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Unterwegs im Land der Rüsseltiere und Fabelwesen...


Lage: Im Süden Nevadas an der Grenze zu Arizona, ca. 80 mi nordöstlich von Las Vegas

Anreise/Allgemeines: Dieses unter der Obhut des BLM stehende Gebiet erreicht man über den Gold Butte Back Country Byway (Karte), der von der NV-170 nach Südwesten abzweigt (Exit 112 von der I-15, Richtung Riverside/Bunkerville). Die ersten 20 mi bis zu Whitney Pocket entlang des Gold Butte Byway sind asphaltiert, darauf folgen 15,7 mi Sandpiste, die nur bei Trockenheit und mit einem SUV befahrbar ist. Anfahrtszeit von der Interstate: ca. 1,5 h, denn auch der asphaltierte Abschnitt ist nicht im Bestzustand (sehr viele Löcher). Gutes Wetter sowie eine topografische Karte sind bei dieser Tour unerlässlich. Wer über ein GPS-Gerät verfügt, sollte dieses ebenfalls mitnehmen. GPS-Koordinaten in WGS84/NAD83

 
Little Finland Panorama
Wenn sich der Tag zu Ende neigt und die Schatten allmählich
länger werden, erwacht der dunkelrote Sandstein zum Leben.


Unser Besuch: Ein Schlechtwettereinbruch in Sedona führte uns am 28. April 2006 kurz vor der Heimreise noch zu einem absoluten Highlight, einem kleinen Juwel abseits der großen Touristenströme, über das wir so gut wie kaum Informationen hatten. Umso größer war dann die Überraschung vor Ort.
Laurent beschreibt in seiner neuesten Ausgabe Photographing the Southwest - Arizona & Nevada (2nd Edition) im Kapitel "Gold Butte Byway" ein Gebiet, das äußerst seltsame und fragile Sandsteinformationen beherbergt. Gibt man die Begriffe "Little Finland" oder "Hobgoblins´ Playground" - beides offizielle Bezeichnungen des BLMs - in eine der Suchmaschinen ein, so wird man noch vergebens auf einen Treffer hoffen (Stand: Juni 2006).

Von der Interstate I-15 Exit 112 geht es zunächst auf die asphaltierte NV-170, in Richtung Süden (36°46'09"N, 114°14'05"W; Topo) durch die kleine Ansiedlung Riverside. Unmittelbar nachdem man dort den Virgin River überquert hat, zweigt der Gold Butte Back Country Byway nach rechts ab (36°43'55"N, 114°13'06"W; Topo). Dieser verlässt bald das grüne Virgin Valley und führt vorbei an der Juanita Springs Ranch nach Süden in die trockene, von Joshua Trees bestandene Ebene am Fuße der 2400 m hohen Virgin Mountains. Trotz der geringen Niederschläge blühten hier am Straßenrand unzählige schöne orangefarbene apricot mallows sowie gelber brittlebush und desert marigold.
7 mi südlich der farbenfrohen Sandsteinformationen rund um die Whitney Pocket an der linken Straßenseite verlässt man schließlich den Gold Butte Byway und biegt nach rechts ab (36°25'58"N, 114°08'38"W; Topo) und folgt dieser Piste kurz in südwestlicher Richtung. Weiter geht es dann zunächst parallel zum Mud Wash in Richtung Nordwesten und später direkt im sandigen Flussbett. Die "Pisten" waren gut befahrbar und die etwas sandigen Passagen stellten kein Problem dar, aber je nach Witterung kann ihr Zustand stark variieren und die Strecke deutlich anspruchsvoller werden!

 

Little Finland Sandstone
Little Finland Gonzo
Blue Eye
Long Nose Gonzo


Dem recht breiten Flussbett des Mud Wash folgt man nun weiter in Richtung Nordwesten, vorbei an einigen eher unscheinbaren Petroglyphen sowie einem Corral bis zu dem Punkt, an dem rechterhand ein weiteres größeres trockenes Flussbett einmündet (36°27'49"N, 114°14'02"W; Topo). Hier geht es in einem scharfen Bogen nach Osten aus dem Mud Wash hinaus und man folgt für weitere knappe 2 mi diesem neuen Flussbett in südöstlicher Richtung. Die "Piste" endet an einer großen Kalifornischen Fächerpalme am Fuße einer Mesa (36°27'09"N, 114°12'53"W; Topo). Hier parkt man am besten sein Auto und geht nach links über eine sandige ATV-Piste auf die Anhöhe hinauf, durchklettert den Zaun und geht zurück nach Süden. Die interessantesten Formationen befinden sich unmittelbar oberhalb der Palmen und erstrecken sich von hier ein wenig weiter in Richtung Süden und Osten.

 
Das Gebiet ist nicht sehr groß, aber im schattigen Nachmittagslicht sollte man es angesichts der unzähligen Motive nicht unterschätzen! Fotografen und phantasiereiche Menschen werden hier ihre Freude haben. Ähnlich wie im Goblins Valley, wo die unterschiedlichsten Gnome und Kobolde durch das weite Tal wandern, versammeln sich hier rund um die Abbruchkante die seltsamsten Fabelkreaturen und Rüsseltiere wie z.B. Long Nose Gonzo, Little Dumbo, The Killing Glance, Snoaring oder Red Beast. Weitere Bilder gibt es in meinem Portfolio.
Zwei Stunden hatten wir in Little Finland zur Verfügung, ehe die Sonne hinter dem Horizont verschwand - sie vergingen wie im Flug. Nicht im Auto vergessen sollte man sein Stativ, denn selbst nach Sonnenuntergang glühen die Steine in dunklem Tiefrot (Bild 15 ). Von den Formationen her erinnert das Gebiet ein wenig an den Fantasy Canyon, allerdings sind die Farben hier weitaus schöner. Vorsicht ist bei jedem Schritt geboten, denn das Gestein von Little Finland ist stellenweise noch zerbrechlicher und fragiler als jenes bei den Coyote Buttes. Sehr nachvollziehbar war die Aussage von Philippe an jenem Abend: die Magie des Ortes hätte ihn so dermaßen gefangen genommen, dass er einfach die Landschaft genossen hat und fast völlig vergessen hat zu fotografieren. Aber ein paar Fotos hat er dann doch gemacht! ;-)

Die Nacht vor Ort in absoluter Einsamkeit war eines jener Erlebnisse, die man nicht so schnell vergisst. Wir waren noch lange wach und genossen das sternreiche Firmament, unsere mitgebrachten "Delikatessen" sowie "ein wenig" Wein und Bier... :-)
Früh morgens ging es bei Morgengrauen abermals hinauf auf die Anhöhe - so viele Motive, die wir übersehen hatten am Abend, so viele die es da noch zu verewigen gab! Die wenigstens waren jedoch im Morgenlicht annähernd so schön. Bis die Sonne über die Berge hinter dem Plateau klettert, steht sie schon so hoch, dass das Licht seinen goldenen Glanz fast komplett verloren hat.
Ein herzförmiger, ca. 0,5 m hoher Felsbogen am Rande des Plateaus hatte es mir besonders angetan. "Heart Arch" ist abends im Gegenlicht und lässt sich deshalb besser früh morgens ablichten (Bild 16). Den "Predator" (Rons "Raptor") habe ich zwar auch im Morgenlicht verewigt, aber er ist definitiv eine Abendlocation (Bild 02). Das Gleiche gilt für Little Dumbo (Bild 09), Roaring Dragon (Bild 04) oder Snoaring Beast (Bild 01) und viele andere Formationen.

 

Little Finland Monkey
Little Finland Sandstone Face
Die vielseitig lachenden Gesichter von Little Finland: links "The Monkey",
rechts "Rendezvous mit Werner Beinhart"


Als wir am Weg zurück zur asphaltierten Straße Philippe mit seinem Jeep Cherokee folgten, erwartete uns noch eine Schreck"stunde". Jene kleine Felsstufe, die uns schon auf der Hinfahrt aufgefallen war, stellte sich nun als doch eher heiklere Passage heraus. Wo der höher gelagerte Jeep Cherokee noch tadellos hinunter kam, fuhr sich unser Trailblazer fest und das trotz des "Einweisens" der Beifahrerin (-> ich, was mir ganz besonders peinlich war ;-( ...).
Das Bild, das sich beim Aussteigen bot, ist wohl der Albtraum jedes Miet-SUV-Fahrers: Unser Trailblazer saß in der Mitte auf, das linke Hinterrad hing in der Luft, das rechte Vorderrad war im tiefen Sand eingegraben. Genau diese sandige Stelle hatte ich übersehen, denn wäre das Vorderrad dort nicht plötzlich versunken, hätte unser Trailblazer diese Felsstufe wohl auch tadellos überwunden.
Guter Rat ist teuer... Große Steine waren zwar schnell unter das im Sand versunkene Vorderrad gelegt, aber wie bekommt man das Hinterrad wieder auf den Boden oder das Vorderrad etwas höher? Unsere Versuche den Trailblazer mit dem Wagenheber an der rechten Seite anzuheben, scheiterten an der Tatsache, dass wir viel zu stark aufsaßen und der Wagenheber an keiner Stelle unter das Auto passte. Verzweiflung machte sich allmählich breit. Letztendlich half nur eines: Große Steine unter das linke Hinterrad legen, zusätzliches Beschweren des Autos an dieser Stelle und Vollgas. Es hat schrecklich gekracht, aber es war zum Glück nur "etwas Unbedeutendes am Unterboden" (Zitat Steffen)... ;-)
Auf dirt roads kann man nie genug aufpassen! Ende gut, alles gut, es hätte aber auch anders ausgehen können...

 

Little Finalnd Heart Arch
Wenn man(n) versucht den Heart Arch möglichst optimal einzufangen... :-)


Update April 2007: Inzwischen waren wir ein zweites Mal in Little Finland und haben endlich mehrere Stunden dort verbracht. Die Wolkendecke ober uns war vormittags vollkommen geschlossen, so fuhren wir zum Devils Throat (ein nicht gerade sehenswertes Erdloch) und die Loop Road des Gold Butte Byway, die deutlich schlechter wird entlang ihrer westlichen Seite. Von SUVs scheint sie nicht sehr oft frequentiert zu sein. Die Fahrspur hat eindeutig die Breite einer ATV Piste. Sie ist aber dennoch in einem einigermaßen guten Zustand. Die Tour lohnt sich meines Erachtens nur für Leute, die zuvor noch nie im Joshua Tree N.P. waren. Entlang der Loop Road wachsen sehr viele, mitunter auch große Joshua Trees. Mit dem Nationalpark kann die Gegend aber nicht mithalten. Am "Parkplatz" von Little Finland trafen wir bereits am frühen Nachmittag ein. Das Wetter sah zwar nicht gerade nach Fotografieren aus, aber wir nahmen sicherheitshalber dennoch unser Equipment mit - man weiß ja nie! ;-)
Dieses Mal hatten wir viel mehr Zeit zum Scouten und wir waren erstaunt, was wir hier noch so alles vorfanden. Die vielen Petroglyphen waren unseren Augen beim letzten Besuch verborgen geblieben. Und wagt man sich immer weiter in Richtung Südosten, so kommt man schließlich in eine Gegend, die sehr an das Valley of Fire erinnert - kein Wunder liegt dieses doch nur knapp 30 km Luftlinie entfernt! Wie Schweizer Käse ist hier das dunkelrote Gestein durchlöchert und immer wieder findet man einen netten kleinen Arch, ein größeres Felsloch oder andere skurrile Formationen wie "Dragon´s Claw" (Bild 16).
10 Minuten vor Sonnenuntergang geschah das Unverhoffte, die Wolkendecke riss auf und die Sonne tauchte die Landschaft in ein dramatisches tiefes Rot. Wir trauten unseren Augen kaum, aber das war fast noch schöner als das Little Finland, das wir in Erinnerung hatten! Und wieder war die Zeit viel zu kurz! Dennoch kuschelten wir uns glücklich und zufrieden an jenem Abend in unseren Trailblazer. Wenigstens einige unserer Lieblingsformationen hatten wir genau im richtigen Moment erwischt, so z.B. den furchterregenden "Predator" (Bild 02) oder meine "Snoaring Beast" (Bild 01).
Einen Gedanken wurde ich an jenem Abend jedoch nicht los: Das Gestein von Little Finland ist derart fragil (dagegen erscheint die Wave aus Beton!). Ein falscher Schritt, ein falscher Griff und eine Formation ist auf ewig fort. War das wirklich die richtige Entscheidung einen Bericht darüber zu schreiben? Für manche sind das Steine wie jede andere und nichts aufregendes. Für mich und Steffen ist dies jedoch ein ganz besonderer Ort, an dem wohl immer viele schöne Erinnerungen hängen werden.

Tipp: Wer sich zwischen einem Morgen- oder Abendbesuch entscheiden muss, sollte stets zweiteres wählen oder eine Übernachtung vor Ort in Erwägung ziehen. Ein Besuch in der grellen Mittagssonne, bei Hochnebel oder einer dichten Wolkendecke lohnt sich meiner Meinung nach nur bedingt oder gar nicht. Es sind erst die tiefen Sonnenstrahlen und die dadurch entstehenden Schatten, die den kleinen Fabelwesen von Little Finland all das Leben einhauchen.

 

Little Finland Beast
Männer....... ;-)
Captured by the Beast


Special thanks: Ein besonderes Dankeschön geht an dieser Stelle an Philippe Schuler, der im verregneten Sedona die gute Idee hatte, nach Nevada zu "flüchten" und die Nacht in Little Finland zu verbringen. Leid tut mir lediglich, dass die an diesem Tag geplante Wanderung mit Derek von Briesen durch den Sycamore Canyon im wahrsten Sinne des Wortes "ins Wasser gefallen" ist. Hoffentlich haben wir in naher Zukunft mal die Gelegenheit dies nachholen! :-)
Da Philippe ohnehin ein Babelfishtranslator-Profi ist, kann ich diese kleine Danksagung wohl auch in Deutsch schreiben... ;-)

Tierwelt: Neben zahlreichen "Drachen" und "fliegenden Elefanten" kann man in der Gold Butte Region Dickhornschafen, Maultierhirschen, Pumas, Wüstenschildkröten sowie wilden Pferden und Eseln begegnen. Angetroffen haben wir vorort nur Eidechsen sowie die kleinen Antelope Squirrels. Und welches Tier in jener Nacht um die Autos geschlichen ist, möchte ich mal lieber nicht wissen... ;-)

Unterkunft: Vor Ort im Auto oder Zelt sowie in Mesquite in einem der zahlreichen Casinos und Motels.

Information: BLM Las Vegas Field Office, 4765 W Vegas Dr, Las Vegas NV 89107; Tel: (702) 647-5000
BLM St. George, 345 East Riverside Drive, St. George, Utah 84790, Tel: (435) 688-3200


© 03.06.2006 Isabel Synnatschke      
Last update 09.05.2007


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