter der Nationalparkgrenze hält man sich links, rechts geht es hier zum Swamp Point (Anmerkung: uns sind in der Dunkelheit nirgends weder Straßenbezeichnungen noch Schilder oder Parkgrenzen aufgefallen, obwohl ich zuweilen an Kreuzungen sogar ausgestiegen bin!). Abschließend heißt es noch zweimal nach rechts abbiegen, zunächst hinter der Kreuzung mit der Piste zum Kanabownits Lookout und dann nochmal bei der T-Kreuzung unmittelbar vor dem Canyonrand, wo es nach links zum Tiyo Point bzw. zurück zur North Rim Lodge geht.

Point Sublime ist jedoch keinesfalls einer der einsamsten Aussichtspunkte am North Rim, so liegen etwas weiter westlich noch etliche, ebenfalls nur über forest roads erreichbare Overlooks, u.a. der Crazy Jug Point (36°25'40"N, 112°24'13"W), der Swamp Point (36°20'10"N, 112°20'56"W) oder der Jumpup Point (36°31'02"N, 112°36'59"W).

 

Grand Canyon North RIm Lodge
Grand Canyon Lodge am North Rim


Fototipp: Wie überall am Rim des Grand Canyons ist es auch hier am Point Sublime am schönsten während der goldenen Stunden morgens bzw. am Abend. Eine Datenbank über die Sonnenuntergangszeiten und -aufgangszeiten finden man hier.

Unterkunft: Am North Rim durchaus ein eher heikles Thema! Unsere Reiseroute hatte ich zwar schon ein Jahr vorher zusammengestellt, allerdings fiel die Entscheidung, ob die Colorado Plateau Rundreise tatsächlich im Jahr 2004 stattfinden würde, erst mit dem erfolgreichen Erhalt der Wavepermits am 1. April. Zu diesem Zeitpunkt war die North Rim Lodge jedoch schon hoffnungslos ausgebucht und mit etwas Glück haben wir dann gerade noch in der ebenfalls nicht sehr preiswerten Kaibab Lodge knapp außerhalb der Parkgrenze einen Platz gefunden ($90/Cabin; STand: 2004). Unterkünfte gibt es außerdem in Jacob Lake, die Distanz zum Rim ist jedoch beachtlich, ganze 44 Meilen.

 

Grand Canyon North RIm Kaibab Lodge
Kaibab Lodge Cabin - eine Baumrinde
diente uns früh morgens als Eiskratzer


Essen: Jedem, der in dem schönen großen Saal der Grand Canyon Lodge unmittelbar an der Abbruchkante der großen Schlucht zu Abend essen will, kann ich nur empfehlen rechtzeitig zu reservieren. Wir wollten gleich nach unserer Ankunft einen Tisch bestellen, aber selbst für den nächsten Abend war kein Platz mehr zu bekommen außer zu einer Zeit, zu der sich wirklich keiner indoors befinden möchte, nämlich genau dann, wann die Sonne untergeht... Glücklicherweise gab es im Restaurant der Kaibab Lodge keine Platzprobleme und das Essen war ganz ok, auch wenn manche Sachen, die auf der Speisekarte standen, eher gefährlich anmuteten, so z.B. der chocolate suicide cake. ;-)
Ihren Sinn für Humor bewiesen die Eigentümer der Kaibab Lodge schon durch die Broschüre, die in jedem Zimmer auflag: "Thank you for staying with us. We know our amenities are nice. If you wish to take them home with you we do understand. We will charge your credit card accordingly: keys $25, beadspread $250, picture frames $35, shower curtain $25, smoke alarm $35" etc. Und zu guter Letzt war auch noch die Broschüre selbst mit $10 veranschlagt. Dagegen war das üppige Frühstücksbüffet mit $5,59 recht preiswert, das wir dort am Tag unser Abfahrt weiter in Richtung Vermillion Cliffs und Page genossen haben.

 


Als sich vor rund 10 Mio. Jahren das Colorado Plateau zu heben begann, wurden die Sedimentschichten mit einer leichten Neigung nach Südwesten hin langsam über 3000 m nach oben gedrückt. Die Hebung veranlasste den bis dahin nach Südosten fließenden archaischen Colorado River, seinen Lauf in Richtung Südwesten zu ändern. Gleichzeitig wurde das Gefälle des Flusses und damit dessen Abtragungskapazität erhöht. Mit Hilfe des mitgeführten Gerölls fräste er sich bis zu einer Tiefe von 1600 m in das Gestein, ein Prozess, der auch heute immer noch andauert. Wie in einem Anschauungsbuch der Geologie legen die Gesteinsschichten des Grand Canyon ein großes Stück Erdgeschichte frei - eine Reise in die ferne Vergangenheit vom Perm vor nur 225 Mio. Jahren bis zu den frühesten Erdschichten aus dem Präkambrium vor rund 2 Milliarden Jahren.

Grand Canyon North RIm Point Sublime Geology


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© 08.05.2005 Isabel Czermak      Last update 16.06.2007



 

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