|
|||||||||||||
Ein Vogelparadies, das nicht nur Birder begeistert Allgemeines: Es gibt viele Gründe um im Winter in den Südwesten zu fahren. Die Schnäppchen bei den Flügen (z.B. Condor Fliegenpreise), das Wetter ist oft deutlich wärmer als zu Hause, man kommt ungleich leichter an Wave Permits heran, die roten Felsen sehen mit einer kleiner Schneehaube fast noch beeindruckender aus, und es gibt das Bosque del Apache National Wildlife Refuge, ein Tierreservat der Sonderklasse. Eine künstlich angelegte, 230 km² große Sumpflandschaft, in der die ehemalige Überflutungszone des Rio Grande nachgeahmt wird und in deren Teiche sich alljährlich während der Wintermonate Abertausende Gänse, Enten und Kraniche versammeln. Bereits im Jahr 1939 wurde dieses am Rocky Mountain Flyway gelegene Gebiet unter Naturschutz gestellt und ist heute noch ein wichtiger Rastplatz und Überwinterungsquartier für die Zugvögel.
Unser Besuch: Früh klingelte der Wecker am 5. Februar 2008. Keine 10 Minuten später verließen wir mit unseren Koffern das Motel 6 in Socorro und knapp eine halbe Stunde später bogen wir auf die Tour Loop ein. Es war 6:10 AM, noch eine volle Stunde vor Sonnenaufgang als wir hier erschrocken durch das Autofenster sahen wie ein gigantischer Gänseschwarm abhob und an uns vorbei flog. Laut den Rangern im Besucherzentrum ist das schlimmste, das man machen kann, eine Prognose. Denn sie wird nie stimmen. Die Gänse verlassen normalerweise die Teiche frühestens eine 3/4 Stunde vor Sonnenaufgang. Wie wir feststellen mussten, trifft nicht einmal das immer zu. Ebenso unzuverlässig sind sämtliche Angaben bezüglich des evening flight-in. Ein paar Mal konnte die Rangerin selber schon miterleben, wie die Schneegänse bereits mitten am Nachmittag zurück gekehrt sind. Wie viele enttäuschte Gesichter es dann an den Abenden wohl gegeben hat? Jedenfalls hatten wir es geschafft extrem früh dran zu sein und kamen doch zu spät für das große take-off. So blieb uns nichts anderes übrig als an einem der ponds zu halten, in dem sich nach wie vor noch eine beachtliche Menge Nachzügler tummelten. Es verging sicher eine gute halbe Stunde und nichts geschah, außer dass der anfangs noch dunkle Horizont sich allmählich orange verfärbte. Wir hielten unsere langen Linsen bereit und warteten noch immer geduldig auf ein "kleines Massenabheben". Und dann geschah es plötzlich - ganz ohne Ankündigung, ganz ohne Vorwarnung - in genau jenem Moment, in dem Steffen und ich uns kurz angeschaut haben... Die Bilder, die dann in der Hektik entstanden, dienen gerade mal zu Erinnerungszwecken. Außerdem würde ich beim nächsten Mal meine Alltagslinse, die 24-105 mm, dem Tele 100-400 mm vorziehen. So bleibt man deutlich flexibler, kann nicht nur einen Teil der Massen verewigen sondern auch den Gesamteindruck, der meiner Meinung doch wesentlich beeindruckender ist. Selbst mit einer hohen ISO-Zahl ist es bei einem zeitigen geese take-off noch zu dunkel für einigermaßen scharfe Detailausschnitte. Wenn sich die Tiere, so wie heute, bereits in der Finsternis auf den Weg machen, wird es eher kaum ein vernünftiges Foto geben. Bei diesen bewegten Objekten nutzt selbst ein Stativ oder Einbein leider nur bedingt.
Noch bevor die letzten Kraniche abheben, empfiehlt es sich die Farm Loop weiter bis zum Farm Deck zu fahren. Achtung, Einbahn, d.h. man muss wieder zurück zum Eingang und dann der Loop gegen den Uhrzeigersinn folgen! Am Weg hielt uns noch ein einsamer bald eagle direkt neben der Straße auf. So extrem nahe kommt man einen Weißkopfseeadler nicht alle Tage. Leider saß er etwas ungünstig auf dem Baum - mit einem dicken Ast vor dem Körper und das Gesicht teilweise im Schatten. Und er machte auch nach einer ganzen Weile gar keine Anstalten sich zu bewegen oder umzusetzen... ;-(
Die Tiere im Wechsel der Jahreszeiten: Die beste Besuchszeit für die Bosque del Apache N.W.R. sind die Wintermonate November bis Mitte Februar. In manchen Jahren kann es vorkommen, dass viele Gänse bereits Anfang/Mitte Februar wieder gen Norden ziehen oder noch einen Zwischenstopp in dem etwas nördlich gelegenen Ladd S. Gordon Waterfowl Complex machen. Die populärsten Monate sind der November und der Dezember. Dann versammeln sich hier tagtäglich nicht nur die Vogel- sondern auch die Besuchermassen. Höhepunkt ist das Festival of the Cranes, das jedes Jahr in der Thanksgiving Woche stattfindet. Das gleich mehrere Tage andauernde Fest lockt mit seinen zahlreichen Angeboten (mehr als 100 Workshops) an die 10.000 Besucher an. Etwas ruhiger wird es dann im Januar und Februar.
Wer gegen Ende des Winters dem Refuge einen Besuch abstattet, wird
i.d.R. mit einer größeren Anzahl an Raubvögeln belohnt.
Im Frühling sowie im frühen Herbst lassen sich an beiden
loop roads Ufer- und Wasservögel beobachten, während
der Sommermonate nur an der Marsh Loop. Im Juli/August werden die
Teiche an der Farm Loop meist trockengelegt und dienen als Habitat
für Säugetiere, Singvögel und wilde Truthähne.
Die auf den Karten als "seasonal road" ausgewiesene
Piste ist nur zwischen dem 1. April und dem 30. September für
Besucher geöffnet. Zum Schutz der Vögel darf sie während
der übrigen Zeit auch zu Fuß nicht betreten werden. In der Regel werden hier im Schutzgebiet die Vögel
jede Woche einmal gezählt (meist donnerstags). Manche werden
sich nun fragen, wie Wissenschaftler diese Zahlen eruieren - auch
ich habe mir dieselbe Frage gestellt und anschließend der Rangerin.
Ihre Antwort erinnerte mich an meine Studienzeiten, als ich selber
die Petrischalen in kleine Flächen eingeteilt habe, um anschließend
nur die Zellen in einigen Bereichen auszuzählen. Was dann folgt
ist eine Hochrechnung. So ähnlich muss man sich das System auch
hier vorstellen.
Eintritt: $3 / PKW; gratis für National Park Pass Inhaber Öffnungszeiten: tgl. von einer Stunden vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach sunset Übernachtung: Die nahegelegene Stadt Socorro bietet eine Vielzahl an Unterkunftsmöglichkeiten. Rund um die Exits 150 und 147. Wir haben im Motel 6 übernachtet. Es war tadellos in Ordnung und an einem Frühstück bestand kein Bedarf. Weiterführende Links: http://www.fws.gov/southwest/refuges/newmex/bosque/ News: Nur wenige Woche nach unserem Besuch, stand das Bosque del Apache N.W.R. in den Schlagzeilen. Dieses Mal nicht wegen der Vögel, sondern aufgrund eines bereits vor etlichen Jahrmillionen ausgestorbenen Pflanzenfressers, der diese Gegend vor 10-15 Mio. Jahren seine Heimat nennen durfte. Auf einer Steinplatte entdeckten Forscher am 22. Februar 2008 das Gebiss eines "oreodont" sowie Teile seines Skeletts. Mehr Infos dazu gibt es hier.
Wie alles anfingt: Tiere haben mich schon seit jeher begeistert, aber dass mich eine ganz besondere Tierart mal so fesseln würde, das war nicht absehbar. Meine Liebe zu den Vögeln nahm relativ spät, erst im Februar 2002 in Florida, ihren Anfang. Noch nie hatte ich derart ungewöhnlich stattliche und viele aus so großer Nähe gesehen und beobachten dürfen. Schmuckreiher keine 2 m von mir entfernt versuchten den Wellen am Strand von Sanibel Island auszuweichen, ein Tricolored Heron wie er neben mir eine große Süßwasserkrabbe knackte, Dutzende Belted Kingfisher wie sie auf ihren Anhöhen auf kleine Fische lauerten, Schlangenhalsvögel die ihren Nachwuchs fütterten und Great Blue Heron Jungtieren wie sie sich um die großen Fische zankten, die die Eltern aus ihrem Schnabel hervorzauberten. Es war schlichtweg überwältigend. Am Ende der Reise hatte ich fast jeden größeren Vogel, der in den Birding Checklisten von Florida vertreten war, mindestens einmal gesehen und teilweise sogar im allerschönsten Abendlicht vor der Kamera gehabt. Selten hat mich ein Gebiet so fasziniert wie der Süden Floridas zur Hauptbrutzeit der Vögel. Ein Bericht über diesen Urlaub scheiterte nur daran, dass ich damals noch nicht digital unterwegs war und sämtliche Floridabilder als Dia vorliegen habe. Meine neu entdeckte Leidenschaft noch mehr vergrößert
hat die Schottlandrundreise im darauffolgenden Jahr.
Auch hier hatte ich die Urlaubszeit so gewählt, dass sie mit
der Vogelhochsaison an Schottlands Küsten übereinstimmte,
wenn Millionen von Seevögeln über- und nebeneinander an
den Steilklippen brüten. Unglaublich süß die Papageientaucher
mit ihren silbrig glänzenden Minifischen im Schnabel und fast
unbeschreiblich die Anzahl, der Lärm sowie der Gestank, der von
Möwen, Sturmtauchern und Lummen verbreitet wurde. Aber auch hier
scheiterte ein Bericht an der nicht digitalen Bildvorlage - wieder
nur Dias. ;-( Nun... ich war süchtig geworden. Nicht nur
nach den roten Steinen im Südwesten der USA sondern auch nach
diesen faszinierenden gefiederten Tieren. Umso mehr freue ich mich
jetzt, dass auch bei Steffen bereits allererste Anzeichen von Begeisterung
festzustellen waren während unserer Wintertour
2008. Anfangs wollte er mich gar nicht in das Arizona-Sonora
Desert Museum in Tucson begleiten und als er sich doch umentschloss,
gab es zunächst ein Zeitlimit von 3 Stunden. Dass wir dann aber
fast den ganzen Tag dort drinnen verbracht haben, das war ganz und
gar nicht meine alleinige Schuld... ;-)))) Auch ein paar Tage später im Bosque del Apache
NWR erlebte ich eine weitere freudige Überraschung. Die Massen
an Gänsen vor Sonnenaufgang, die zahlreichen Kraniche wie sie
im Licht der aufgehenden Sonne langsam erwachen und ihr Gefieder in
der Nähe der Plattform säubern sowie die vielen Weißkopfseeadler,
die auf den abgestorbenen Bäumen des Reservats sitzen, die faszinierten
nicht nur mich. ;-)
|
|||||||||||||