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Unterwegs auf den Spuren von Bill Keys...
Wer schon immer einmal Lust verspürt hat den Wilden
Westen hautnah zu erleben, hat im Joshua Tree Nationalpark diese Möglichkeit.
Im Rahmen der 90-minütigen, geführten Keys Ranch Guided
Walking Tour begibt sich der Parkbesucher auf die Reise in eine
nicht allzu ferne Vergangenheit. In eine Zeit, zu der (so unglaublich
es klingen mag) auch zwischen den Granitfelsen und Joshuabäumen
im Süden Kaliforniens mehr oder weniger erfolgreich nach Gold
geschürft wurde. Die Tour führt in einen schönen, entlegenen
Winkel des Nationalparks, zu einer National Historic Site,
die außerhalb dieser Zeiten für die Öffentlichkeit
gesperrt ist.
Die außergewöhnliche Geschichte der Keys
Ranch (oder auch "Desert Queen Ranch"
genannt) nahm ihren Anfang im Jahr 1910, als William F. Keys in der
Desert Queen Mine eine Anstellung als Vorarbeiter bekam. Die Erträge
waren nie sonderlich hoch und als man ihm seinen Lohn nicht mehr auszahlen
konnte, wurden ihm die Mine und das umliegende Land vermacht. Er entschied
sich für ein Leben in Abgeschiedenheit und setzte 1917 den Grundstein
für die Desert Queen Ranch, in der er gemeinsam mit seiner Frau
Frances Mae Lawton fünf Kinder aufzog. Über seine Herkunft
streiten Historiker noch heute. Während einige ihn für einen
gebürtigen Russen halten, behaupten andere wiederum, dass er
aus Nebraska stammt.

Während des Rundgangs schildern Ranger den tagtäglichen
Überlebenskampf und man erfährt, wie fleißig und
erfinderisch ein Einsiedler sein musste, um hier draußen dauerhaft
zu bestehen. Der Bau eines Wasserdamms war ebenso wichtig wie ein
guter Schutz vor den immer wiederkehrenden Überschwemmungen.
Ein tiefer Brunnen musste gegraben werden, ein Wassertank war zu
errichten und Obstplantagen wurden angelegt. Als Bausubstanz fand
praktisch alles Einsatz, was die karge Wüstenlandschaft hergab.
Immer wieder wechselten die Minen der Umgebung ihre Besitzer und
immer wieder wurde viel Material zurückgelassen, das Keys weiterverkaufte
oder andersartig zu verwerten wusste. So ließen sich z.B.
mit Hilfe von alten Federmatratzen hervorragende Stahlbetonkonstruktionen
errichten und für seine Frau entwarf er eine einzigartige Waschmaschine,
die heute noch bewundert werden kann. Selbst der steinharte Granit
wurde von ihm geschickt zu Blöcken verarbeitet.

Keys war bekannt in seiner Nachbarschaft als freundlicher Helfer.
Minenbesitzer wussten seine Ortskenntnis und Erfahrung zu schätzen.
Der Einsiedler errichtete auf seiner Ranch sogar eine kleine Schule,
in der seine eigenen Kinder und die der Nachbarn unterrichtet werden
konnten. Dennoch gab es immer wieder Streitigkeiten, wenn es um
Grundbesitz, Wasserrecht und Mineneigentum ging und nicht selten
endeten diese noch Anfang des 20. Jahrhunderts mit einer tödlichen
Kugel. Auch Keys war dagegen nicht gefeit und musste nach einer
Schießerei für knapp fünf Jahre hinter Gitter. Es
folgte eine harte Zeit für seine Frau und Kinder, denn hier
draußen war man stets auf jedes einzelne Familienmitglied
angewiesen. Der nächste Arzt wohnte 50 mi weit entfernt und
schon allein die Beschaffung von Zucker oder anderen Lebensmitteln
aus den größeren Städten dauerte im Schnitt 6 Tage.
Mit der Gründung des Joshua Tree National Monument im Jahr
1936 wurde zwar der Naturschutz gefördert, aber auch gleichzeitig
die Existenz der Keys stark bedroht. Neue Bestimmungen schränkten
ihre Viehzucht, die Wasserquellen und auch das Schürfen nach
Gold ein. Und wieder bewies die Familie große Flexibilität.
Auch wenn sich die Welt rund um ihr kleines Hab und Gut radikal
veränderte, so gaben die Keys nicht auf und vermieteten fortan
Holzhütten für die Gäste des Parks. Mit einer kleinen
Rolle als Goldschürfer in dem Walt Disney Film „The
Wild Burro of the West“ wurde schließlich ein großer
amerikanischer Traum war.
Als seine Frau 1963 starb, veräußerte der mittlerweile
84-jährige Bill Keys seine Ranch an einen Immobilienmakler,
der sie kurz darauf dem National Park Service zum Verkauf anbot.
Man erlaubte Keys weiterhin in seinem Haus zu verweilen, wo er dann
6 Jahre später verstarb.
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Auch wenn die Keys Ranch
keinesfalls mit der wunderschönen Ghost Town
oberhalb des Mono Lakes mithalten kann, so erinnerte mich der
Blick hinein
in das ehemalige Wohnhaus von Bill Keys trotzdem ein wenig an
Bodie.
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Das war nur ein kleiner Auszug aus den ausführlichen und lebensnahen
Erzählungen der Ranger. Vor Ort sorgen anschauliche Erläuterungen
und alte Relikte für Begeisterung. Noch heute liegen hier auf
der Keys Ranch zwischen mächtigen Granitfelsen und alten Joshuabäumen
all seine Errungenschaften wild verstreut herum. Alles das was er
seinen Kinder und dem National Park Service hinterlassen hatte.
Vor dem Haus türmen sich alte Werkzeuge, Minenwagons, Oldtimer,
Bettgestelle, Öfen und vieles mehr. Das Herz jedes Ghost Town
Fans wird unweigerlich etwas höher schlagen angesichts dieses
herrlichen Sammelsuriums. Auch sein Haus, die Werkstatt und der
von ihm errichtete Damm werden im Rahmen der Tour besichtigt. Vieles
rostet langsam vor sich hin, einiges überdauert Zeit und Raum.
So beispielsweise die Obstbäume der Keys Plantage. Sie tragen
auch heute noch Früchte.
Unsere Besuche: Meine erste Keys
Ranch Guided Walking Tour liegt bereits einige Jahre zurück.
Aufgrund meiner Schwäche für Ghost Towns und „alten
Kramurie“ war ich sofort hellauf begeistert! An jenem Tag
im März 1999 hatte es im Joshua Tree außerdem noch leicht
geschneit, was der ganzen Tour ein zusätzliches Flair verlieh.
Ein großes Highlight war auch ein Dickhornschaf Pärchen,
das uns auf der Keys Ranch besuchen kam. Im März 2007 haben
Steffen und ich mit Margot und Rolf noch einen zweites Mal an der
Tour teilgenommen. Dieses Mal waren T-Shirt Wetter und 30°C
angesagt. So unterschiedlich kann das Wetter hier in der Mojave
Wüste sein! Auch die Vorträge der beiden Ranger erschienen
mir sehr verschieden (oder lag das nur an meinem Gedächtnis?
;-) ...) und so war auch der zweite Besuch ein äußerst
interessanter. Eine Empfehlung für alle, die sich für
Ghost Towns begeistern können!

Trailhead: Der Ausgangspunkt der geführten Touren
befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hidden Valley Campgrounds.
Knapp 9 Meilen südöstlich der West Entrance zweigt eine
Straße nach links ab, der man für 0,6 mi folgt, um dann
ein zweites Mal nach links abzubiegen. Die für PKWs gut befahrbare
Piste endet nach weiteren 1,1 mi an einem verschlossenem Tor, dem
Treffpunkt für die Keys Ranch Tour. (Karte)
Von hier geht es dann mit dem eigenen Auto in einer "Karawane"
bis zum eigentlichen Trailhead, von wo man dann noch ca. 400 m zu
Fuß zurücklegen muss.
Zeiten: Die Touren finden von
Oktober bis Mai samstags und sonntags jeweils um 10 und 13 Uhr statt.
Unter der Woche und zu anderen Zeiten nur bei genügend Voranmeldungen.
Fotografen haben zusätzlich die Möglichkeit eine längere
Fototour zu buchen. Reservierungen unter der Telefonnummer 760-367-5555
oder im Oasis Visitor Center sind vor allem an Wochenenden und Feiertagen
sehr zu empfehlen!
Dauer: 1,5 Std., max. 25 Leute
pro Tour
Kosten: $5 pro Person (Stand:
April 2008)
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Eines von Steffen´s Lieblingsmotiven |
Oldtimer bei der Wall Street |

Tipp: Wer sich an dem "alten Kramurie" inmitten
dieses "Wonderland of Rocks" noch nicht satt gesehen hat,
kann im Anschluss noch einen kurzen Spaziergang in der Wall
Street unternehmen. Hier sieht man neben den Überresten
der gleichnamigen Mine auch einige schon etwas verrostete Oldtimer
in fotogener Umgebung sowie den Grabstein, wo einst Keys Widersacher
Worth Badley „in den Staub beißen musste“.
Links: Hier
die ofizielle Seite sowie weitere
Details rund um die Keys Ranch
© 10.04.2008 Isabel Synnatschke
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