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Unterwegs in der Heimat der Kobolde
Lage/Anfahrt:
nördlich von Hanksville, Emery County, Utah
Als ich dann von oben hinunter
in das Haupttal sah, lagen Teile davon noch im Schatten, dahinter
der majestätische Wild
Horse Butte. Die Aussicht nach Südosten zeigte ein
weiteres Nebental des Goblin Valley, in dem sich ausgesprochen schlanke
und hohe Felsnadel befanden. Es handelt sich hierbei bereits um die
nördlichsten Ausläufer des Second
Valley. Von hier oben kommt man vermutlich sogar hinunter in das
zweite Tal, Frage ist nur ob man dann unten auch wirklich seinen Weg
durch den heillosen Wirrwarr an engen Hoodoos findet. Herrliche Aussichten
nach Südwesten und Nordwesten, die ich aber nicht lange genoss.
Zu groß war die Neugierde, wie es wohl auf der anderen Seite
des Rims aussehen würde. Davon hatte ich bislang kaum Bilder
im Web gesehen. Das Panorama, das sich nun vor meinen Augen eröffnete,
war absolut überwältigend. Beim Blick gen Norden gingen
mir die "Armeen aus Gummibärchen" aus Herbert
Grönemeyers Lied "Kinder an die Macht" nicht
mehr aus dem Sinn. Unterhalb des feinen weißen Streifens am
Rim standen sie in Reih und Glied wie Terracottasoldaten. Und in der
Ferne am Horizont erhob sich Mollys Castle mit seinem
kleinen Zwillingsbutte. Hier oben gefiel es mir um vieles besser noch
als unten im Tal!
Eigentlich sollte man das Second Valley unbedingt noch in Richtung Osten erkunden und erst dann weiter ziehen, aber zu groß war die Neugier, die mich Richtung Süden trieb. Das Gelände wurde deutlich unwegsamer und so folgte ich bald dem Verlauf eines tief eingefrästen wash, den man auch bei Google Earth deutlich erkennen kann. Verlassen haben ich diesen durch einen kleinen Seiten"canyon" in etwa hier: 38°32'58.20"N, 110°42'21.50"W (Karte). Nur wenige Hundert Meter trennten mich nun vom Third Valley (38°32'58.00"N, 110°42'12.00"W), das luftlinienmäßig knapp 1,6 km vom Parkplatz entfernt liegt. Von einer größeren Wanderung kann also nicht die Rede sein, umso verwunderlicher ist es, dass man hier keine Menschenseele mehr antrifft. Hinter jeder Ecke zwitscherte es frisch und fröhlich und die Echsen zischten über die Steine auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen. Die Mittagshitze Ende April hatte es schon in sich. Auch ich fühlte mich halb "durchgekocht". Die 2,5 Liter Wasser, die ich mit hatte neigten sich dem Ende zu und mussten rationiert werden, zumal ich ja noch ein paar Stunden durchhalten wollte. Auch hier im Third Valley gab es noch jede Menge Wichte, die Ränder des ausgedehnten Tals waren dicht gesäumt von kleinen und großen Sandsteinhoodoos. In den Spalten des cracked muds zeigten sich die ersten lilafarbenen Blüten, aber leider nur sehr zaghaft, kein Vergleich zu Tom Tills berühmtem Blumenbild! Trotzdem ein traumhafter Ort, an dem die Zeit viel zu schnell vergeht. Ich wagte mich noch ein wenig weiter in Richtung Süden. Zu gerne wäre ich auch hinter der Grenze des State Parks weitergegangen, aber das schlechte Gewissen ließ mich dann doch umkehren. Zu lange wollte ich Steffen nicht am Parkplatz warten lassen. Hätte ich da bloß schon irgendwie geahnt, dass er aufgrund einer Reifenpanne ohnehin weit über eine Stunde zu spät kommen würde... Aber wenigstens ging so mein Wunsch am nächsten Tag gemeinsam mit Steffen die Sonne oben am East Rim aufgehen zu sehen in Erfüllung! ;-) Der erste Besuch "beyond the main valley" rief regelrecht nach einer Wiederholung. Und so stand ich ein Jahr später mit Tony abermals oben am Rim und genoss einen weiteren traumhaften Sonnenaufgang. Es folgte ein leider erneut viel zu kurzer Besuch des Second und Third Valleys. Und obwohl auch heute das Licht - aufgrund der fortgeschrittenen Stunde - in den beiden Tälern schon viel zu hart war zum Fotografieren, gefiel Tony dieser Ausflug so gut, dass wir erst spät zum Parkplatz zurückkehrten und Steffen schon längst zum Little Wild Horse Canyon vorausgefahren war. :-)
Fototipp: Für Fotografen heißt es hier - wie so oft - entweder früh morgens oder am späten Nachmittag. Das Haupttal liegt zwar bei Sonnenaufgang noch vollkommen im Schatten, aber oben am Rim und beim Gebiet unterhalb der Wild Horse Butte ist dies der ideale Zeitpunkt zum Fotografieren. Das Haupttal sowie die zwei weiteren Niederungen werden am späten Nachmittag erst richtig schön. Es sind die schräg einfallenden Sonnenstrahlen, die den "Bewohnern" des Goblin Valley Leben einhauchen und durch lange Schatten ihren Gesichtern Ausdruck verleihen. Auch das auffällig alleinstehende Trio an der Einfahrt, die Three Wise Men, zeigt sich abends von seiner schönsten Seite. Eintritt: $7 / PKW (Stand: April 2009) Offizielle
Wanderwege: Die drei auf den Karten des Goblin Valley
State Parks eingezeichneten Wanderwege bin ich bislang nur zum Teil
gegangen (das Querfeldeingehen macht irgendwie ungleich mehr Spaß...).
Geschichtliches: Die allerersten Weißen, die dieses kleine versteckte Tal zu Gesicht bekamen, waren wohl Cowboys, die nach ihren verloren gegangenen Vieh Ausschau hielten. Offiziell entdeckt wurde das Goblin Valley erst um vieles später. Es war Arthur Chaffin, der Eigentümer der Hite Ferry Gesellschaft, der Ende der 1920er Jahre eine Alternativroute zwischen Green River und Caineville ausfindig machen wollte und zufällig hier vorbei kam. Es dauerte dann noch weitere 20 Jahre, bis er die von ihm „Mushroom Valley“ getaufte Niederung erstmals gründlich erforschte und fotografierte. Den Status eines State Parks bekam das Goblin Valley erst am 24. August 1964 zugewiesen. Geologie: Nur schwer vorstellbar, aber der hier verwitterte Sandstein gehört derselben Kategorie an, wie jener rotbraune, stark mit Hämatit angereichter Entrada Sandstein aus dem die Felsbögen im Arches N.P. oder die zweifärbigen Formationen in der Devils Garden im Grand Staircase Escalante National Monument bestehen. Fauna/Flora: Nur die Härtesten können inmitten dieser trockenen unwirtlichen Sandwüste überleben. Viel mehr als Schachtelhalmsträucher (mormon tea; Ephedra viridis), Russische Disteln (tumbleweed; Salsola collina), Indian Ricegrass (Stipa hymenoides) und ein paar Kakteen wird man auch in der umliegenden Gegend nicht antreffen. Zu den hier beheimateten Tieren zählen vor allem kleine Echsen sowie Eselohrhasen (jack rabbit), Kanguruhratten (kangaroo rat), Gabelbockantilopen (pronghorn), Großohrfüchse (kit fox), Kojoten und die midget faded Klapperschlangen. Auch einige Vogelarten kommen hier vor (u.a. hawks).
Camping: Im State Park befindet sich ein ausgesprochen schöner Campingplatz, der direkt am Fuße des Wild Horse Butte liegt und über Toiletten, Duschen, Trinkwasser sowie Dumping Stations verfügt. Essen: Das Red Rocks Restaurant ist aus Mangel an Alternativen (und für so ein kleines "Kaff") gar nicht mal so schlecht und serviert, wie man so schön sagt, "gutbürgerliche Küche". Auch in Green River gibt es leider kaum mehr als eine Handvoll Fast Food Buden. Weiterführende Links: http://stateparks.utah.gov/parks/goblin-valley/ In den Medien: Das Goblin Valley diente in der Vergangenheit immer wieder als Kulisse für Musikvideos und Spielfilme so z.B. für die Single "Human" von The Killers (2008) oder "Galaxy Quest" mit Tim Allen und Sigourney Weaver aus dem Jahr 1999. Sehenswertes
in der Umgebung: Hier muss man an erster Stelle den
Little
Wild Horse Canyon erwähnen, der sich nur wenige Meilen hinter
dem Goblin Valley befindet, sowie die anderen Schluchten im San Rafael
Swell wie beispielsweise der Crack Canyon. Ebenfalls nicht sehr weit
entfernt von Hanksville liegt die Zufahrt in das wunderschöne
Cathedral
Valley und der Factory
Butte Arch, der aufgrund seiner (nicht vorhandenen) Größe
ausschließlich für Fotografen von Interesse sein dürfte.
Der Crystal
Geyser sprudelt am Ufer des Green Rivers, ist allerdings eher
eine Kuriosität als eine "wahre Schönheit". ;-)
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