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Ein Vogelparadies, das nicht nur Birder begeistert

Allgemeines: Es gibt viele Gründe um im Winter in den Südwesten zu fahren. Die Schnäppchen bei den Flügen (z.B. Condor Fliegenpreise), das Wetter ist oft deutlich wärmer als zu Hause, man kommt ungleich leichter an Wave Permits heran, die roten Felsen sehen mit einer kleiner Schneehaube fast noch beeindruckender aus, und es gibt das Bosque del Apache National Wildlife Refuge, ein Tierreservat der Sonderklasse. Eine künstlich angelegte, 230 km² große Sumpflandschaft, in der die ehemalige Überflutungszone des Rio Grande nachgeahmt wird und in deren Teiche sich alljährlich während der Wintermonate Abertausende Gänse, Enten und Kraniche versammeln. Bereits im Jahr 1939 wurde dieses am Rocky Mountain Flyway gelegene Gebiet unter Naturschutz gestellt und ist heute noch ein wichtiger Rastplatz und Überwinterungsquartier für die Zugvögel.

 
Schneegänse im Bosque del Apache NWR
Ein großer pond mit Schneegänsen am Eingang des Bosque del Apache


Anfahrt/im Gebiet unterwegs: Bosque del Apache liegt im Bundesstaat New Mexico etwa 90 mi südlich von Albuquerque. Über die I-25 geht es bei San Antonio (Exit 139) für 0.5 mi auf der Route 380 nach Osten und anschließend 8 mi auf dem Hwy. 1 in Richtung Süden. Auf der rechten Straßenseite steht zunächst das Visitor Center und kurz darauf zweigt nach links die Tour Loop ab. Von Süden kommend kann man bereits bei San Marcial von der I-25 abfahren (Exit 124) und den Hwy 1 nach Norden folgen (Anfahrt).
Einige kurze Wanderwege sowie zwei Loop Roads, die 7,5 mi lange Farm Loop Road sowie die Marsh Loop Road (7 mi), erschließen das Bosque del Apache NWR und verschaffen Zugang zu 7 Aussichtsplattformen (observation decks) sowie zur Phil Norton Observation Blind. (Karte)

Unser Besuch: Früh klingelte der Wecker am 5. Februar 2008. Keine 10 Minuten später verließen wir mit unseren Koffern das Motel 6 in Socorro und knapp eine halbe Stunde später bogen wir auf die Tour Loop ein. Es war 6:10 AM, noch eine volle Stunde vor Sonnenaufgang als wir hier erschrocken durch das Autofenster sahen wie ein gigantischer Gänseschwarm abhob und an uns vorbei flog. Laut den Rangern im Besucherzentrum ist das schlimmste, das man machen kann, eine Prognose. Denn sie wird nie stimmen. Die Gänse verlassen normalerweise die Teiche frühestens eine 3/4 Stunde vor Sonnenaufgang. Wie wir feststellen mussten, trifft nicht einmal das immer zu. Ebenso unzuverlässig sind sämtliche Angaben bezüglich des evening flight-in. Ein paar Mal konnte die Rangerin selber schon miterleben, wie die Schneegänse bereits mitten am Nachmittag zurück gekehrt sind. Wie viele enttäuschte Gesichter es dann an den Abenden wohl gegeben hat?

Jedenfalls hatten wir es geschafft extrem früh dran zu sein und kamen doch zu spät für das große take-off. So blieb uns nichts anderes übrig als an einem der ponds zu halten, in dem sich nach wie vor noch eine beachtliche Menge Nachzügler tummelten. Es verging sicher eine gute halbe Stunde und nichts geschah, außer dass der anfangs noch dunkle Horizont sich allmählich orange verfärbte. Wir hielten unsere langen Linsen bereit und warteten noch immer geduldig auf ein "kleines Massenabheben". Und dann geschah es plötzlich - ganz ohne Ankündigung, ganz ohne Vorwarnung - in genau jenem Moment, in dem Steffen und ich uns kurz angeschaut haben... Die Bilder, die dann in der Hektik entstanden, dienen gerade mal zu Erinnerungszwecken. Außerdem würde ich beim nächsten Mal meine Alltagslinse, die 24-105 mm, dem Tele 100-400 mm vorziehen. So bleibt man deutlich flexibler, kann nicht nur einen Teil der Massen verewigen sondern auch den Gesamteindruck, der meiner Meinung doch wesentlich beeindruckender ist. Selbst mit einer hohen ISO-Zahl ist es bei einem zeitigen geese take-off noch zu dunkel für einigermaßen scharfe Detailausschnitte. Wenn sich die Tiere, so wie heute, bereits in der Finsternis auf den Weg machen, wird es eher kaum ein vernünftiges Foto geben. Bei diesen bewegten Objekten nutzt selbst ein Stativ oder Einbein leider nur bedingt.

 
Sandhill cranes at Flight Deck Bosque del Apache
Sandhill cranes at Farm Deck Bosque del Apache


Die offizielle Karte hatte mich im Vorfeld etwas irritiert, da die ponds nur westlich der Straße zum Flight Deck eingezeichnet sind. Laut Arthur Morris befanden sich aber die besten Plätze neben der Farm Loop südlich des Flight Decks. Das machte meiner Meinung keinen Sinn. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass die schönsten Teiche tatsächlich östlich der Farm Loop liegen (und nicht wie auf der Karte eingezeichnet).
Nach unserem gleich doppelt "verpatzten Debüt" lag unser nächster Stopp nur wenige Meter weiter die Straße hinunter: das Flight Deck. Auf diesem Abschnitt ist die Farm Loop zum Glück noch eine 2-way road. Ein kurzer Brettersteg führt hinaus auf den großen Teich. Hier haben wir sicher weit über 50 Kraniche gesehen, die alle auf den Sonnenaufgang warteten. In der Ferne ein abgestorbener Baum, auf dem zwei Weißkopfseeadler (bald eagles) saßen. Mit den ersten Lichtstrahlen erwachten die Kraniche langsam aus dem Tiefschlaf und widmeten sich ihrer morgendlichen Schönheitspflege. Akribisch putzten sie sich das Gefieder und anschließend versammelten sie sich zu neuen kleinen Gruppen. Diese heben dann in der Regel alle etwas zeitverzögert ab, so dass es hier keine mass ascencion wie bei den Gänsen zu sehen gibt. Es ist auch nicht immer der Fall, dass sie erst nach Sonnenaufgang abheben. Das hängt ganz von den Temperaturen ab - oder ev. von Lust und Laune? ;-)
Als wir am Flight Deck standen, war es ziemlich kalt. Nicht nur das Holz der Aussichtsplattform war total vereist, sondern selbst an der Außenseite meiner Linse bildeten sich feine Eiskristalle. Und wir hatten die Handschuhe im Koffer und keine Zeit sie herauszuholen... Zu faszinierend waren diese großen Vögel im goldenen Licht!

Noch bevor die letzten Kraniche abheben, empfiehlt es sich die Farm Loop weiter bis zum Farm Deck zu fahren. Achtung, Einbahn, d.h. man muss wieder zurück zum Eingang und dann der Loop gegen den Uhrzeigersinn folgen! Am Weg hielt uns noch ein einsamer bald eagle direkt neben der Straße auf. So extrem nahe kommt man einen Weißkopfseeadler nicht alle Tage. Leider saß er etwas ungünstig auf dem Baum - mit einem dicken Ast vor dem Körper und das Gesicht teilweise im Schatten. Und er machte auch nach einer ganzen Weile gar keine Anstalten sich zu bewegen oder umzusetzen... ;-(

 

Bald eagle bosque del Apache
Sandhill cranes in flight Bosque del Apache


Das Farm Deck selbst ist ein ausgezeichneter Platz um nach Sonnenaufgang Kraniche im Flug zu verewigen. Immer wieder schwingen kleine Gruppen von 4-10 Tieren ihre Flügel direkt über der Aussichtsplattform und landen knapp dahinter in den Feldern. Hier verweilen sie dann einige Stunden, bis sie wieder weiterziehen. Auch ein red-tailed hawk hatte sich zu uns gesellt und auf dem Feld ein schmackhaftes Frühstück gefunden.
Es war bereits 10:30 AM als wir das Farm Deck verließen und sich ein seltsames Geräusch am linken Hinterrad unseres Jeep Liberty bemerkbar machte. Zwei nicht zu ortende Metalle schabten aneinander - keine Chance, das selber zu reparieren. Es half nur der Griff zum Telefonhörer. Bis der neue SUV von Alamo zum Besucherzentrum geliefert wurde, dauerte es ca. 2,5 Stunden. Diese Zeit nutzen wir, indem wir das Reservat zu Fuß erkundeten. Empfehlenswert ist das allerdings nicht, denn die Vögel sind ungleich scheuer wenn man sich nicht in einem Auto befindet und auch die Dimension des Schutzgebiets ist nicht zu unterschätzen!
Mit dem neuen Auto fuhren wir noch mehrmals die beiden Loop Roads ab. Jetzt am frühen Nachmittag waren außer einige bald eagles in weiter Entfernung kaum mehr Tiere im Reservat zu sehen.

Die Tiere im Wechsel der Jahreszeiten: Die beste Besuchszeit für die Bosque del Apache N.W.R. sind die Wintermonate November bis Mitte Februar. In manchen Jahren kann es vorkommen, dass viele Gänse bereits Anfang/Mitte Februar wieder gen Norden ziehen oder noch einen Zwischenstopp in dem etwas nördlich gelegenen Ladd S. Gordon Waterfowl Complex machen. Die populärsten Monate sind der November und der Dezember. Dann versammeln sich hier tagtäglich nicht nur die Vogel- sondern auch die Besuchermassen. Höhepunkt ist das Festival of the Cranes, das jedes Jahr in der Thanksgiving Woche stattfindet. Das gleich mehrere Tage andauernde Fest lockt mit seinen zahlreichen Angeboten (mehr als 100 Workshops) an die 10.000 Besucher an.

Etwas ruhiger wird es dann im Januar und Februar. Wer gegen Ende des Winters dem Refuge einen Besuch abstattet, wird i.d.R. mit einer größeren Anzahl an Raubvögeln belohnt. Im Frühling sowie im frühen Herbst lassen sich an beiden loop roads Ufer- und Wasservögel beobachten, während der Sommermonate nur an der Marsh Loop. Im Juli/August werden die Teiche an der Farm Loop meist trockengelegt und dienen als Habitat für Säugetiere, Singvögel und wilde Truthähne. Die auf den Karten als "seasonal road" ausgewiesene Piste ist nur zwischen dem 1. April und dem 30. September für Besucher geöffnet. Zum Schutz der Vögel darf sie während der übrigen Zeit auch zu Fuß nicht betreten werden.
Ein Rekord von über 19.000 Kanadakranichen (sandhill cranes) konnte Mitte Februar 2003 registriert werden. Eine schöne Verteilungskurve der letzten Jahre gibt es auf dieser Seite. Bei unserem Besuch waren es laut Statistik an die 11.000 Tiere.

In der Regel werden hier im Schutzgebiet die Vögel jede Woche einmal gezählt (meist donnerstags). Manche werden sich nun fragen, wie Wissenschaftler diese Zahlen eruieren - auch ich habe mir dieselbe Frage gestellt und anschließend der Rangerin. Ihre Antwort erinnerte mich an meine Studienzeiten, als ich selber die Petrischalen in kleine Flächen eingeteilt habe, um anschließend nur die Zellen in einigen Bereichen auszuzählen. Was dann folgt ist eine Hochrechnung. So ähnlich muss man sich das System auch hier vorstellen.
Neben den üblichen "Verdächtigen" (Schneegänsen und Kanadakranichen) trifft man im Bosque del Apache auch noch viele anderen Vogelarten an: Ibisse, wild turkey, hummingbirds, allerlei Reiherarten, Raub- und Singvögel sowie die stark bedrohten, wunderschön eleganten whooping cranes. Hier leben außerdem Baumstachler (porcupines), Kojoten, Maultierhirsche (mule deer) oder auch Reptilien wie die western diamondback rattlesnake.

Roadrunner Bosque del Apache NWR

An dieser Stelle noch ein Insidertipp:

Die Rangerin erzählte mir, während ich auf den Rückruf von Alamo wartete, viele interessante Sachen, u.a. dass sie noch bei so gut wie jedem Besuch einen roadrunner oder gambel quails angetroffen hat. Man muss nur wissen wo!
Und so unwahrscheinlich es klingt, auch wir können ihre Angabe bestätigen. Wer an einem sonnigen Vormittag etwas länger in der Nähe der fee both verweilt oder auf der gegenüberliegenden Seite des Hwy. 1, der hat große Chancen einem der urigen Straßenläufer zu begegnen sowie unzählige Schopfwachteln zu beobachten.
Mit etwas Geduld und viel mehr Zeit lassen sich hier sicher sehr nette Fotos machen.


Fazit: Ein halber Tag im "Apachenwäldchen" und das noch mit einer Autopanne, ist deutlich zu wenig. Ein Sonnenaufgang sowie ein sunset ist hier das absolute Minimum. Damit wirklich gute Fotos gelingen reicht aber auch das noch bei weitem nicht. Arthur Morris beschreibt in seinem hervorragenden Buch "Birds as Art", dass er bei seinen über 90 Bosque del Apache Besuchen nur zweimal die Bedingungen angetroffen hat, bei denen ihm das geniale Siegerbild beim BBC Wildlife Photographer of the Year gelungen ist.
Wer nur einen Tag hier verweilt, ist ganz und gar seinem Glück oder Pech ausgesetzt. Für richtig spektakuläre Fotos ist viel Geduld und Ausdauer gefragt. Nicht umsonst verweilen die guten Naturfotografen gleich mehrere Tage oder Wochen hier im Bosque. Etwas, das leider bei einem Kurzurlaub meist nicht drinnen ist.
Eine kleine Auswahl an Fotos gibt es trotzdem in meinem Bosque del Apache Fotoalbum.
Ein Satz aus einem meiner Lieblingsfilme "Winged Migration" aus dem Jahr 2001 könnte noch recht gut hier ins Fazit passen: „The story of the migrating birds is the story of a promise. The promise to return”. Dieser soll nicht nur für die vielen Gänse und Kraniche des Bosque del Apache gelten, sondern auch für zwei weitere unruhige und fernsüchtige Zugvögel, die in diesem schönen Naturschutzgebiet hoffentlich bald wieder eine kurze Rast einlegen... ;-)

Eintritt: $3 / PKW; gratis für National Park Pass Inhaber

Öffnungszeiten: tgl. von einer Stunden vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach sunset

Übernachtung: Die nahegelegene Stadt Socorro bietet eine Vielzahl an Unterkunftsmöglichkeiten. Rund um die Exits 150 und 147. Wir haben im Motel 6 übernachtet. Es war tadellos in Ordnung und an einem Frühstück bestand kein Bedarf.

Weiterführende Links: http://www.fws.gov/southwest/refuges/newmex/bosque/

News: Nur wenige Woche nach unserem Besuch, stand das Bosque del Apache N.W.R. in den Schlagzeilen. Dieses Mal nicht wegen der Vögel, sondern aufgrund eines bereits vor etlichen Jahrmillionen ausgestorbenen Pflanzenfressers, der diese Gegend vor 10-15 Mio. Jahren seine Heimat nennen durfte. Auf einer Steinplatte entdeckten Forscher am 22. Februar 2008 das Gebiss eines "oreodont" sowie Teile seines Skeletts. Mehr Infos dazu gibt es hier.

 

Kanadakraniche in den Getreidefeldern der Bernardo W.M.A.


Weitere Waterfowl Management Areas:
Nördlich von Socorro befinden sich vier weitere Schutzgebiete, in die sich die Wintergäste gerne zurückziehen: Casa Colorada, Belen, Bernardo sowie die La Joya Waterfowl Area. Zusammen bilden sie den Ladd S. Gordon Waterfowl Complex (offizielle Broschüre). Den Tipp bekamen wir von einem netten amerikanischen Fotografen aus Colorado, den wir vor Ort kennengelernt haben. Dieser erzählte uns, dass sich oft viele Gänse tagsüber lieber in den Waterfowl Management Areas aufhalten und erst abends wieder nach Süden zu den Teichen des Bosque del Apache fliegen. Mitunter übernachten sie sich aber auch gleich hier.
Die knapp 1 km² große Belen Waterfowl Area 4 mi südlich der gleichnamigen Stadt an der NM-109 besteht aus Ackerländereien und lockt während der Wintermonate viele Kraniche an, ebenso wie die meist für die Öffentlichkeit gesperrte Casa Colorada Waterfowl Area 6 mi südlich von Belen an der NM-304.
Die nur 7 km² große Bernardo Waterfowl Management Area ist fast immer für Besucher frei zugänglich. Mehr als 25.000 Schneegänse (snow geese) und 12.000 Kanadakraniche (sandhill cranes) sowie vielerlei Entenarten und Weißkopfseeadler versammeln sich in und rund um die künstlich angelegten Teiche. Drei Aussichtsplattformen stehen den Besuchern zur Verfügung und eine 3 mi lange Autotour führt durch das Schutzgebiet. Hier trifft man nicht nur die "üblichen Verdächtigen" an sondern auch Maultierhirsche, Kojoten, Waschbären, Fasane, Eulen und eine Vielzahl an Singvögeln. Die Zufahrt in das Schutzgebiet befindet sich an der NM-314, die vom Hwy. 60 unmittelbar östlich des Exit von der I-15 bei Bernardo abzweigt. Wer in der Gegend ist: dieser Abstecher lohnt sich meistens, das können auch wir bestätigen.
Noch weitere 5 mi südlich befindet sich die 14 km² umfassende La Joya Waterfowl Area, wo für die Vögel ebenfalls einige künstliche Teiche angelegt wurden.

Wie alles anfingt: Tiere haben mich schon seit jeher begeistert, aber dass mich eine ganz besondere Tierart mal so fesseln würde, das war nicht absehbar. Meine Liebe zu den Vögeln nahm relativ spät, erst im Februar 2002 in Florida, ihren Anfang. Noch nie hatte ich derart ungewöhnlich stattliche und viele aus so großer Nähe gesehen und beobachten dürfen. Schmuckreiher keine 2 m von mir entfernt versuchten den Wellen am Strand von Sanibel Island auszuweichen, ein Tricolored Heron wie er neben mir eine große Süßwasserkrabbe knackte, Dutzende Belted Kingfisher wie sie auf ihren Anhöhen auf kleine Fische lauerten, Schlangenhalsvögel die ihren Nachwuchs fütterten und Great Blue Heron Jungtieren wie sie sich um die großen Fische zankten, die die Eltern aus ihrem Schnabel hervorzauberten. Es war schlichtweg überwältigend. Am Ende der Reise hatte ich fast jeden größeren Vogel, der in den Birding Checklisten von Florida vertreten war, mindestens einmal gesehen und teilweise sogar im allerschönsten Abendlicht vor der Kamera gehabt. Selten hat mich ein Gebiet so fasziniert wie der Süden Floridas zur Hauptbrutzeit der Vögel. Ein Bericht über diesen Urlaub scheiterte nur daran, dass ich damals noch nicht digital unterwegs war und sämtliche Floridabilder als Dia vorliegen habe.

Meine neu entdeckte Leidenschaft noch mehr vergrößert hat die Schottlandrundreise im darauffolgenden Jahr. Auch hier hatte ich die Urlaubszeit so gewählt, dass sie mit der Vogelhochsaison an Schottlands Küsten übereinstimmte, wenn Millionen von Seevögeln über- und nebeneinander an den Steilklippen brüten. Unglaublich süß die Papageientaucher mit ihren silbrig glänzenden Minifischen im Schnabel und fast unbeschreiblich die Anzahl, der Lärm sowie der Gestank, der von Möwen, Sturmtauchern und Lummen verbreitet wurde. Aber auch hier scheiterte ein Bericht an der nicht digitalen Bildvorlage - wieder nur Dias. ;-(
All das führte dazu, dass ich mich auch in meiner näheren Umgebung verstärkt nach interessanten Vogelbeobachtungsplätzen umsah und rund um Wien so das eine oder andere wunderschöne Plätzchen für mich entdeckte, so z.B. die große Graureiherkolonie direkt vor meiner Haustür im Wasserpark, das WWF Naturreservat in Marchegg, die Becken der Zuckerfabrik in Hohenau oder die herrliche Sandsteinwand südöstlich von Weiden am See im Burgenland, an der ich Ende Mai/Anfang Juni vor einigen Jahren mal gleichzeitig Steinkäuze, Hasen, Turmfalken und Bienenfresser beobachten durfte. Karin und Gerhard, Euch beiden noch ganz lieben Dank dafür. Und für den Tipp mit Marchegg an dieser Stelle ein besonderes Dankeschön an einen weiteren ganz besonders lieben Freund, der mich erstmals im Mai 1998 dorthin brachte. ;-))))

Nun... ich war süchtig geworden. Nicht nur nach den roten Steinen im Südwesten der USA sondern auch nach diesen faszinierenden gefiederten Tieren. Umso mehr freue ich mich jetzt, dass auch bei Steffen bereits allererste Anzeichen von Begeisterung festzustellen waren während unserer Wintertour 2008. Anfangs wollte er mich gar nicht in das Arizona-Sonora Desert Museum in Tucson begleiten und als er sich doch umentschloss, gab es zunächst ein Zeitlimit von 3 Stunden. Dass wir dann aber fast den ganzen Tag dort drinnen verbracht haben, das war ganz und gar nicht meine alleinige Schuld... ;-))))
Nicht nur die zwei raptor flight shows (10:30 AM und 1 PM) und das große bird aviary faszinierten uns, es war allen voran das hummingbird aviary, in dem Steffen Stunden zubrachte und sogar noch länger hätte verweilen können. Dieses Voliere ist genauso einzigartig wie das Butterfly World in Loxahatchee, FL: riesig, schön gestaltet und voller Tiere. Hier fliegen die kleinen bunten "Huscheln" von einer Blüte zur anderen, sitzen in ihren unbeschreiblich winzigen Nestern und immer wieder erschrickt man, wenn ein Hummingbird knapp an einem vorbei "brummt". Als sich bei mir schon etwas wie eine Sättigung einstellte, hätte man Steffen dort noch ruhig ein paar Stunden länger aussetzen können. ;-)))

Auch ein paar Tage später im Bosque del Apache NWR erlebte ich eine weitere freudige Überraschung. Die Massen an Gänsen vor Sonnenaufgang, die zahlreichen Kraniche wie sie im Licht der aufgehenden Sonne langsam erwachen und ihr Gefieder in der Nähe der Plattform säubern sowie die vielen Weißkopfseeadler, die auf den abgestorbenen Bäumen des Reservats sitzen, die faszinierten nicht nur mich. ;-)
Auch Laurent war es zwei Jahre zuvor ähnlich ergangen. Er hat sogar etliche Tage hier verbracht und seine Begeisterung liest man nicht nur zwischen den Zeilen in seinem Buch "Photographing the Southwest - Colorado & New Mexico". Und so kommt es, dass dieser Bericht einen Untertitel erhalten hat: "Bosque del Apache N.W.R. - Ein Vogelparadies, das nicht nur Birder begeistert". ;-)


© 09.06.2008 Isabel Synnatschke

 


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