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Plitvicer Seen Nationalpark

Plitwitzer Seen Karte - Plitvicka Map
Ulaz = Eingang; P1 P2 P3 = Bootsanlegenstellen; ST1 ST2 ST4 = Bushaltestellen

 

Lage/Allgemeines: Die knapp 2 km² große Karstlandschaft rund um die Plitvicer Seen (zu deutsch auch Plitwitzer Seen, kroatisch Plitvicka Jezera) ist Teil des 295 km² umfassenden Nationalparks, der sich um den Gebirgszug Mala Kapela im Zentrum Kroatiens erstreckt und nicht zu unrecht weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt ist. Auf einer Länge von 8 km reihen sich ähnlich einer Perlenkette sechzehn Seen aneinander, die durch unterirdische Wasserläufe und zahllose rauschende Kaskaden miteinander verbunden sind. Stufenförmig ergießt sich hier im "Land der fallenden Seen" das kristallklare, blaugrüne Wasser über Kalksinterbarrieren von einem Gewässer in das nächste. Prošcansko Jezero ist mit seinen 637 m über dem Meeresspiegel der höchstgelegene See und der Novakovica Brod auf 503 m der niedrigste.
Unterteilt wird der Nationalpark in zwei Bereiche: Die 12 oberen Seen (Gornja jezera) erstrecken sich vom Prošcansko Jezero bis hinunter zum Kozjak Jezero und die vier unteren Seen (Donja jezera) weiter bis zum Sastavci Wasserfall, der das Ende der Seenkette markiert und in den Fluss Korana mündet.
1928 wurde der Talkessel und das umliegende Waldgebiet unter Naturschutz gestellt, 1949 international als Nationalpark anerkannt und 1979 von der UNSECO in das Verzeichnis des Weltnaturerbes aufgenommen. Die Gewässer liegen inmitten des während des Bosnienkriegs heiß umkämpften Bihac-Gebiets. Von 1991 bis 1995 wurde es von Serbien besetzt gehalten. Der Zugang zum Nationalpark war nicht möglich und viele Einrichtungen, Wege und Brücken wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1995 konnten die Plitvicer Seen von Kroatien zurückerobert werden und 1996 kehrte wieder Frieden ein.
Eine starke Bedrohung für die sensible Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks stellt die Zunahme der jährlichen Besucherzahl dar. Rund eine Million Menschen drängt sich mittlerweile jedes Jahr über die Bretterstege der engen Schlucht und um die Wege entlang der großen Seen.

 
Plitwitzer Seen Wasserfälle
Üppige Vegetation und sattes Grün säumen die oberen Wasserfälle.


Fotos: Meine neuesten Fotos gibt es im Plitvice Lakes Portfolio.

Eintritt: Die Tageskarte kostet in der Hauptsaison 110 Kuna und beinhaltet sämtliche Fahrten mit Bussen und Schiffen innerhalb des Parks. Eine 2-Tages-Karte schlägt mit 180 Kuna zu Buche (Stand 08/2011; noch aktueller hier). Wer darüber hinaus noch gerne einen dritten Tag bei den Seen verbringen möchte und in einem der Parkhotels oder am Autocamp Korana übernachtet, kann sich die 2-Tages-Karte "verlängern" lassen, d.h. wenn sie von den Vermietern abstempelt wird, darf man am dritten Tag umsonst in den Park. Manchmal geht es aber auch jetzt noch so wie früher bereits ab dem 2. Tag. Am besten vorher fragen bei der Unterkunft! Danke für das Update 2011, Andreas und Helmut!

Mein erster Besuch: Die Idee zu diesem Wochenendtrip kam uns eines abends im Frühling 2005 nachdem wir im Fernsehen eine Dokumentation über "Das Land der fallenden Seen" gesehen hatten. Aufgrund des dort herrschenden alpinen Klimas und der recht kahlen Bäume in einem Internetbericht von Ende April 2004, haben wir diesen Ausflug erst Ende Mai unternommen (27.05-29.05.2005).
Von Wien ist man laut Routenplaner knapp 5 Stunden unterwegs. Wir haben jedoch über 6 Stunden für die 500 km benötigt. Denn auch wenn man auf der Autobahn sicherlich schneller unterwegs ist, als es "ein Routenplaner erlaubt", so waren leider große Teile der Landstraßen in Slowenien und der Abschnitt zwischen der Grenze und Zagreb übersäht mit 30 km/h Baustellen.

Der Nationalpark lässt sich zu Fuß entlang eines ausgedehnten, ca. 50 km langen Wanderwegnetzes erkunden, wobei man je nach Lust und Laune seine Tour an beliebigen Stellen beginnen oder abbrechen kann. Ein Shuttlebus verbindet die beiden Eingänge (Ulaz) mit dem höchstgelegenen See Prošcansko Jezero. Über den großen Kozjak Jezero verkehren Elektroboote mit einem Fassungsvermögen von 50 bzw. 100 Personen im Halbstundentakt von 10-18 Uhr. Je nach Bedarf sind sogar bis zu vier Boote gleichzeitig zwischen den Stationen P1 und P3 im Einsatz. Eine weitere Personenfähre stellt die Verbindung zwischen den Anlegestellen P1 und P2 dar, die bei uns sogar von 7 Uhr morgens bis 19:30 fuhr (Uhrzeit nicht offiziell, kann variieren!).
Zwecks besserer Übersicht habe ich den offiziellen Plan von der Eintrittskarte nachgezeichnet und mich aus Platzgründen der "Unsitte" angeschlossen, den Norden nach rechts zeigen zu lassen. Achtung, es gibt auch Reiseführer, in denen das übersehen wurde und die Himmelsrichtungen nicht stimmen! Von den 6 Stück, die ich mir von der Bücherei ausgeborgt hatte, war bei Zweien der Nordenpfeil um genau 90° verdreht...

Ein Tag Zeitaufwand sollte angesichts der Größe des Gebiets und der zahlreichen Sehenswürdigkeiten das absolute Minimum sein. Fotografen werden es zu schätzen wissen, wenn sie hier zwei Vormittage zur Verfügung haben, da sich nachmittags fast alle Wasserfälle im starken Gegenlicht befinden.
Selbstverständlich lassen sich aber beide Seenabschnitte auch an einem Tag gut kombinieren, wenn man einige Wege abkürzt oder auslässt (oder nicht soviel fotografiert ;-) ...).
Schade finde ich allerdings, wenn man nur die Route entlang der unteren Seen einschlägt, die in vielen Reiseführern beschrieben ist. Es wird beim Eingang 1 begonnen und nach der Bootsfahrt über den Kozjak See geht es mit dem Shuttlebus vom Eingang 2 wieder zurück zum Eingang 1. Wenn man es besonders eilig hat, ist das selbstverständlich eine Variante, aber jeder, der etwas mehr Zeit mitbringt, sollte sich die oberen Seen nicht entgehen lassen, denn diese sind mindestens so schön wie die unteren. In einem guten Wanderführer, der beide Seerunden beschreibt, hieß es sogar dass die oberen Wasserfälle noch spektakulärer sind. Dieser Info wollten wir am ersten Nachmittag nachgehen...

 

Plitvicer Seen
Das Land der fallenden Seen und wachsenden Steine



Etwas Vorsicht ist geboten, wenn man nachmittags beim Eingang 2 die Tour entlang der oberen Seen starten will. Ich hatte zuvor im Internet gelesen, dass dort jemand aufgrund einer nicht besetzten Kassa bereits ordentlich Strafe zahlen musste. So sind wir zuerst sicherheitshalber kurz beim Eingang 1 stehen geblieben um uns die Eintrittskarten zu beschaffen - eine sehr weise Entscheidung, denn die Kassa und die Information hatte nach 16 Uhr dann in der Tat beim Ulaz 2 schon geschlossen.
Da wir uns schon mal beim Eingang 1 befanden, war ein erster kurzer Blick hinunter in die tiefe Schlucht obligat. Keine 100 m hinter der Kassa befindet sich bereits der erste Aussichtspunkt. Wie vermutet lagen die Wasserfälle vollkommen im Schatten, aber für 4 Uhr nachmittags befanden sich hier nicht gerade wenig Leute. Gleich mehrere ausländische Reisegruppen (größtenteils Deutsche, Franzosen, Italiener und Österreicher) drängten sich rund um den Aussichtspunkt und schoben sich anschließend in die Schlucht hinunter.

Beim Parkplatz am Eingang 2, knapp 5 km südlich vom Ulaz 1, standen schon weitaus weniger Autos und knapp ein Dutzend Leute setzte mit uns zu der Uhrzeit mit der Fähre zum Westufer des Kozjak Sees über (Dauer: keine 5 min.). Sieben glasklare größere Seen und zahllose idyllische Teiche sowie Wasserfälle liegen zwischen dem Kozjak und dem Prošcansko Jezero. Es empfiehlt sich die Tour von Osten nach Westen (vom Parkplatz P2 zur Bushaltestelle ST4) zu planen, da man ihnen so "entgegen wandert" und die schönen Blicke meist nach vorne hat.
Unmittelbar oberhalb der Anlegestelle P2 gabelt sich der Rundweg. Der schönere Steg führt nach rechts. Noch bevor man das Westufer des Gradinsko Jezerce (554 m, 10 m tief) erreicht, passiert man einige schäumende Kaskaden. Zwischen den beiden ersten beiden oberen Seen - Gradinsko Jezerce und Galovac Jezero - gibt es zwei Verbindungsstrecken. Es sind beide Holzplankenwege absolut sehenswert und nach Möglichkeit sollte man sich beide anschauen, in dem man der ersten Abzweigung hinter dem Gradinsko Jezerce nach links folgt und von dort noch unterhalb des Galovac Jezero (583 m, 24 m tief) den anderen Weg wieder zurückgeht. Nach der Umrundung des Galovac Sees war es dann schon so spät, dass sich nur noch ein kurzer Abstecher zum obersten aller Seen, dem Prošcansko Jezero (637 m, 38 m tief) ausgegangen ist. Dieser liegt bereits in einem breiteren Tal und ist von einem Schilfgürtel umgeben, aus dem ein unglaubliches Froschkonzert ertönte. Es war recht lustig diesen kleinen Tieren zuzusehen, wie sie sich immer wieder ganz dick aufgeblasen haben. Landschaftlich finde ich diesen letzten oberen See nicht so reizvoll, zu sehr erinnert er mich an jeden x-beliebigen Badesee in Österreich. Der auf der Karte eingezeichnete Spaziergang rund um den Prošcansko Jezero würde mich deshalb nicht besonders reizen. Mit dem letzten Shuttlebus um 19 Uhr ging es zurück zum Ulaz 2 und dort endete unser erster (Anfahrts-)Tag.

Den oberen Seen statteten wir insgesamt 3 Besuche ab. Am darauf folgenden Tag sind wir die restlichen Wege entlang spaziert, die wir am ersten Tag noch nicht gesehen hatten, und am Sonntag in der Früh unternahmen wir abermals - ausgehend von der Station ST3 (Update: ST3 gibt es leider seit 2011 nicht!) - einen kurzen Rundgang um den Gradinsko Jezerce und haben dem besonders fotogenen Mittelabschnitt zwischen dem Gradinsko Jezerce und dem Galovac See einen letzten Besuch abgestattet.
Was mir an den oberen Seen besonders gut gefallen hat, war das üppige Grün, das die Wasserfälle hier umgibt, die vielen Wasserpflanzen, die die einzelnen Becken säumen, sowie die saftigen Moosbärte über die das Wasser langsam in die Tiefe tröpfelt (Foto). Selbst in den Wäldern rund um die Seen fließen kleine Bäche kaskadenartig zwischen den Bäumen und unter den Holzstegen hinweg - Natur in ihrer Höchstform!

Etwas abenteuerlicher scheint der Weg am nördlichen Schluchtrand oberhalb der Gornja Jezera zu sein. Ich habe oben auf der Karte zwar die Aussichtspunkte nachgezeichnet, die auf der offiziellen Karte zu sehen sind, deren Existenz ist jedoch fraglich. Bekannte von mir wollten diesen Weg an dem Wochenende gehen, sind jedoch nicht so recht fündig geworden. Von der Weggabelung im Nordwesten des Okrugljak Sees folgt man einem Holzsteg durch den Wald in Richtung Westen, anschließend dem Ufer des Ciganovac Sees, an dessen Ende sich ein verfallener Wegweiser befindet. Von dort geht es zurück in Richtung Süden durch bewaldetes Gebiet ohne jegliche Aussichtspunkte bis man schließlich eine Wiese erreicht, von der man hinunter auf den See sieht. Nach weiteren 100 m durch den nächsten Wald endete der Weg. Auch von der anderen Seite, vom Ufer des Kozjak Jezero, waren sämtliche Abzweigungen eher fragwürdig. Bei unserem nächsten Aufenthalt möchte ich dann diese Angaben überprüfen... ;-)

 
Kaskaden im Wald von Plitvice
Sehr gut gefallen haben mir auch jene Wasserläufe, die
abseits der großen Kaskaden durch die Wälder fließen.



Beide Seenabschnitte lassen sich nur schwer miteinander vergleichen. Während die Gornja Jezera ihre Entstehung den Travertinbarrieren verdanken (siehe unten), so handelt es sich bei den seichteren, unteren Seen um Einbruchsbecken am Boden einer tiefen, felsigen Schlucht. Hier hat sich das Wasser im Lauf der Jahrtausende so stark durch den porösen Untergrund gegraben, dass sich unterirdische Höhlen ausbildeten, die immer wieder einstürzten und schließlich zur Ausbildung dieses engen, fotogenen Canyons führten.

Für optimale Lichtverhältnisse bei den unteren Seen haben wir ihnen am zweiten Tag den gesamten Vormittag gewidmet. Vom ersten Aussichtspunkt gleich hinter der Kassa am Eingang 1 (Ulaz 1) überblickt man das untere Ende der Seenlandschaft (siehe Bild oben). Der tiefer gelegene Sastavci Fall sowie der höchste aller Plitvicer Wasserfälle, der vom gleichnamigen Fluss gespeistem Slap Plitvice ergießen ihre Fluten in den Fluss Korana, der weiter in Richtung Karlovac fließt. Die Menschenmassen, die an dem Tag am ersten Aussichtspunkt standen, übertrafen jene vom Vortag bei weitem. Um nicht inmitten von einigen Bustouren in die Tiefe wandern zu müssen, sind wir noch kurz am Rand der Schlucht den oberen Weg weiter in Richtung ST1 spaziert. Entlang dieser Strecke hat man einen recht netten Blick auf den Slap Plitvice, der mir persönlich besser gefällt als jener vom ersten Aussichtspunkt, weil man den Wasserfall von hier etwas frontaler sieht und somit das ockerfarbene Gestein hinter dem Wasserschleier besser sichtbar wird (Foto). Besonders schön von hier oben ist der senkrechte Blick hinunter auf die Holzstege (Foto). Leider sind die Lichtverhältnisse vormittags nicht gerade optimal, da die Hälfte der Schlucht noch im Schatten liegt. Eine menschenfreie Aufnahme wäre an diesem Tag ebenfalls nicht möglich gewesen, so dass wir am Sonntag noch ein zweites Mal hier unsere Stative aufstellen mussten.
Folgt man diesem Weg noch ein Stück weiter in Richtung ST1, so gelangt man kurz vor der Abzweigung des Pfades hinunter zu den Grotten, zu meinem absoluten Lieblingsaussichtspunkt. Dieser ist - obwohl er eigentlich sogar auf der Rückseite der Eintrittskarte abgebildet ist - nicht offiziell. Immer wieder zweigen von der Hauptroute kleinere und größere Wege nach vorne zur Abbruchkante ab und einer der ausgetretendsten führt auf einen Felsvorsprung, von dem sich ein ganz besonders schönes Panorama eröffnet (Foto). Auch diesen "inoffiziellen" viewpoint haben wir am Sonntag noch ein zweites Mal aufgesucht am frühen Nachmittag, wenn keine störenden Schatten Teile der Schlucht verdunkeln.

Die Hoffnung den "Busladungen" zu entgehen wurde nicht erfüllt. Als wir wieder zurückkehrten, waren auch schon die nächsten eingetroffen. Im Gänsemarsch ging es zwischen deutschen, französischen und italienischen Touristengruppen den heißen Hang hinunter (es hatte knapp 30°C), so dass nicht einmal die vielen schönen Blüten und guten Düfte entlang des Weges mein Gemüt etwas erheitern konnten. Da wir unbedingt zu dem Aussichtspunkt oberhalb der großen Wasserfälle wollten, blieb uns nicht anderes übrig als weiter im "Stau zu stehen" - im Talkessel am Nordende des Kaludjerovac Jezero und auf der anderen Seite dem Novakovica Brod entlang vorbei an den Sastavci Fällen um die Ecke zu dem imposanten, 78 m hohen Slap Plitvice. Weil sämtliche Besucher zu den großen Wasserfällen drängelten, haben wir für diese kurze Strecke (100-200 m?) über eine Viertel Stunde gebraucht. Immer wieder gab es kein Vorankommen entlang des schmalen Bretterstegs. Man hatte hier genügend Zeit um die Fischschwärme zu beobachten und seltsame Skelette zu fotografieren (leere Hüllen von Insekten?).

 
Schlange bei den Plitwitzer Seen
Auch "Schlangen" soll es bei den Plitwitzer Seen geben... ;-)


In der Seitenschlucht unmittelbar gegenüber des Slap Plitvice führt ein etwas steilerer Wanderweg bergauf, den nur die allerwenigsten eingeschlagen haben. Oben am Schluchtrand angekommen, gabelt sich der Pfad: links geht es durch dichte Wälder direkt weiter zur Anlegestelle P3 (einer der wenigen Wege, die wir ausgelassen haben!) und nach rechts kommt man zu einem grandiosen Ausblick oberhalb der Wasserfälle. Von hier sieht man zwar nicht auf den Slap Plitvice, aber das Panorama nach Süden in die enge Schlucht, aus der die grünblauen Gewässer schimmern, mit dem Sastavci Fall im Vordergrund, gehört sicherlich zu den schönsten im gesamten Nationalpark (Foto). Was wir leider verabsäumt haben, war ein weiterer inoffizieller Aussichtspunkt, der sich knapp unterhalb des offiziellen befinden muss, von dem man noch einen weitaus besseren Blick auf den Sastavci Fall und seine Nachbarkaskaden hat.

Nach diesem Abstecher kehrten wir zu den großen Wasserfällen zurück und sind unten im Tal den einzigen Weg weiter in Richtung Süden gefolgt. Hinter dem Kaluderovac See (Foto) verzweigt sich der Brettersteg wieder. Nach links geht es zunächst vorbei an einer Unterwasserhöhle und folgt man den Treppen ein Stück bergauf, gelangt man zu einer kleinen Grotte, zur Supljara Cave (Foto). Die Plitvicer Seen dienten in den 60er Jahren als Kulisse für Karl May Verfilmungen und es war in dieser Höhle, in der einst der legendäre "Schatz am Silbersee" verborgen lag. Insgesamt gibt es rund um die Seen und den Fluss Korana 14 Kalkstein- und 6 Travertinhöhlen.

Der Weg oberhalb der Höhle führt zu jenem Verbindungsstück zwischen dem Eingang 1 und der Busstation ST1, an dem wir bereits am Vormittag waren. So ging es wieder kurz hinab zu den Seen und weiter in Richtung Süden entlang des östlichen Ufers des Gavanovac sowie Milanovac Sees und dann hinüber zur Anlegestelle P3 am Kozjak Jezero (535 m, 47 m tief). Was uns hier so gegen 13 Uhr erwartete, fällt eher unter die Kategorie "Albtraum". Es gab ein Wiedersehen mit all den Menschenmassen, die sich in der Früh zum Slap Plitvice geschoben hatten. Es waren wohl jenseits der 1000 Personen, die sich auf der Wiese vor der kleinen Imbissstube befanden, wobei sich an die 400 zu den Booten drängten.
Umgeben von einer großen, weltreisenden, amerikanischen Seniorengruppe (und ich hatte mein Zion T-Shirt an... ;-) ...) haben wir zu Überlegen angefangen, ob es denn nicht eventuell doch sinnvoller wäre die paar (4-5?) Kilometer zu Fuß bis zur Anlegestelle P2 zu gehen. Das nächste Boot um 13:30 wollten wir aber noch kurz abwarten, allzu große Hoffnungen machten wir uns aber nicht. Zum allerseitigen Erstaunen kamen gleich 3 Boote und sogar ein viertes dann im Anschluss - jedes mit einer Kapazität von rund 100 Personen. Mit etwas Glück fanden wir am 3. Boot gerade noch Platz, die amerikanische Reisegruppe wurde leider aufgrund der vielen Vordrängler gesplittet und ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie wenigstens am 4. Boot alle einen Platz fanden. Das war wohl einer jener Momente, in denen sich die Amerikaner wohl über die Europäer gedacht haben "wie unzivilisiert sie doch sind". Es war schier unglaublich wie sämtliche Nationalitäten durch den Zaun schlüpften und sich vor sie drängten.
Mit einer nicht gar so geruhsamen, knapp 20-minütigen Bootsfahrt über den großen Kozjak See endete um 2 Uhr unser Aufenthalt bei den unteren Seen und wir gingen ein zweites Mal auf Entdeckungstour in die an diesem Tag auch deutlich besser besuchten Gornja Jezera.

Update 17.11.2005: Ich war heuer noch ein zweites Mal bei den Plitwitzer Seen und habe einen kurzen Bericht über die Plitwitzer Seen im Herbst verfasst.

Update 30.07.2009: Alle guten Dinge sind (mindestens) drei. Inzwischen waren wir noch ein drittes Mal mit Stativ und Fotoapparat in diesem wunderschönen Nationalpark und haben wieder jede Minute genossen. Den Bericht Plitvicer Seen im Sommer gibt es ab sofort in unserem Weblog zu lesen.

Update 28.09.2011: Die Bushaltestelle ST3 gibt es leider seit diesem Sommer nicht mehr! Ich habe entsprechend den Bericht und die Karte aktualisiert. Vielen lieben Dank Richie, für das Update!

 

Im Gänsemarsch
Im Gänsemarsch zur Supljara Cave


Resümee: Im Großen und Ganzen war es trotz "Übervölkerung" ein schöner, abwechslungsreicher Ausflug und wir werden ihn sicher (bald?) wiederholen, zumal die Plitvicer Seen nicht gar so weit weg von Wien liegen. Da der Großteil der Bäume rund um die Seen Buchen sind, zwischen die sich hier und da auch einige Ahornbäume gesellen, möchte ich sogar einen kurzen Aufenthalt im Oktober dieses Jahres nicht ausschließen. Allerdings werden wir zukünftig jegliche Wochenenden oder Feiertage tunlichst vermeiden. Die Plitvicer Seen gehören sicherlich zu jenen Landstrichen, die man erst so richtig genießen kann, wenn an den Ufern der großen Seen das muntere, unaufhaltsame Quaken der Frösche nicht durch das Echo von lärmenden Schulklassen übertönt wird oder man doch das eine oder andere der vielen hier beheimateten Tiere zu Gesicht bekommt. Ein Wiedersehen in ruhigeren Zeiten ist so gut wie sicher! :-)

Pflanzenwelt: Das Gebiet rund um die Plitvicer Seen ist sehr artenreich. Knapp 1150 Pflanzenarten wurden hier bereits registriert, darunter 72 endemische, die unter strengem kroatischem Naturschutz stehen. Über die höheren Lagen des Nationalparks erstrecken sich üppige Mischwälder aus Buchen, Tannen und Fichten. Nur 20% seiner Fläche ist von Wasser, Gräsern oder Gebüsch bedeckt. Schneeheide und bunte Wildblumen überziehen die Hänge der Schlucht im Frühling und im Herbst verleihen neben den Buchen auch vereinzelte Ahornbäume und rote Perückensträucher der Landschaft fröhliche Farbtupfer. Entlang der Seeufer gedeihen allen voran Schilfrohr, Minze, Pestwurzen, Eiben sowie sechs Weidearten. In den Gewässern selbst findet man über 30 unterschiedliche Wasser- und Sumpfpflanzenarten.
In der Nähe des Aussichtpunkts oberhalb des Slap Plitvice haben im Mai Orchideen geblüht (Knabenkraut sowie das Schwertblättrige Waldvögelein) und rund um die Shuttlebusstation ST2 machte sich ein intensiver Knoblauchduft breit - der Bärlauch zeigt hier erst um diese Jahreszeit seine weißen Blüten!

Tierwelt: Tagsüber wird man äußerst selten und nur in Zeiten geringeren Besucherandrangs eines der scheuen großen Säugetiere in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen. Bei Morgengrauen sowie in der Dämmerung streifen Braunbären, Wölfe, Füchse, Rehe, Wildschweine, Luchse, Wildkatzen und Dachse durch die großen Waldgebiete rund um die Seen. Über 50 Säugetierarten sind hier beheimatet, darunter aber auch viele kleinere wie der Siebenschläfer, die Rötel- und Spitzmaus, IgelnWieseln, Stinktiere oder der Baum- und Steinmarder. Der bis zu 5 kg schwere Feldhase versteckt sich in den umliegenden Grasländern.
Nicht umsonst hat der Nationalpark den Braunbären in seinem Emblem: Hier lebt die zweitgrößte Braunbärenpopulation Europas. Die bis zu 300 kg schweren Tiere sind aus Westeuropa leider schon fast so gut wie verschwunden aufgrund der immer enger werdenden Lebensräume und der genetischen Isolation ihrer Restbestände. Kroatien sowie das angrenzende Slowenien ist eines der letzten Rückzugsgebiete, in dem die Bären noch die nötige Ruhe und ausreichend Raum zum Leben vorfinden, dass man hoffen kann, dass diese Tierart nicht völlig aus unseren Breiten verschwindet. Ein männlicher Bär beansprucht mehr als 200 km² für sich und weibliche durchwandern ein Gebiet von rund 100 km². 12 kg Futter braucht ein Braunbär tagtäglich, 95% davon ist pflanzlichen Ursprungs (Blätter, Gräser und Beeren). Man schätzt, dass ca. 400 Braunbären in den 10.000 km² rund um den Gebirgszug Mala Kapela leben.
Gleichermaßen erfolgversprechend ist die Wiederansiedlung der Luchse. Nachdem 1973 drei Luchspaare in Slowenien ausgewildert wurde, siedelten sich einige ihrer Nachkommen auch in Kroatien an und fanden in den 80er Jahren ihren Weg zurück zu den Plitvicer Seen. Heute leben immerhin wieder an die 60 Paare in Kroatien. Auch das ausgedehnte Jagdgebiet der rund 50 Wölfe erstreckt sich weit über die Nationalparkgrenzen hinaus und da Rotwild seit den Balkankriegen eher selten ist, ernähren sich diese Räuber hier hauptsächlich von kleineren Tieren bzw. Mäusen, was eher untypisch für Wölfe ist.
In den Gewässern von Plitvice leben neben Krebsen und Sumpfschildkröten riesige Schwärme von Weißfischen, Bach- und Seeforellen, so dass sich bis vor wenigen Jahren eine stattliche Zahl an Fischottern in den Seen und Teichen wohl gefühlt hat, heute ist man sich nicht sicher, ob es diese Tiere hier überhaupt noch gibt.
Gesichert sind die Brutstätten und Nistplätze von rund 140 Vogelarten, darunter Waldhühner, Waldohreulen, Habichtskauze, Weißrückenspechte, Wasseramseln, Schwarzstörche oder Graureiher. 15 Arten von Fledermäusen bevölkern und überwintern in den großen entlegeneren Karsthöhlen.
Auch giftige Reptilien trifft man in Plitvice an. An warmen Frühlingstagen sonnen sich gerne Hornvipern an exponierten sonnigen Plätzen in Ufernähe.

-> Wir haben während unseres 3-tägigen Aufenthalts lediglich 5-6 Stockenten, zahlreiche Singvögel, eine Wasseramsel, eine Ringelnatter sowie unzählige Frösche gesehen. Die Bekannten, die am selben Wochenende dort unterwegs waren, hatten etwas mehr Glück: Sie durften eine Smaragdeidechse beobachten und wie eine Schlange einen großen Fisch in der Nähe der "Silberschatz"-Höhle erbeutet hat. Ich bin schon gespannt, was uns im Herbst, wenn es um die Seen herum etwas ruhiger geworden ist, dort erwarten wird...

 

Idylle bei den Plitwitzer Seen
Durch die Wälder der Plitvicer Seen fließen rauschende Bäche.


Fototipp: Im optimalen Licht befinden sich die oberen sowie die unteren Wasserfälle und Kaskaden vormittags. Am Nachmittag sind die allermeisten von ihnen im starken Gegenlicht. Für die Aussichtspunkte an den unteren Seen oberhalb der Schlucht empfiehlt sich die Mittagszeit, wenn die Sonne hoch steht und sich keine störenden Schatten über Teile der Schlucht legen.
Bei den Gornja Jezera kann auch der spätere Nachmittag durchaus stimmungsvoll sein, wenn die meisten Besucher bereits ein Restaurant aufgesucht haben oder zu ihren Quartieren zurückgekehrt sind. Dann wackeln die Stative auf den Holzplanken weniger und man kann sich endlich in aller Ruhe den sanften Wasserfallaufnahmen mit längeren Belichtungszeiten widmen.

Klima/Reisezeit: Das Klima ist alpin mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 8-10°C und einer jährlichen Niederschlagsmenge von bis zu 1400 mm. Den Sommer über sind Temperaturen jenseits der 30°C keine Seltenheit und die Wassertemperatur des Prošcansko und Kozjak Jezero kann 24°C erreichen. Das Baden oder Wassersportarten sind jedoch aus Naturschutzgründen untersagt. Eine Zauberwelt aus Eiszapfen und Kristallen lässt im Dezember und Januar die Plitwitzer Seen erstarren und einige Bereiche der Wasserfälle zufrieren. Schnee bedeckt das Gebiet von November bis Ende März, die Bäume fangen i.d.R. erst Anfang Mai an grün auszutreiben.

Unterkunft: Rund um die Plitvicer Seen gibt es eine große Auswahl an Quartieren, allen voran private Unterkünfte, die den gesamten Straßenabschnitt zwischen Plitvice und Karlovac im Norden säumen. Viele davon sehen leider noch sehr mitgenommen aus, es werden aber vom kroatischen Touristikbüro Sterne verteilt, die man als Anhaltspunkt nehmen kann. Wir sind rund ca. 8 km vor den Seen bei einem niegelnagelneuen Haus auf der rechten Straßenseite mit 3 Sternen stehen geblieben, das im Gegensatz zu den anderen Privathäusern nicht vom Besitzer bewohnt ist, sondern nur 4 Gästezimmer hat und ein Restaurant, was sich allerdings erst im Bau befand. Nach einem kurzen Verhandeln mit dem Eigentümer, der dort am Straßenrand eine "Touristeninfostelle" betreut, und einem "Angucken" des Zimmers (seine Worte!) sind wir gleich dort geblieben. So herrlich sauber und schön konnte keine andere Privatunterkunft um 15 Euro pro Person sein! Ich dachte zuerst überhaupt, dass wir die ersten Gäste sind... ;-)
Unmittelbar in Parknähe gibt es auch drei Hotels. Das Bellevue Hotel direkt beim Eingang 2 soll nach der Beschreibung eines Bekannten eine "bessere Besenkammer" sein und ein soba (Zimmer) im Keller kostet dort 57 Euro (Stand: Mai 2005).
Wegen der Sprache braucht man sich generell keine Sorgen zu machen, man kommt mit Deutsch, Englisch und/oder Italienisch hier perfekt zurecht.

Essen: Ausprobiert haben wir die zwei Restaurants an der Hauptstraße in unmittelbarer Nähe unseres Quartiers. Am ersten Abend haben wir das Restoran Degenija aufgesucht, das uns sowohl von einer Freundin als auch von unserem Quartiergeber empfohlen wurde, und die beiden Tage danach waren wir im Bistro Plitvicka Kraljica in Grabovac. Es sind beide ganz ok, solange man kein Vegetarier ist bzw. bei dem ersten keine Forelle probiert oder beim zweiten keine "Lasagne quattro formaggi" (3. + 4. Käsesorte war Milch...) und auch keine "Pizza Vegetariana" belegt mit Gemüse der Saison (bei uns waren das Gurken und Sauerkraut - gewöhnungsbedürftig!). Die Fleischgerichte und die übrigen Pizzas im Bistro Plitvicka Kraljica sind jedoch schwer in Ordnung.
Kleinere Imbissstuben findet man auch im Nationalpark selbst bei den zwei Eingängen sowie an der Bootsanlegestelle P3 und der Busstation ST4.

Information: Nacionalni Park Plitvicka Jezera, Tel: 00385-53-751132, Web: http://www.np-plitvicka-jezera.hr
Die restlichen Informationen zu den Wanderwegen und den Seen habe ich diversesten Reiseführern aus der Bücherei entnommen. Vielen erwähnen die Seen gerade mal in einem einzigen Absatz und selten sind eine oder zwei ganze Seiten zu diesem Thema zu finden. Die ausführlichste Information (mit zwei brauchbaren Routenvorschlägen) enthielt das Buch "Kroatien - Strände, Wasserfälle, Kletterfelsen" aus dem Jahr 2004 von Michael Pröttel.



Die Entstehung der Seen

Das "Land der fallenden Seen" verdankt sein Aussehen der Ablagerung von Kalksinter bzw. Travertin und den dabei eine große Rolle spielenden Moosen, Algen und Wasserpflanzen. Das Regenwasser, das durch die Erdoberfläche sickert, absorbiert Kohlendioxid und führt zur Bildung von Kohlensäure, die den Dolomit sowie das Kalkgestein angreift und in der Folge die Karstgewässer mit Kalzium- und Magnesiumbicarbonat übersättigt. Sobald dieses Wasser wieder an die Oberfläche tritt und an Hindernissen zu sprudeln beginnt, kommt es zu einem chemischen Ungleichgewicht, bei dem Kohlendioxid frei gesetzt wird und kleine Kalziumkarbonatkristalle abgelagert werden.

Ca(HCO3)2 sprudelnd -> CO2 (Kohlendioxid) + H2O (Wasser) + CaCO3 (Travertin)

Es sind die Abermillionen von Bakterien und Algen, die an Moosen und Wasserpflanzen ihre Sekrete absondern und somit die Ablagerung von Kalksinter begünstigen. Schön zu sehen ist dieser harte, graugelbliche Überzug auf den umgefallenen Bäumen, die im Wasser liegen, sowie auf sämtlichen untergetauchten Pflanzenstängeln und -blättern.
Jene in diesem Jahr noch saftig grünen Moosbärte werden sich in naher Zukunft gelblich verfärben und allmählich zu Travertin versteinern. Da die Dämme im Schnitt 1-3 cm im Jahr wachsen, ist die Seenlandschaft kontinuierlichen Veränderungen unterworfen. Immer wieder entstehen neue Barrieren, das Wasser wird in neue Bahnen gelenkt und nach starken Regengüssen stürzen alte Dämme ein und werden fortgeschwemmt. Jedes Jahr bilden sich hier neue Wasserfälle während andere langsam oder plötzlich versiegen.
Auch auf den Boden der Seen lagert sich weißes Kalzium ab und lässt die sogenannte Seekreide entstehen, deren Kristalle die Sonnenstrahlen brechen und den Plitvicer Seen diesen herrlich klaren blaugrünen Farbton verleihen.

Essentiell für die Bildung von Travertin ist ein warmes, feuchtes Klima sowie saubere Gewässer, frei von organischen Verunreinigungen. Nur ein Stück weiter in Richtung Karlovac gibt es entlang des Korana Flusses trotz des nach wie vor übersättigten Wassers keine Travertinbildung mehr, aufgrund der abnehmenden Wasserqualität und dem Beimengen von organischen Substanzen. Zum Schutz des Nationalparks ist heute das Baden in den Seen untersagt sowie die Errichtung von neuen Siedlungen entlang des weißen Flusses, einer der Hauptadern der Seen. Auch für eine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung der Siedlung Mukinje und der drei Hotels im Park musste gesorgt werden. Nur so kann garantiert werden, dass die Plitwitzer Seen auch zukünftig in ihrer heutigen Form weiter existieren können.

Plitwitzer Seen Wasserfall
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© 12.06.2005 Isabel Synnatschke      Last update 30.07.2009

 

Plitwitzer Seen
Plitvice Lakes

 

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