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Auf Meister Petz Spuren in den Rocky Mountains



Wie lassen sich diese zwei eng verwandten Bärenarten am besten voneinander unterscheiden? Das wohl auffälligste Merkmal ist der ausgeprägte muskuläre Höcker, den Braunbären (Grizzlies, Ursus arctos) zwischen ihren Schultern tragen. Aber auch ihre Gesichtsform ist verschieden: Während Schwarzbären (Ursus americanus) ein eher geradliniges, fast konvexes Profil zwischen den Ohren und der Schnauze aufweisen, haben Grizzlies meist eine relativ deutliche Mulde bei ihrem Nasenansatz und von vorne gesehen ein dreieckigere Gesichtsform. Braunbären besitzen darüberhinaus viel größere Tatzen mit längeren Krallen (bis zu 10 cm!) sowie kürzere und rundere Ohren.
Grundsätzlich unterscheidet man in Nordamerika zwei Unterarten von Braunbären: der Grizzlybär in den Rocky Mountains (Ursus arctus horribilis) sowie der Kodiakbär (Ursus arctos middendorffi), der der weltweit größte Braunbär ist und auf den gleichnamigen Inseln vor Alaska lebt.
Im Gegensatz zu den unberechenbaren Braunbären verhalten sich die Schwarzbären wesentlich seltener aggressiv dem Menschen gegenüber - selbst bei der Verteidigung ihrer Jungen oder ihrer Futterplätze.
Die Größe des Tieres und seine Fellfarbe sind keine verlässlichen Erkennungsmerkmale!
Ausgewachsene Schwarzbärexemplare sind größer als jüngere Grizzlies. Beide Bärenarten können jede Verfärbung zwischen Schwarz, Zimt und Hellbraun annehmen. Interessant ist die Tatsache, dass ihr Aussehen je nach Region in der sie leben, variiert. So sind beispielsweise die Schwarzbären im US-Bundesstaat Washington zu 99% schwarz, das Fell jener, die etwas südlicher im Yosemite N.P. ihr zu Hause haben, ist bei 91% blond bis braun gefärbt. Der Begriff "Grizzly" kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie "gräulich".
Relativ gut voneinander unterscheiden lassen sich Braun- und Schwarzbären auch anhand ihrer Spuren. Eine schöne grafische Gegenüberstellung der beiden Bärenarten findet man hier oder hier.
Bären werden in freier Wildbahn bis zu 25 Jahre alt, aber nur wenige von ihnen erreichen tatsächlich dieses hohe Alter und sterben eines natürlichen Todes. Grizzlies sind die Säugetiere mit der niedrigsten Vermehrungsrate in Nordamerika. Die Jungen verweilen meist 5 Jahre bei ihrer Mutter, das gebärfähige Alter erreichen sie mit etwa 10 Jahren.
Bären sind typische Allesfresser. Sie ernähren sich von Blumen, Beeren, Knollen und Wurzeln sowie von größeren und kleineren Tieren oder deren Kadavern. Selbst Ameisen stehen auf ihren Speiseplan. Bis zu 35000 kcal nehmen sie in der Hochsaison an einem Tag zu sich. Auch die Summe der pro Tag konsumierten Beeren ist unvorstellbar: bis zu 250.000 Stück können in einem Bärenmagen landen (wer zählt so etwas?).
Zu ihrem sehr ausgeprägtem Geruchssinn (sie können Menschen bis in einer Entfernung von 3 km riechen!) steht ein recht netter Satz in der Nationalparkbroschüre "Bears and people": "We breathe in mountain air like a tonic but bears read it like an invisible map. Their keen sense of smell helps them negotiate the landscape, guiding them to food and away from possible threats."

 

Canadian Rockies - Black Bear

Wenn Schwarzbären ihren Kopf ein wenig
senken, kann es gelegentlich den Anschein haben,
als hätten sie auch einen kleinen "Höcker"
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 Wandern in der Heimat der Bären

Statistisch gesehen trifft ein Wanderer im Schnitt alle 785 km auf einen Bären, d.h. die Wahrscheinlichkeit plötzlich einem am Trail gegenüberzustehen ist relativ klein und jene von einem Bären angegriffen zu werden noch wesentlich geringer. Dennoch liest man immer wieder von tragisch endenden Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Jeder, der kürzere oder längere Wanderungen in den kanadischen Rockies plant, sollte sich unbedingt vorher etwas eingehender mit den Thema "Bären und Sicherheit" auseinandersetzen. In den Besucherzentren liegt hierfür eine recht gute Informationsbroschüre auf: "Bears and People - A guide to safety and conservation on the trail". Der kanadischen Parkverwaltung liegt nicht nur die Sicherheit der Menschen am Herzen sondern auch das Überleben der Braun- und Schwarzbären. Und es gibt ein paar Grundregeln, die es zu beachten gilt, wann immer man in der Heimat der Bären unterwegs ist:

Man sollte sich niemals einem Bären nähern. Die Mindestdistanz sind 100 m!
Auch wenn sie wie Kuschelbären aussehen, sie sind es in keinster Weise! Braunbären wiegen bis zu 750 kg und können selbst 250 kg schwere Steine noch mit Leichtigkeit bewegen. Sie erlegen eine ausgewachsene Hirschkuh mit einem Prankenschlag und erreichen eine max. Laufgeschwindigkeit von 60 km/h!
The best thing to do is... AVOID an encounter:
Bären sind sehr intelligente und komplexe Tiere. Jeder hat seine eigenen Launen und sein eigenes Temperament, was eine allgemeine Verhaltensregel für unerwartete Aufeinandertreffen so gut wie unmöglich macht. Das Beste und Allersicherste ist deshalb, jede Begegnung grundsätzlich zu vermeiden.

Bären mögen keine Überraschungen!
Auch wenn es z.T. äußerst mühsam ist, sollte man vor allem in unübersichtlichen Gelände sowie in der Nähe von rauschenden Wasserläufen oder Beerensträuchern sehr laute Unterhaltungen führen und hin und wieder mit den Händen klatschen.
Bärenglocken sind sehr umstritten. Während in der Gegend um Lake Louise in Kanada fast jeder Wanderer Glocken (bis hin zur Größe unserer Almkuhglocken) am Rucksack befestigt hat, so wird man im Glacier N.P. im US-Bundesstaat Montana nur wenig Läuten/ Klingeln hören. Bärenglocken geben oft eine falsche Sicherheit. Sie ersetzen in keinster Weise die menschliche Stimme und/oder das laute Klatschen, die beide auf viel größere Distanz zu hören sind!

Man sollte sich nicht alleine auf Wanderschaft begeben. Gruppen von mehr als 6 Leute sind bislang noch nie von Bären angegriffen worden!
Proviant gut verschließen, denn Essensdüfte können Bären anlocken. Dasselbe gilt für Parfüms oder Deos, mit denen man in Bärengebiet eher sparsam umgehen sollte!
Bei einem unerwarteten Zusammentreffen mit einem Bären, ist ein ruhiger und langsamer(!) Rückzug, sofern möglich, in den meisten Fällen die beste Rettung. Hierbei sollte man den Bären zwar nicht in die Augen sehen, aber keinesfalls aus den Augen lassen! Sollte das Tier sich auf seinen Hinterbeinen aufrichten, so wird empfohlen stehen zu bleiben und mit ruhiger Stimme auf den Bären einzureden, damit ihm klar wird, dass man ein Mensch und kein Beutetier ist. (Ob das jemand in solch einer Situation wirklich zusammenbringt...?!?)
Wenn ein Bär sich selbst, seine Jungen oder seinen Futterplatz verteidigt und einen angreift, hat man kaum eine Chance. Tot stellen bzw. am Bauch legen oder zusammenrollen und Kopf sowie Nacken mit den Händen und Armen schützen reicht in den meisten Fällen aus um einen defensiven Bärenangriff abzuwehren und dem Tier wird bewusst, dass man keine Bedrohung für ihn darstellt.
Oft täuschen Bären auch nur einen Defensivangriff vor und stoppen wenige Meter vor dem Menschen.
Sollte der sehr unwahrscheinliche Fall eintreten, dass der Bär ein offensives Verhalten aufweist und einem verfolgt oder in der Dämmerung bzw. Nacht angreift, so kann man davon ausgehen, dass er einem als Beute ansieht. In diesem Fall hilft das "Tot stellen" kaum, ganz im Gegenteil, man muss ihm zu erkennen geben, dass man kein leichter Fang ist - anschreien, Steine werfen und Bärenspray...
Im Waterton/Glacier N.P. habe ich mich kurz mit einer Rangerin über das Thema Bärenspray unterhalten. Die Tatsache, dass sie selbst grundsätzlich nie ohne in die Berge wandern geht, spricht wohl für sich. Als Tourist, der nur wenige Tage im Park verweilt, würde sie sich allerdings solch teuren Spray nicht zulegen, weil die Wahrscheinlichkeit einen Bären anzutreffen nun mal sehr gering ist. Wäre das Wetter nicht so schlecht gewesen, hätten wir uns für die geplante Wanderung entlang des Carthew-Alderson Trail (Grizzly- und Pumarevier!) mit Sicherheit eine Dose zugelegt.
Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Wirksamkeit eines Bärensprays nicht zu 100% garantiert ist, selbst dann nicht, wenn er nach Vorschrift angewandt wird!



Wegabsperrungen und die Gruppenregulierung dienen nicht nur zum Schutz der Menschen. Es sind die Bären, die in erster Linie davon profitieren!

Wie souverän die kanadische Parkverwaltung den Umgang zwischen Bär und Mensch managt, zeigt sich an den vielen immer wieder temporär als gesperrt ausgewiesenen Wanderpfaden oder auch am Beispiel des Consolation Valley. Der 3 km lange Weg vom Moraine Lake in dieses schöne entlegene Tal am Fuße der Panorama Ridge führt mitten durch ein Grizzlygebiet. Es war im Sommer 2005 strikt verboten diese Wanderung zu unternehmen, wenn man nicht einer Gruppe von mindestens 6 Leuten angehört. Diese Anzahl wurde nicht willkürlich festgelegt, sondern beruht auf der langjährigen Erfahrung der Parkverwaltung. Es gab bis dato keine Zwischenfälle bei Wandergruppen dieser Größe, bei kleineren kann man sie nicht ausschließen, wenn der Weg mitten durch ein Grizzlyrevier führt. Nähere Informationen dazu gibt es auch hier.
In Anbetracht dieser Hinweistafeln gleich an unserem ersten Urlaubstag hat sich unsere Mine zunächst schnell verfinstert, zumal alle Leute die dort vorbeikamen, mit ihren Halbschuhen lediglich schnell hinauf zum Rockpile wollten. Eine auf der Liste um 15:00 Uhr eingetragene Gruppe von 10 Leuten hatten wir um knapp 10 Minuten verfehlt. Ein wenig frustiert habe ich mich dann in die Lobby des Hotels am Lake Moraine (unbezahlbar!) begeben und lernte eine nette Kanadierin kennen, die mir erzählte, dass sie bislang immer ganz alleine im Consolation Valley war. Man müsse sich nur direkt am Trailhead postieren und warten bis sich noch andere Interessenten dort versammeln. Am nächsten Tag waren wir in der Früh dort und es dauerte in der Tat keine 10 Minuten und wir hatten schon eine deutsche Familie als Begleitung. Aber zählen zwei kleine Kinder wie zwei Erwachsene? Schnell war noch ein kanadisches Ehepaar gefunden und wir machten uns zu acht auf den Weg. Die Wanderung zum Consolation Valley war das kurze Warten durchaus wert und den Bären hatte ich es zu verdanken, dass ich mit den Kanadiern eine längere, nette Unterhaltung führen durfte. Es stellte sich nämlich heraus, dass er Fotograf war. ;-)

 


- Hier ein guter Link zum Thema Bärenspuren: http://www.bear-tracker.com/mammals.html

- http://www.yellowstone-bearman.com/bears.html - Guide to the Bears of Yellowstone Park

- http://www.pc.gc.ca/pn-np/ab/banff/visit/visit12_E.asp - eine extrem gute Infoseite

- http://www.natural-resources.wsu.edu/research/bear-center/bear-people.htm
  interessante Statistik aus den 1990er Jahren (Vergleich Opfer Bären / Hunde / Elche)

- http://de.wikipedia.org/wiki/Braunb%C3%A4r - Was ich bis dato nicht wusste: Im Himalaya gibt
  es eine ganz besondere Braunbärengattung: Isabellbären, den Ursus arctos isabellinus!!!! :-)))

- Und zu guter Letzt hier noch das Bild des größten Bären, der mir je begegnet ist, der 6 m hohe
  "Ursus arctus holzensis" am Hwy 5 südlich von Valemount, BC. Unser Bär #11!!! ;-)))

 

© 2005 Isabel Synnatschke      Last update 30.12.2005




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