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White Pockets in Autumn - A Time for Reflection

 

Lage, wichtige Hinweise und Topomap: Ausführliche Details hierzu sind in meinem Frühjahresbericht zu finden. GPS-Koordinaten in WGS84/NAD83.

Unser Herbstbesuch: Eigentlich standen die Bundesstaaten Utah und Arizona überhaupt nicht auf unserem Herbstplan. Eine großflächige Schlechtwetterfront über New Mexico brachte uns auf die Idee, wieder einen unserer Lieblingsplätze in Nordarizona aufzusuchen. Die Bedingungen konnten nicht idealer sein. Der tagelange Regen hatte die Sandpisten regelrecht "festzementiert" und sämtliche Senken am Plateau bei der White Pocket mit glasklar spiegelnden Pools gefüllt. Es war unglaublich schön! So farbenprächtig hatten wir die Gegend noch nie gesehen. Alle Farbverläufe wirken umso intensiver und dramatischer, wenn der Sandstein noch leicht feucht ist. Wenn ich an die Fotolocations am Colorado Plateau ein persönliches (wohlbemerkt sehr subjektives!) Ranking vergeben müsste, so stünde White Pocket (vor allem nach Niederschlägen!) derzeit definitiv ganz oben auf meiner Liste, dicht gefolgt von den Bisti Badlands und den Coyote Buttes - wobei mir die nördlicheren Buttes nach wie vor besser gefallen. Bei Steffen ist es genau umgekehrt, und White Pocket folgt erst auf Platz 3.

 

Evils Eye at White Pockets
White Pocket Swirls
Einzigartige Sandsteinschönheiten verbergen sich auf dem Plateau.


Da wir von der Paria Ranger Station, wo die permits für die Coyote Buttes South abgeholt werden mussten, angereist sind, entschieden wir uns dieses Mal für die von Norden kommend kürzeste Strecke über Lone Tree (36°54'52"N, 112°03'05"W; Topo). Auf feuchtem Sand ist der steile Abschnitt ca. 1 mi hinter Paw Hole (36°55'27"N, 112°01'00"W; Topo) zu schaffen, sofern man vorher ordentlich "Anlauf nimmt". Aber auch so ging es sich nur knapp aus, noch ein paar Meter bergauf und Steffen hätte das Auto wieder zurückrollen lassen können... Wenn möglich, sollte man diese Strecke als Anfahrtsroute eher vermeiden!
Die berüchtigte Felsplatte, an der schon viele aufgesessen sind, sah dieses Mal noch schlimmer aus und war nur äußerst langsam zu überwinden. Über die bereits im Frühjahresbericht beschriebene Route ging es weiter in Richtung White Pocket. Das Auto ließen wir wieder unter jenem Baum direkt vor dem Plateau stehen, der uns im April schon ans Herz gewachsen war.

 

Reflections at White Pocket
Riesige Pools breiteten sich vor unseren Augen aus.


Der erste Nachmittag vor Ort war stark bewölkt und leider noch etwas regnerisch. Wir nutzten die Zeit um die Umgebung der White Pocket ein wenig näher zu erkunden. Wenn man sich vom Plateau in Richtung Südwesten bewegt, so trifft man immer wieder auf in der Ebene verstreute einzelne größere oder kleinere Sandsteinfelsen und schließlich auf ein weiteres kleines Plateau, das meiner Meinung nach nicht so sehenswert ist (ungefähre Lage: Topo). Dort habe ich allerdings eine interessante Erfahrung gemacht. Da Steffen und ich uns für längere Zeit aus den Augen verloren hatten, erklomm ich - um einen besseren Überblick zu haben - einen der höchsten auf diesem Plateau vorhandenen Sandsteinhügel. Seine "Checkerboard Mesa"-artige Struktur glich jener an der Rückseite des Lollipops, die "Kacheln" waren jedoch um einiges kleiner. Als ich oben ankam, löste sich eine dieser Kacheln aus der Wand und ich traute meinen Augen kaum: sie zerbröselte augenblicklich zu dem Material, aus dem sie einst entstand, zu allerfeinstem Pulversand. Bislang kannte ich nur Sandstein, der zu kleinen Bruchstücken zerbricht. Es ist ein Wunder, wie kompakt und hart Sandstein doch wirken kann, obwohl er so dermaßen fragil ist. Auch der mittlerweile nicht mehr existente Knotted Rock bei den Coyote Buttes South bestand aus exakt demselben Material (wenngleich andersfarbig). Man kann in dieser Gegend nicht behutsam genug sein! Jeder, der hinter dem Lollipop spazieren geht, wird sich wohl kaum vorstellen können, dass solch kompakter Berghang mit kleineren "Kacheln" spontan zu Pulver zerbröseln vermag.

Das Natursschauspiel, das sich uns kurz vor Dämmerung bot, war grandios. Der Westrand des Plateaus leuchtete richtiggehend unnatürlich, graurosa Wölkchen spiegelten sich traumhaft in den Water Pockets und die "Checkerboard Mesa" tauchte in ein zartrosa Licht (Bild). Leider konnte keine Kamera das festhalten, was hier das Auge sah.

 

Home sweet home...
Man(n) fotografiert


Die Nacht vor Ort war zum Glück nicht so kalt wie jene im April. Im Morgengrauen riss es völlig auf, und der Himmel war nun so gut wie wolkenfrei. Die fehlenden Wölkchen machten jedoch die vielen größeren und kleineren Pools wieder wett - es war so gut wie windstill! Wir wussten manchmal gar nicht, was wir als erstes verewigen sollten. All die glasklaren Spiegelungen im weichen Morgenlicht - ein absoluter Traum!
Für das erste Sonnenlicht bieten sich die Brainrocks am südlichen Ende des Plateaus an, danach kann die Erkundung des vorderen Bereichs beginnen. Aufgrund der hohen Bergkette erreicht die Sonne die hinteren Teile erst ein wenig später. Dann sollte man aber auf jeden Fall nicht verabsäumen, das Gebiet jenseits des Lollipop aufzusuchen. Aufgrund der einzigartigen "Sandsteinverwirrungen" ist es für mich nach wie vor das beeindruckendste des gesamten Plateaus. Das Morgenlicht schmeichelt dem "Land of Confusion" am westlichen Plateaurand und abends kann man auf der gegenüberliegenden Seite der Senke wunderschön die "Red Wall" und die "Red Swirls" verewigen.
Hier entstand an jenem Morgen eines mein Lieblingsbilder von White Pocket: Steffen sein "Sandstone Wonderland". Den praktisch unsichtbaren Übergang zwischen den Sandsteinwellen und der Spiegelung habe ich leider nicht so genial hinbekommen bzw. gar nicht richtig bemerkt vor Ort. Aber ich sehe es mal positiv: Das und noch ein paar weitere skurrile Formationen in der näheren Umgebung sind sicher wieder ein guter Grund für einen dritten Besuch... ;-)

Bei der "Cinnamon Roll" selbst stand kein Wasser, aber dafür nur wenig weiter südwestlich bei jener Formation, die Steffen einst "Chaos" getauft hatte. Sie war mir am Abend zuvor schon aufgefallen, nur leider waren dort die Lichtbedingungen alles andere als ideal. Früh morgens faszinierte mich "Evil Eye" umso mehr und ich war fast nicht wegzubringen von dieser Stelle. Es zählt wohl auch zu meinen absoluten Lieblingsmotiven von dieser Tour. Den eigenen Schatten dort nicht mitzuverewigen war eine kleine Herausforderung. Auch etwas später als Steffen sein "Enjoy the Silence" fotografiert hat, musste man noch tief am Boden herumkriechen (siehe Foto oben rechts).

Den Rest des Tages verbrachten wir in den Coyote Buttes South. Als wir dann am Nachmittag wieder zurückkamen, waren wir beide schon ein wenig "fotomüde" geworden. Wir machten nur noch ein paar letzte Abschiedsfotos und stiegen wieder in unseren Trailblazer. Eine kleine Überraschung erwartete uns noch auf unserer Rückfahrt nach Page. Kurz vor Corral Valley stand ein wohl 100 m langer Straßenabschnitt völlig unter Wasser. Es vergingen einige Schrecksekunden, bevor wir die von unseren Vorgängern neu angelegte Route durch das Gebüsch erkannten. So entstehen wohl neue Pisten, die dann keiner auf den Topomaps findet... ;-)
Als Fazit nach unseren Besuchen vielleicht noch eine kleine Warnung: Auch wenn der Sand durch die Niederschläge kompakter und leichter befahrbar wird, so gibt es auch immer wieder Abschnitte, die dann unpassierbar sind bzw. wo man im Schlamm stecken bleiben könnte. Die Strecke nach White Pocket oder den Coyote Buttes South ist nicht so ohne und egal unter welchen Bedingungen: Vorsicht ist immer angebracht!

 

White Pocket


Eine Episode: Wer hofft, bei White Pockets die schöne wilde Natur in Einsamkeit genießen zu können, der irrt gewaltig. Aufgrund des regen Interesses - auch unter amerikanischen Fotografen - bieten mittlerweile immer mehr Outfitters geführte Touren in diese Region an. So hatten wir diesmal vor Ort z.B. eine lustige Episode zu verzeichnen, über die wir heute noch ein wenig schmunzeln müssen. Angekommen sind die Teilnehmer der Fototour früh morgens gegen 8 AM, als das Licht im Anfangsbereich des Plateaus schon nicht mehr das beste war. Zu unserer größten Verwunderung ist die Fotografengruppe (hatten allesamt Mittel- oder Großformatkameras!) in diesem Anfangsbereich den ganzen Vormittag vor einem eher bescheidenen (ich drücke mich mal vorsichtig aus... ;-) ...) weißen Felsen gestanden, ohne sich den Rest des Gebiets anzuschauen. Einer der Fotografen instruierte die anderen Teilnehmern des Workshops, was wie wo dort an dem Hügel am besten zu fotografieren sei. Der jüngste der Gruppe hat es sich schließlich doch nicht nehmen lassen, sich ein wenig in der Umgebung jenseits des Hügels umzusehen. Er kam strahlenden Gesichtes zurück, es sei "absolutely gorgeous" dort hinten. Aber auch das half nichts, die restlichen fünf Workshopteilnehmer blieben wie festzementiert den ganzen Vormittag dort stehen... Es war Steffen und mir völlig unbegreiflich, wie man an solch einzigartigen Tag stundenlang vor einem nichtssagenden kleinen weißen Hügel ohne reflections verbringen kann. Einem Berg , der sich aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit von Beginn an schon im viel zu grellen Licht befand... Hinzu kam noch, dass sie dann mitten am Nachmittag bereits ihre Sachen zusammengepackt hatten und wieder nach Hause fahren mussten! Und das an einem dieser seltenen Tage, wo alle Senken mit spiegelglattem Wasser gefüllt waren...
Mit anderen Worten: kein sanftes Morgenlicht, kein schönes Abendlicht, den ganzen Vormittag vor einem weißen Felsen und das trotz einzigartiger Bedingungen! Ich möchte lieber nicht wissen, welch Unsummen die Fotografengruppe bezahlt hat, um zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.......
Sollte sich jemand nicht alleine zu White Pocket trauen (was ich gut nachvollziehen könnte!) und sich einer geführten Tour anschließen, dann bitte genau vorher überlegen welcher! Obwohl man kann es ja auch so machen wie der neugierige junge Mann... ;-)
Hier gibt es eine Übersicht der geführten Touren zu den White Pockets oder den Coyote Buttes South.

 

© 01.11.2006 Isabel Synnatschke

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