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Unterwegs im Land der fallenden Blätter
Wie bereits im ausführlichen
Frühlingsbericht aus dem "Land der fallenden
Seen" angekündigt, haben wir heuer im Oktober
dem Plitwitzer Seen Nationalpark einen zweiten Besuch abgestattet
und waren überrascht wie stark sich ein Landschaftsbild
mit den Jahreszeiten verändern kann. Dass das üppige,
saftige Grün der Moose und der frisch ausgetriebenen
Blätter den herbstlichen Gelb- und Brauntönen weichen
würde, das war zu erwarten. Dass wir jedoch ein Wiedersehen
mit dem vielen Grün in den Gewässern des Parks haben
würden, war allerdings umso erstaunlicher. Die Seen,
die im Frühling allesamt hellblau
und türkis schimmerten, hatten sich verfärbt und
lagen jetzt dunkelgrün
- teils smaragd, teils petrol - am Grunde der tiefen Schlucht.
Eine konkrete bzw. vernünftige Erklärung dafür
habe ich bislang nirgends gefunden, ganz im Gegenteil es wird
nie erwähnt, dass die Seen im Frühjahr und Herbst
völlig verschiedene Färbungen aufweisen. Laut Auskunft,
die ich per Mail von Seiten der Nationalparkverwaltung erhalten
habe, liegt das an einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren,
darunter der veränderte Sonneneinfallswinkel sowie ein
vermehrter Algenbewuchs.
Zum Höhepunkt der
Herbstlaubverfärbung, wenn die dunkelgrünen Plitwitzer
Seen von einem gelbroten Laubwald umgeben sind, muss der Farbenrausch
absolut überwältigend sein. Wir hatten ihn leider
bei unserem Besuch vom 27.-29. Oktober schon verpasst und
die allermeisten Bäume zeigten sich bereits von ihrer
kahlsten Seite, so dass vermutlich heuer die schönste
Zeit bereits in die erste Oktoberhälfte
fiel!
Aber auch wenn wir den Höhepunkt des Herbstlaubes verpasst
hatten, so war der Besuch in vielerlei Hinsicht ein schönes
Erlebnis. Für Erstbesucher würde ich auf jeden Fall
nach wie vor den Mai oder Juni empfehlen. Allen voran jenen
Leuten, die gerne fotografieren, seien die Frühlingsmonate
ans Herz gelegt, wobei es nicht nur um den üppigeren
Pflanzenbewuchs geht, sondern vielmehr um die Tatsache, dass
im Frühjahr fast überall bessere Lichtverhältnisse
herrschen (siehe weiter unten). Für
einen Zweitbesuch hingegen bietet sich der Monat Oktober an.
Besucher gibt es zwar noch immer nicht gerade wenige, dennoch
ist die Anzahl der großen Reisebusse deutlich zurückgegangen.
Aufgrund des Nationalfeiertages in Österreich, hatte
ich einen größeren Ansturm aus meinem Heimatland
befürchtet, der jedoch glücklicherweise ausgeblieben
ist. Die Mehrzahl der Leute, die mit uns den Nationalpark
erkundeten, waren Einheimische oder kamen aus Deutschland.
Auch erstaunlich viele Amerikaner, Franzosen und Spanier waren
hier wieder unterwegs. Im Großen und Ganzen haben sich
die Massen jedoch sehr gut auf den zahlreichen Wegen und Pfaden
verteilt, so dass wir - im Gegensatz zu unserem ersten Besuch
- auch ein wenig die Ruhe und Stille der Natur genießen
konnten. Unser Spaziergang entlang des Kozjak Jezero
inspirierte mich schließlich zum Herbstuntertitel: "Unterwegs
im Land der fallenden Blätter". Wir stapften
durch das viele bereits am Boden liegende Laub, das den Weg
bedeckte, und mussten immer wieder inne halten. Der smaragdfarbene
See glitzerte im Licht der tiefstehenden Sonne, die herbstlichen
Bäume am anderen Ufer spiegelten sich im klaren Wasser
und es war so herrlich still, dass man fast den letzten zu
Boden fallenden Blättern lauschen konnte.
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Abendstimmung an den Plitwitzer
Seen |
Unser zweiter Besuch: Dieses Mal sind wir
erst recht spät von Wien aufgebrochen, so dass sich aufgrund
der bereits sehr kurzen Tage keine Stippvisite am Abend mehr
ausgegangen ist. Im Wiener Becken und entlang der Weiterfahrt
begleiteten uns herrlichste Herbstlandschaften - Laubbäume
am Höhepunkt ihrer Farbenpracht. Desto näher wir
unserem Ausflugsziel kamen, desto kahler wurden leider die
Pflanzen. Der Blick am ersten Morgen vom Eingang 1 hinunter
in die Schlucht bestätigte unsere Befürchtungen.
Die Mehrzahl der Bäume hatte bereits ihr Laub verloren,
an den Hängen und den Plateaus war kaum ein Grün-
oder Gelbton mehr auszumachen. Hier ist uns auch erstmals
aufgefallen, dass der Mischwald dort hauptsächlich aus
Buchen, Ahorn und Eichen bestand und im Gebiet unmittelbar
rund um die Seen kaum Nadelbäume vorkommen.
Wie bei unserem ersten Besuch haben wir beim Eingang 1 (siehe
Übersichtsplan)
unsere Eintrittskarte gekauft und sind dann weiter zum Ulaz
2 gefahren. Die Kassa dort hatte am späteren Vormittag
allerdings ebenfalls geöffnet. Über die Stufen ging
es hinunter zum Bootssteg und dann setzten wir über zu
den Oberen Seen, an denen wir 5 Stunden bis knapp vor Sonnenuntergang
verweilten und uns das Elektroboot wieder abholen kam (Bild
20).
Am zweiten Tag haben wir abermals unser Auto beim Eingang
2 geparkt, sind von dort allerdings nicht in eines der Boote
gestiegen sondern entlang des Seeufers des Kozjak Jezero
zu den Unteren Seen spaziert. Eine gute 3/4 Stunde ist man
am Ostufer unterwegs. Der Weg entlang des Westufers ist noch
um einiges länger und war leider jetzt im Oktober stellenweise
überschwemmt. Im Anschluss folgten wir dem Ostufer des
Milanovac Jezero bis zur Supljara Höhle
(Bild
04). Durch diese ging es dann hinauf zum Canyonrand und
dort weiter in Richtung ST1 vorbei an den während des
letzten Besuchs liebgewonnenen Aussichtspunkten. Waren die
Bedingungen im Mai mittags dort ideal gewesen, so hatten wir
jetzt durch die tiefstehende Sonne sehr starkes Gegenlicht
und selbst die Seen glitzerten dermaßen intensiv, dass
sie sehr blendeten. Auch am zweiten schönen Aussichtspunkt
entlang des Weges hinunter in die Schlucht (Bild
03) waren die Kontraste für meine EOS 10D fast schon
zu groß, da der untere Teil des großen Wasserfalls
im Dauerschatten lag. Dieser Bereich wird Sastavci
genannt, was im Volksmund soviel wie "die Zusammengefügten"
bedeutet, weil sich hier das Wasser der Seen mit dem Bächlein
Plitvice zum Fluss Korana vereinigt.
Wir folgten vom Eingang 1 dem Pfad hinunter in die Schlucht
und statteten dem großen Wasserfall einen Besuch ab,
wo mir dieses Mal ein weiterer kleiner Wasserfall in der linken
Ecke besonders ins Auge gestochen ist. Außerdem waren
wir erstaunt, dass man sich dem Veliki Slap nicht
mehr über einen zusätzlichen Holzplankenrundweg
wie im Frühjahr nähern konnte. Vielleicht wird dieses
Wegstück wegen der starken Gischt während der kälteren
Jahreszeit immer(?) abgebaut. Es ist zu hoffen, dass es nicht
für immer entfernt wurde!
Über die Treppen ging es dann aus der Schlucht hinaus,
zuerst zum Aussichtspunkt unmittelbar gegenüber des großen
Wasserfalls, von wo ich im Frühjahr dieses Foto (Bild
12) aufgenommen hatte. Über ein kurzes Straßen-
und Waldstück weiter in Richtung Norden erreicht man
denn klassischen Blick auf die Unteren Seen (Bild
02), wo man jedoch wegen des starken Gegenlichts an wolkenlosen
Herbsttagen den Fotoapparat eher vergessen kann.
Von hier ging es nun parallel zur Straße
durch einen entlaubten Buchenwald dem Schluchtrand entlang.
Immer wieder geben Aussichtspunkte den Blick hinunter auf
die Seen frei. Dieser Weg ist unabhängig von der Jahreszeit
vom Sonneneinfall ideal für die Nachmittagsstunden. Gegen
15:45 Uhr erreichten wir die Bootsanlegenstelle P3, von der
wir eine Viertel Stunde später zu P1 und P2 übersetzten.
Knapp ein Dutzend Leute waren mit uns an Bord - welch Unterschied
zum Frühjahr als es über 400 waren!
Die Abendstunden bis zum letzten Boot zwischen den Oberen
Seen und dem Eingang 2 widmeten wir wieder den zahlreichen
Kaskaden, die sich ihren Weg durch die Wälder bahnen.
Im Oktober verkehren die Boote zwischen den beiden Anlegepunkten
je nach Bedarf, meist im 10-Minuten-Takt. Um 18 Uhr hat der
Kapitän Feierabend, dann ist die Dämmerung allerdings
ohnehin schon recht fortgeschritten. Über den großen
See fuhr das letzte Elektroboot zu dieser Jahreszeit um 17
Uhr.
Braunbären sowie einem der hier beheimateten
Luchse oder Wölfe sind wir leider keinen begegnet, dafür
konnten wir die Liste der in Plitvice gesichteten Tiere ein
wenig erweitern. Hinzu kommen ein Graureiher sowie zwei relativ
dunkle Äskulapnattern am Ufer des Kozjak Sees.
Auch Wasseramseln, Rotkelchen, Kleiber und Stieglitze waren
wieder zugegen.
CLICK PHOTO FOR ENLARGEMENT
"Fototechnische Nachteile" der Herbstmonate
Auch wenn sich die "golden hour" im Oktober
durch die tiefstehende Sonne entlang der Seenufer fast über
den gesamten Tag erstreckt, so bringt diese Jahreszeit auch
einen gewaltigen Nachteil mit sich: Von so manchem schönen
Aussichtspunkt lässt sich an sonnigen Herbsttagen kaum
ein vernünftiges Foto machen - und zwar zu keiner Tageszeit,
wegen dem starken Gegenlicht und der in einem äußerst
ungünstigen Winkel in den Canyon einfallenden Sonne.
Den Aussichtspunkt oberhalb des großen Wasserfalls,
von wo man so herrlich in die erste Schlucht hineinblicken
kann (Bild
02), haben wir extra am dritten Tag noch einmal aufgesucht.
Der morgendliche Nebel erschient uns noch die vernünftigste
Variante zu dieser Jahreszeit zu sein. Um die Mittagszeit,
wenn die Sonne die Schlucht einigermaßen gut ausleuchtet,
steht diese dermaßen tief, dass sie beinahe frontal
in die Linse hinein scheint. Der veränderte Winkel macht
sich auch beim großen Wasserfall bemerkbar. Er wird
Ende Oktober den ganzen Tag über nur an seiner obersten
Kante vom Sonnenlicht angestrahlt.
Einen weiteren großen Nachteil, über den ich bereits
im Vorfeld gelesen hatte, können wir glücklicherweise
nicht bestätigen. Die mitgeführte Wassermenge der
einzelnen Kaskaden und Wasserfälle war bei unserem Herbstbesuch
mindestens so groß wie 5 Monate zuvor. Ich habe mir
vor Ort so manches Mal gedacht, dass an dieser oder jener
Stelle nun sogar um ein Hauch mehr Wasser floss und der Vergleich
der Fotos zu Hause gab mir dann auch recht. Das wird wohl
auch stets im unmittelbaren Zusammenhang mit den Niederschlagsmengen
der vorangegangenen Wochen stehen und kann somit nicht pauschal
verallgemeinert werden auf einen bestimmten Monat. Oder wir
hatten einfach Glück...! ;-)
In einem Bilderband habe ich allerdings auch schon einmal
ein herbstliches Foto des großen Wasserfalls abgebildet
gesehen, auf dem er eher einem fadenförmigen, winzigen
Rinnsal glich.
Fazit nach zwei Besuchen:
Jede der beide Jahreszeiten, sowohl das Frühjahr wie
auch der Herbst, haben ihren ganz besonderen Reiz. Für
einen Erstbesuch empfiehlt sich der grünere, wasserreichere
und lichttechnisch günstigere Monat Mai oder Juni. All
jene, die - so wie ich - einem herbstlichen Landschaftsbild
sehr viel abgewinnen können, die werden zu dieser Jahreszeit
die Ruhe und Einsamkeit rund um die Seen, Kaskaden und Laubwälder
in vollen Zügen genießen können. Auch bei
einem Zweitbesuch entdeckt man noch so die eine oder andere
Ecke, die dem Auge beim ersten Mal verborgen geblieben ist
und auch jetzt sind wir noch nicht alle Wege abgegangen, es
fehlt uns z.B. die Umrundung des Prošcansko Jezero
sowie jener ominöse Pfad oberhalb der Gornja Jezera,
den unsere Bekannten im Frühling nicht ausfindig machen
konnten. Letzterer war dermaßen mit Laub bedeckt und
unbegangen, dass man dessen Verlauf bereits gleich zu Beginn
nicht sehr eindeutig verfolgen konnte und so haben wir dieses
Abenteuer auf einen dritten Besuch verschoben. Von diesem
Weg dürfte man allerdings einen herrlichen Blick hinunter
auf den Veliki Prstavci haben, wie ich leider später
feststellen musste in dem von uns anschließend im Krka
Nationalpark erstandenen "Plitvicer Seen"
Buch.

Abschließend noch ein paar ergänzende
Tipps:
- Für Leute, die sich ev. etwas schwerer
mit den Höhenmetern tun oder auch für solche die
etwas gehfauler sind: Da dieses Mal oberhalb des Veliki
Slap einige Autos gestanden sind, haben wir uns am dritten
Tag unseres Besuchs auf die Suche nach der Zufahrt gemacht.
Man kann diesen wohl zu den schönsten des Nationalparks
zählenden Aussichtspunkt (Bild
02) sehr leicht mit dem eigenen Auto
erreichen. Hierzu folgt man von der Ortschaft Dreznicko
Seliste (wo sich auch unser Quartier und das Restoran
Degenija befindet) der Abzweigung in Richtung Poljanac
und biegt bei dieser Ortschaft dann an der allerersten Kreuzung
(wo sich auch die Übersichtstafel des Ortes befindet)
links ab. Die Straße nach rechts führt durch die
Wälder des Nationalparks weiter nach Norden, wie wir
(kartenlose) Besucher bald feststellen mussten... ;-)
Am besten parkt man dann sein Auto unmittelbar vor der sich
in einem desaströsen Zustand befindlichen Brücke
über das Bächlein Plitvica und folgt dem
Pfad, der von hier durch den aufgelockerten Wald kurz in Richtung
Osten führt. Keine 200 m (geschätzt) und man steht
bereits am Schluchtrand linkerhand des Veliki Slap.
Von hier hat man auch einen guten Blick auf den Aussichtspunkt
auf der südlichen Seite des Wasserfalls, den man ebenso
leicht über einen kurzen Weg von dieser Straße
erreicht.
- Wer eine der vom Nationalpark vorgeschlagenen
Routen auswählt, der sollte sich wenn möglich beim
Eingang 1 eine Karte des Plitwitzer Nationalparks zulegen
(dort ist auch die oben erwähnte Zufahrt zu den Aussichtspunkten
eingezeichnet). An so mancher Wegkreuzung ist die Ausschilderung
nicht eindeutig und es kann einem dann leicht so ergehen wie
einem netten deutschen Ehepaar, das mit ihren zwei kleinen
Kindern ausgehend vom Hotel Jezero nordwestlich vom Eingang
2 eigentlich hinunter zu den Booten wollte und schließlich
fast beim Eingang 1 gelandet ist, wo die kleinere der beiden
schon sehr zum Quengeln angefangen hat.
- Dieses Mal haben wir immer im Restaurant
Degenija in der Ortschaft Dreznicko Seliste
zu Abend gegessen. Es handelt sich zwar nicht um haute
cuisine, aber die Spezialität des Hauses, das "Schnitzel
Degenija" bzw. "Odrezak Degenija",
ist durchaus empfehlenswert. Um 65 Kuna (ca. 9 Euro) bekommt
man zwei mit Tomaten und Käse überbackene Kalbsschnitzel
mit Gemüse, Erdäpfel und einer relativ großen
Salatschüssel als Beilage. So wie angesichts von saftigen
Steaks in Nordamerika habe ich auch hier meine sonst eher
vegetarischen Anwandlungen kurzzeitig vergessen. ;-)
-
Unser Unterkunftsgeber vom Mai war dieses Mal leider nicht
auffindbar. Man hat mir aber berichtet, dass im September
2005 das Quartier (siehe Foto nebenan) noch so schön
gewesen ist, wie ich es in meinem Bericht beschrieben hatte.
Dieses Mal haben wir wieder in Dreznicko Seliste
gewohnt und zwar im Haus genau gegenüber. Das Zimmer
mit Doppelbett und Bad kostete 28 Euro und verfügte sogar
über Satellitenfernsehen, etwas das sich angesichts der
langen Herbstnächte doch als recht angenehm erwies. Ansonsten
war das Zimmer "auf der gegenüberliegenden Straßenseite"
wesentlich schöner, leiser und sauberer.
© 17.11.2005 Isabel Synnatschke Last
update 17.11.2005

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