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Unterwegs in der Heimat der Kobolde


Allgemeines:
Das englische Wort "goblin" bedeutet Kobold, und man hätte vermutlich kaum einen treffenderen Namen wählen können für diese wunderbaren, Phantasie anregenden Sandsteinfiguren, die in allen erdenklichen Formen und Größen das Tal östlich der Wild Horse Butte „bevölkern“. Hier ein Dinobaby, dort eine neugierige Ente, eine riesige Knubbelnase und gleich nebenan ein drolliger Gromit. Und
dann wieder ein bebrillter alter Herr, der seinen Söhnen und Töchtern aus einem dicken, spannenden Buch vorliest. Ein ganzes Tal wie aus einem Plastilinfilm von Nick Park.
Vor 13 Jahren führte nur eine staubige Waschbrettpiste hierher, heute ist dieser knapp 15 km² große State Park fixer Bestandteil in jedem besseren Südwestreiseführer und entsprechend gut erschlossen. Dennoch schauen die meisten Besucher von der Aussichtsplattform in das Haupttal hinunter, wandeln ein wenig zwischen den "Kobolden" umher und eilen dann gleich wieder weiter zum nächsten Punkt ihrer Rundreise.
Das Goblin Valley ist jedoch der beste Beweis dafür, dass selbst "mainstream locations", die man glaubt wie seine Westentasche zu kennen, doch noch verborgene Schätze zu bieten haben. Im diesen Fall ist es nicht nur das Rim im Osten des Parks sondern noch zwei schöne und kaum besuchte Seitentäler, die sich südlich des Haupttals erstrecken.

 

Goblin Valley
Blick nach Norden früh morgens vom East Rim im Goblin Valley

 

Lage/Anfahrt: nördlich von Hanksville, Emery County, Utah
Der ausgeschilderte Abzweig von der SR 24 befindet sich ca. 20 mi nördlich von Hanksville bzw. 24 mi südlich von I-70. Von hier geht es weiter in Richtung Westen und nach 5 mi biegt man bei der Temple Mountain Junction nach links ab und folgt der asphaltierten Straße für weitere 5 Meilen. Gleich hinter dem Kassahäuschen des State Parks kündigen drei „Boten“ aus rötlichem Entrada-Sandstein den Eintritt in eine zauberhafte Märchenwelt und nur wenig später erreicht man auch schon den Parkplatz und Trailhead.

GPS-Koordinaten in WGS84/NAD83


Beyond the Main Valley:

Das East Rim, das Second Valley und Third Valley

Alle guten Sachen sind bekanntlich drei und so hatte ich jetzt bei meinem dritten Besuch endlich mehr Zeit für dieses wunderschöne Tal. Schon beim letzten Mal war ich aufgrund der Karte in der offiziellen Infobroschüre neugierig geworden. Wieso findet man im Web keinerlei Infos über das dort eingezeichnete "Valley 2" und "Valley 3"? Die Vorfreude mich in diesem State Park einmal richtig "austoben" zu dürfen war groß. Am 26. April 2008 sollte es endlich so weit sein. Früh morgens wurde ich bei der Aussichtsplattform am Ende der Parkstraße (38°33'51"N, 110°42'12"W) "abgesetzt" und machte mich sofort auf den Weg quer durch das Haupttal in Richtung Rim. Ich fragte mich, ob ich einen leichten Weg hinauf finden würde, vor allem allein ohne meine "Kletterhilfe" Steffen. Aber ich hatte dort oben zuvor schon Besucher gesehen und das, was man auf der Ostseite des Rims vom Hwy. 24 aus erkennen konnte, sah vielversprechend aus. Ich musste also unbedingt dort hinauf! Und es war um vieles leichter als erwartet...
Im nördlichen Bereich des Tals erschien es eher ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, das Rim mitsamt Fotoausrüstung zu erklimmen und so verschlug es mich in ein kleines Seitental hinter einem großen weißen butte. Nach nur zwei kurzen "Sackgassen", stand ich schon oben auf dem ausgedehnten weißen Rim. Eher ein Kinderspiel und klettern muss man hier auch nicht wirklich. Man sollte nur wissen, wo sich dieser relativ leichte Aufstieg befindet. Am besten hält man schon am Parkplatz Ausschau nach einer markanten weißen kleinen Kuppel am anderen Ende des Talbodens, rechts unterhalb des großen weißen buttes am Rim. Diese auch bei Google Earth schön sichtbare weiße Kuppel (38°33'39"N, 110°41'55"W; Karte) gilt es an ihrer linken Seite zu umrunden und gleich dahinter geht es durch ein Gewirr an Felsnadeln über mehrere Etagen zügig bergauf. Einen richtig ausgetretenen Weg gibt es allerdings (noch) nicht und die eine oder andere Sackgasse wird einem vermutlich nicht erspart bleiben. ;-)

Als ich dann von oben hinunter in das Haupttal sah, lagen Teile davon noch im Schatten, dahinter der majestätische Wild Horse Butte. Die Aussicht nach Südosten zeigte ein weiteres Nebental des Goblin Valley, in dem sich ausgesprochen schlanke und hohe Felsnadel befanden. Es handelt sich hierbei bereits um die nördlichsten Ausläufer des Second Valley. Von hier oben kommt man vermutlich sogar hinunter in das zweite Tal, Frage ist nur ob man dann unten auch wirklich seinen Weg durch den heillosen Wirrwarr an engen Hoodoos findet. Herrliche Aussichten nach Südwesten und Nordwesten, die ich aber nicht lange genoss. Zu groß war die Neugierde, wie es wohl auf der anderen Seite des Rims aussehen würde. Davon hatte ich bislang kaum Bilder im Web gesehen. Das Panorama, das sich nun vor meinen Augen eröffnete, war absolut überwältigend. Beim Blick gen Norden gingen mir die "Armeen aus Gummibärchen" aus Herbert Grönemeyers Lied "Kinder an die Macht" nicht mehr aus dem Sinn. Unterhalb des feinen weißen Streifens am Rim standen sie in Reih und Glied wie Terracottasoldaten. Und in der Ferne am Horizont erhob sich Mollys Castle mit seinem kleinen Zwillingsbutte. Hier oben gefiel es mir um vieles besser noch als unten im Tal!
Das Rim ist an seiner Ostseite aber sehr steil, nur an einer Stelle gelang es mir etwas weiter nach unten auf ein kleines Zwischenplateau zu gelangen. Wenige Meter weiter südlich ein weiteres kleines Amphitheater, ein Bryce Canyon en miniature, den ich ganz für mich alleine hatte. Zum Fotografieren war es leider schon zu spät. Hier herrschte bereits krasses Gegenlicht. Ich setzte mich für eine Weile ans Rim, genoss die Aussicht und die herrliche Stille. Und ich begann erste Pläne zu schmieden, wie ich Steffen am besten überreden kann, dass wir beide am nächsten Tag unbedingt zum Sonnenaufgang hier oben sein "müssen"... ;-)

 

Goblin Valley Big Nose
Goblin Valley Hoodoo
Mr. Big Nose
Dr. Evil


Eine gute Stunde später ging es wieder auf demselben Weg vom Rim hinunter und anschließend gleich weiter in Richtung Süden zum Second Valley (38°33'25" N, 110°42'08" W). Die Formationen sahen nicht viel anders aus, nur eines fehlte hier komplett: die Menschenmassen. Es war Samstag und im Haupttal war eine Gruppe boy scouts eingetroffen, die den hier versteckten "Geocache" (unweit von Mr. Big Nose ;-) ...) suchten - entsprechend groß auch der Trubel und der Lärmpegel. Aber knapp eine Viertel Stunde vom Parkplatz entfernt und schon tauchte man in eine heile Welt ein. Nur noch wenige Spuren waren am Boden zu sehen und ein zierlicher Kolibri surrte mich zur Begrüßung an.

Eigentlich sollte man das Second Valley unbedingt noch in Richtung Osten erkunden und erst dann weiter ziehen, aber zu groß war die Neugier, die mich Richtung Süden trieb. Das Gelände wurde deutlich unwegsamer und so folgte ich bald dem Verlauf eines tief eingefrästen wash, den man auch bei Google Earth deutlich erkennen kann. Verlassen haben ich diesen durch einen kleinen Seiten"canyon" in etwa hier: 38°32'58.20"N, 110°42'21.50"W (Karte). Nur wenige Hundert Meter trennten mich nun vom Third Valley (38°32'58.00"N, 110°42'12.00"W), das luftlinienmäßig knapp 1,6 km vom Parkplatz entfernt liegt. Von einer größeren Wanderung kann also nicht die Rede sein, umso verwunderlicher ist es, dass man hier keine Menschenseele mehr antrifft. Hinter jeder Ecke zwitscherte es frisch und fröhlich und die Echsen zischten über die Steine auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen. Die Mittagshitze Ende April hatte es schon in sich. Auch ich fühlte mich halb "durchgekocht". Die 2,5 Liter Wasser, die ich mit hatte neigten sich dem Ende zu und mussten rationiert werden, zumal ich ja noch ein paar Stunden durchhalten wollte.

Auch hier im Third Valley gab es noch jede Menge Wichte, die Ränder des ausgedehnten Tals waren dicht gesäumt von kleinen und großen Sandsteinhoodoos. In den Spalten des cracked muds zeigten sich die ersten lilafarbenen Blüten, aber leider nur sehr zaghaft, kein Vergleich zu Tom Tills berühmtem Blumenbild! Trotzdem ein traumhafter Ort, an dem die Zeit viel zu schnell vergeht. Ich wagte mich noch ein wenig weiter in Richtung Süden. Zu gerne wäre ich auch hinter der Grenze des State Parks weitergegangen, aber das schlechte Gewissen ließ mich dann doch umkehren. Zu lange wollte ich Steffen nicht am Parkplatz warten lassen. Hätte ich da bloß schon irgendwie geahnt, dass er aufgrund einer Reifenpanne ohnehin weit über eine Stunde zu spät kommen würde... Aber wenigstens ging so mein Wunsch am nächsten Tag gemeinsam mit Steffen die Sonne oben am East Rim aufgehen zu sehen in Erfüllung! ;-)

Der erste Besuch "beyond the main valley" rief regelrecht nach einer Wiederholung. Und so stand ich ein Jahr später mit Tony abermals oben am Rim und genoss einen weiteren traumhaften Sonnenaufgang. Es folgte ein leider erneut viel zu kurzer Besuch des Second und Third Valleys. Und obwohl auch heute das Licht - aufgrund der fortgeschrittenen Stunde - in den beiden Tälern schon viel zu hart war zum Fotografieren, gefiel Tony dieser Ausflug so gut, dass wir erst spät zum Parkplatz zurückkehrten und Steffen schon längst zum Little Wild Horse Canyon vorausgefahren war. :-)

 

Third Goblin Valley
Arch im Goblin Valley
Unterwegs im Third Valley
Eye in the sky


Fazit: Das Goblin Valley ist mir vor über einem Jahrzehnt sehr ans Herz gewachsen und zählt für mich auch jetzt noch zu den kleinen Highlights des Südwestens. Es ist für jedermann mit dem PKW leicht zu erreichen und wer sich abseits des Haupttales bewegt, wird auch hier bei dieser vielbesuchten Location noch Stille und Einsamkeit finden. Das Tal bzw. DIE Täler haben mich sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen. To be continued...! ;-)

Fototipp: Für Fotografen heißt es hier - wie so oft - entweder früh morgens oder am späten Nachmittag. Das Haupttal liegt zwar bei Sonnenaufgang noch vollkommen im Schatten, aber oben am Rim und beim Gebiet unterhalb der Wild Horse Butte ist dies der ideale Zeitpunkt zum Fotografieren. Das Haupttal sowie die zwei weiteren Niederungen werden am späten Nachmittag erst richtig schön. Es sind die schräg einfallenden Sonnenstrahlen, die den "Bewohnern" des Goblin Valley Leben einhauchen und durch lange Schatten ihren Gesichtern Ausdruck verleihen. Auch das auffällig alleinstehende Trio an der Einfahrt, die Three Wise Men, zeigt sich abends von seiner schönsten Seite.

Höhenlage: 1550 m

Eintritt: $7 / PKW (Stand: April 2009)

Offizielle Wanderwege: Die drei auf den Karten des Goblin Valley State Parks eingezeichneten Wanderwege bin ich bislang nur zum Teil gegangen (das Querfeldeingehen macht irgendwie ungleich mehr Spaß...).
Der Vollständigkeit halber seien sie hier aber noch schnell erwähnt:

- Carmel Canyon Trail (2 mi)
- Curtis Bench Trail (2.1 mi)
- Entrada Canyon Trail (1.3 mi one-way)


Wetter:
Während der Sommermonate gleicht die Heimat der Kobolde oftmals einem glühenden Backofen. Ab Mai steigt das Thermometer nicht selten über die 40°C-Grenze. Im Winter kann man das Tal auch schön verschneit antreffen. Nachts fallen dann die Temperaturen auf bis zu -10°C.

Geschichtliches: Die allerersten Weißen, die dieses kleine versteckte Tal zu Gesicht bekamen, waren wohl Cowboys, die nach ihren verloren gegangenen Vieh Ausschau hielten. Offiziell entdeckt wurde das Goblin Valley erst um vieles später. Es war Arthur Chaffin, der Eigentümer der Hite Ferry Gesellschaft, der Ende der 1920er Jahre eine Alternativroute zwischen Green River und Caineville ausfindig machen wollte und zufällig hier vorbei kam. Es dauerte dann noch weitere 20 Jahre, bis er die von ihm „Mushroom Valley“ getaufte Niederung erstmals gründlich erforschte und fotografierte. Den Status eines State Parks bekam das Goblin Valley erst am 24. August 1964 zugewiesen.

Geologie: Nur schwer vorstellbar, aber der hier verwitterte Sandstein gehört derselben Kategorie an, wie jener rotbraune, stark mit Hämatit angereichter Entrada Sandstein aus dem die Felsbögen im Arches N.P. oder die zweifärbigen Formationen in der Devils Garden im Grand Staircase Escalante National Monument bestehen.

Fauna/Flora: Nur die Härtesten können inmitten dieser trockenen unwirtlichen Sandwüste überleben. Viel mehr als Schachtelhalmsträucher (mormon tea; Ephedra viridis), Russische Disteln (tumbleweed; Salsola collina), Indian Ricegrass (Stipa hymenoides) und ein paar Kakteen wird man auch in der umliegenden Gegend nicht antreffen. Zu den hier beheimateten Tieren zählen vor allem kleine Echsen sowie Eselohrhasen (jack rabbit), Kanguruhratten (kangaroo rat), Gabelbockantilopen (pronghorn), Großohrfüchse (kit fox), Kojoten und die midget faded Klapperschlangen. Auch einige Vogelarten kommen hier vor (u.a. hawks).

 

Goblin Valley at Sunset
Hunderte von Kobolden bevölkern das Goblin Valley


Übernachtung: In der Ortschaft Hanksville gibt es leider nur ein einziges empfehlenswertes Quartier und das ist sehr oft ausgebucht. Wer nicht wenigstens ein paar Tage vorher reserviert, hat meistens schlechte Karten im Whispering Sands Motel. Auch wir müssten bereits schon mal mehrfach nach Green River (an der I-70) ausweichen oder in der Wildnis zelten, weil wir ein "no vacancy" antrafen. Die Preise sind für so ein kleines Nest wie Hanksville sehr gehoben, allerdings gibt es auch hier ein Angebot für alle, die über das Wochenende bleiben. Bucht man beispielsweise ein Zimmer von Freitag bis Montag, so zahlt man für die Übernachtung am Sonntag nichts, da es an diesem Tag kein housekeeping gibt (Stand April 2009).
Das Best Value Inn in Hanksville sollte man keinesfalls mit der bekannten Kette Americas Best Value Inn verwechseln, denn mit der hat diese "Bruchbude" (Stand April 2008) eigentlich kaum etwas gemeinsam. Als wir dort nach einem Zimmer fragen wollten, ist der Hund des Eigentümers in dessen Bett herumgetollt, hat in die Tuchent hineingep--- und anschließend, so wie Hunde es eben machen, alles "gut vergraben". Das war für uns Grund genug, wieder mal im Auto zu übernachten... ;-)
Die Ortschaft Green River
an der I-70 weist eine deutlich größere Auswahl an Unterkünften auf, vom Super 8, Rodeway Inn bis hin zum Holiday Inn Express, die allesamt an der Main St. liegen. Eine große Infrastruktur darf man allerdings auch hier nicht erwarten.

Camping: Im State Park befindet sich ein ausgesprochen schöner Campingplatz, der direkt am Fuße des Wild Horse Butte liegt und über Toiletten, Duschen, Trinkwasser sowie Dumping Stations verfügt.

Essen: Das Red Rocks Restaurant ist aus Mangel an Alternativen (und für so ein kleines "Kaff") gar nicht mal so schlecht und serviert, wie man so schön sagt, "gutbürgerliche Küche". Auch in Green River gibt es leider kaum mehr als eine Handvoll Fast Food Buden.

Weiterführende Links: http://stateparks.utah.gov/parks/goblin-valley/

In den Medien: Das Goblin Valley diente in der Vergangenheit immer wieder als Kulisse für Musikvideos und Spielfilme so z.B. für die Single "Human" von The Killers (2008) oder "Galaxy Quest" mit Tim Allen und Sigourney Weaver aus dem Jahr 1999.

Sehenswertes in der Umgebung: Hier muss man an erster Stelle den Little Wild Horse Canyon erwähnen, der sich nur wenige Meilen hinter dem Goblin Valley befindet, sowie die anderen Schluchten im San Rafael Swell wie beispielsweise der Crack Canyon. Ebenfalls nicht sehr weit entfernt von Hanksville liegt die Zufahrt in das wunderschöne Cathedral Valley und der Factory Butte Arch, der aufgrund seiner (nicht vorhandenen) Größe ausschließlich für Fotografen von Interesse sein dürfte. Der Crystal Geyser sprudelt am Ufer des Green Rivers, ist allerdings eher eine Kuriosität als eine "wahre Schönheit". ;-)
Eine gute Übersicht der Highlights rund um Hanksville bietet Steffen in seinen Berichten "San Rafael Swell" sowie "South of Hanksville".


© 12.03.2010 Isabel Synnatschke

 
Goblin Valley


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