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The Magic Golden Slot


Allgemeines:
Der Round Valley Draw ist ein kaum besuchter, goldener Slot Canyon unweit der Cottonwood Canyon Road an der nordwestlichen Grenze des Grand Staircase Escalante N.M. (Übersichtskarte). Ebenso wie die Bull Valley Gorge oder der Lick Wash zählt er zum weitläufigen Drainagesystem des Paria River. Die Wassermassen, die sich nach heftigeren Regengüssen durch den Canyon wälzen, fließen über den Hackberry Canyon in den Cottonwood Creek, der dann auf der Höhe des vor kurzem niedergebrannten Old Paria Movie Set in den Hauptfluss mündet.
Aufgrund des spärlichen Bildmaterials, das im Web zu finden ist und auf dem der Round Valley Draw meist beige bzw. gräulich erscheint, bin ich mit nicht allzu großen Erwartungen in diesen Canyon gestiegen. Umso größer und überwältigender war die Überraschung. Grau war der Sandstein lediglich dort, wo die Sonne direkt in den Canyon hinein schien. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, Weißabgleich "Schatten" oder "bewölkt", kleine Blende und lange Belichtungszeiten sind hier das Um und Auf. Es ist immer wieder faszinierend, was indirektes Licht für traumhafte Farben auf die Canyonwände zaubern kann. Im Falle des Round Valley Draws sind es überwiegend Gold-, Braun- und Ockertöne. Ein richtig kräftiges Rot - ähnlich dem Antelope Canyon - wird man hier ohne Bildbearbeitung/-verfärbung wohl kaum aufnehmen können. Der Grund dafür liegt im eher niedrigen Eisenoxidgehalt des Round Valley Draw Sandsteins.

 
Round Valley Draw Slot Canyon
Auffällige Strukturen und Lichtspiele machen den Round Valley
Draw zu einer der schönsten Schluchten im Gebiet des GSENM.


Wichtiger Hinweis:
Auch wenn diese Schlucht unter die Kategorie non-technical fällt, so ist sie - zumindest streckenweise - ein wenig anspruchvoller. Ein erfahrener Canyonwanderer oder Kletterer in der Gruppe ist durchaus von Vorteil. All jenen, die sich vor kleineren Klettereinlagen scheuen oder davor im Schlamm zu versinken, sei von dieser Tour abgeraten.
Bei drohendem Schlechtwetter oder regnerischen Prognosen sollte man sich auf keinen Fall in diese Schlucht wagen! Es führen nur zwei Wege aus dem Canyon heraus, der eine befindet sich gleich zu Beginn und der zweite am Ende der Wanderung. Und diese beiden Stellen liegen im Notfall relativ weit auseinander! Ist beim doch eher niedrigen und kurzen Abschnitt des Lower Antelope Canyon schon ein schlimmes Unglück passiert, so sind die Auswirkungen einer flash flood zwischen den hohen Wänden des Round Valley Draw sicher noch fataler!

Anfahrt: Man erreicht den Round Valley Draw über eine schmale Allrad-Piste (Rush Bed Road, BLM Road #422) ausgehend von der Cottonwood Canyon Road. Der Abzweig befindet sich in der Nähe des bekannten Grosvenor Arch, rund 14 mi südlich des Hwy 12 bzw. 6,5 mi hinter der Kodachrome Basin S.P. Stichstraße (37°28'37"N, 111°53'15"W). Von hier geht es in der von Buschwerk bestandenen Ebene weiter in Richtung Westen und anschließend nach Süden. Unweit der Cottonwood Canyon Road kommt man zu einer wahrlich haarsträubenden Stelle. Diese sah 2005 schon so aus und im April 2006 hatte sich ihr Zustand in keinster Weise gebessert. Hier hat der Bachlauf den größten Teil der Piste bereits weggespült und unterhöhlt. Angesichts der "Löcher", die sich unmittelbar unter einer relativ dünnen, langsam wegbrechenden Erdbrücke befinden, erscheint das Gewicht des Autos sehr bedenklich! Fotos können es leider nicht wiedergeben, wie haarig diese Stelle ist! Die Piste ist teilweise schmäler als der Reifenabstand und zu beiden Seiten geht es "schön" bergab. Wirklich empfehlen kann man die Weiterfahrt erst ab dem Moment wieder, wenn die zuständige Behörde diese Erdbrücke ausweitet und deren Unterhöhlungen auffüllen lässt. Wir haben es dennoch versucht. Durch Einweiseln sowie ständiges Hin- und Hermanövrieren sollten die Erdhöhlen möglichst gemieden werden, was jedoch so gut wie ein Ding der Unmöglichkeit war!
Hinter dieser Schlüsselstelle ging es wieder einigermaßen gut voran. 1,7 mi von der Cottonwood Canyon Road entfernt erreicht man den Round Valley Draw (37°27'24"N, 111°54'03"W). Hier stellt man das Auto ab und geht die verbleibenden 1,2 km bis zum Canyoneingang zu Fuß (37°27'14"N, 111°54'35"W). GPS-Koordinaten in WGS84/NAD83

 
Inside Round Valley Draw
Round Valley Draw Passage
Immer wieder verengen sich die Canyonwände und weiten sich dann wieder aus.


Unser Besuch: Am 14. April 2006 sind wir gegen Mittag von Page, AZ aufgebrochen und erreichten den Round Valley Draw erst kurz vor 14 Uhr. Der Einstieg durch den "crack" am Boden erinnert stark an den Lower Antelope Canyon, wobei der Sandstein hier beigegrau gefärbt ist und keinerlei Kletterhilfen vorhanden sind. Das erste Hindernis gibt einen Vorgeschmack auf das, was einen später noch in der Schlucht erwartet. Für mich war dieses jedoch das mit Abstand schwerste und es war das einzige, bei dem ich Steffens Hilfe benötigte. Was einem hier erwartet ist ein etwa 3 m dropoff (Steilstufe) mit recht eng beinander liegenden Wänden, so dass man zunächst einmal schauen sollte sämtlichen Ballast (Rücksack, Stativ usw.) loszuwerden. Ein mittelgroßer Baumstrunk war hier schon einigen eine große Hilfe, bei unserem Besuch befand er sich nicht mehr dort. Es empfiehlt sich, dass sich der erfahrenere Kletterer zuerst hinunter begibt und dafür sorgt, dass Gepäck und die weiteren Tourmitglieder ebenso sicher in den Canyon gelangen. Ein kurzes Seil kann von Vorteil sein, aber es ist kein Muss, wenn man mindestens zu zweit unterwegs ist. Allerdings gibt es im weiteren Verlauf des Canyons den einen oder anderen dropoff, der sich in verkehrter Richtung, d.h. wenn man seinen Rückweg ebenfalls über den Schluchtboden plant, nur äußerst schwer oder gar nicht ohne Seil bewältigen lässt. Dasselbe gilt für die meisten Leute wohl auch für diesen Ein-/Ausstieg. Da sich mit jeder flash flood die Begebenheiten im Canyon ändern, sollte man immer gut vorbereitet und auf alles gefasst sein. Nur allzu leicht werden die heute noch leicht passierbaren Felsbarrieren durch größere Wassermassen und chokestones (Klemmsteine) zu praktisch unpassierbaren Hindernissen!

 
Round Valley Draw Walls
Round Valley Draw Canyon
Dunkle Passagen wechseln sich mit helleren ab.


Sicher unten angelangt, befindet man sich bereits mitten in einem der fotogensten Teile der Schlucht. Ihre Anfangshöhe von etwa 10 bis 15 Metern reicht aus, dass das Sonnenlicht am Nachmittag nicht mehr den Boden erreicht. Man wird hier ziemlich schnell sein Stativ aufbauen, um das herrliche goldene Glühen der indirekt ausgeleuchteten Canyonwände einzufangen. Gleich zu Beginn verbirgt sich u.a. jene Stelle, die Steffen recht treffend "Heavens Gate" benannt hat. In der Folge verengt sich der Round Valley Draw immer und immer wieder. Die Wände erreichen bald eine Höhe von über 30 m und sorgen für dunkle, stimmungsvolle Passagen. Michael R. Kelsey beschreibt in seinen Büchern, dass der North Fork nach rund 500 m auf der rechten Seite in den Canyon einmündet. Wir haben ihn allerdings nicht bemerkt (vermutlich aufgrund großer Felsbrocken, die den Weg blockierten?).

Die Zeit verging schnell, und wir kamen nur äußerst langsam voran. Nicht weil der Wegverlauf technisch so anspruchsvoll gewesen ist, sondern weil es soviel zum Fotografieren gab. Wir hatten den Canyon ganz für uns alleine und hinter jeder Ecke boten sich neue Motive. Keine fremden Stative, die uns im Weg standen - welch Unterschied zum Antelope Canyon! Und selbst wir beide haben uns an diesem Nachmittag nicht sehr oft zu Gesicht bekommen. Musste sich doch jeder an verschiedenen Stellen unterschiedlich lange aufhalten.
Spuren waren am schlammigen Boden einige zu sehen. Tage zuvor dürfte es in der Schlucht noch feuchter gewesen sein - sicher alles andere als angenehm, denn das Vergnügen im Schlamm herumzustapfen hielt sich auch jetzt noch sehr in Grenzen! Schnell sieht man(n) so aus... :-)))))

 

Die Anfahrt

Der Eingang

Schlammiges Vergnügen

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Drei Hindernisse erschwerten im April das Vorankommen. Hinter dem ersten beachtlichen chokestone breitete sich ein Pool mit kaltem, schlammigem Wasser aus. Mit etwas Geschick ließ es sich überwinden, so auch der zweite große Felsbrocken, der den Weg versperrte. Die dritte und letzte Barriere innerhalb der Schlucht war die bislang größte: ein dryfall (Steilstufe) mit einem "netten" Pool darunter. Wenn es nur irgendwie geht, sollte man stets versuchen in Ruhe hinunter"gleiten" oder sich wie in diesem Fall mit Hilfe von Kaminklettern langsam vorantasten. Das zählt nicht unbedingt zu meinen allergrößten Talenten, aber es war gerade noch alleine zu schaffen und ohne naße Füße zu bekommen! Allerdings waren meine das ja ohnehin schon vom letzten Pool... ;-)

3,5 km sind es vom Einstieg bis zu der Einmündung in den Hackberry Canyon. Die Schlucht weitet sich nach etwa 2,5 km auf und man gelangt schließlich zu jenem Auf-/Ausstieg, der einem wieder sicher aus dem Canyon heraus führt. Wer nach dem dritten und letzten Felshindernis schon ungeduldig auf den Ausgang wartet, dem sei gesagt: "Es zieht sich noch"! Und ich möchte lieber nicht aufzählen, was mir Steffen an dem Nachmittag so alles an Aufstiegsmöglichkeiten angeboten hat... Im Inneren der Schlucht verliert man jegliches Gefühl für Zeit und Raum. So ist es auch meist nicht abschätzbar, wie weit man bereits gegangen ist, und welche Strecke noch zurückgelegt werden muss.
Der einzige und richtige Weg aus der Schlucht - sofern man nicht im Hackberry Canyon weiter wandern möchte - befindet sich in einer Linksbiegung (in etwa hier; 37°26'42"N, 111°55'34"W). Über eine Geröllhalde an der rechten Felswand geht es relativ leicht aus dem Round Valley Draw hinaus. Der nicht sehr steile Pfad war trotz Sträuchern und kleiner Bäume meist recht gut erkennbar. Cairns (Steinpyramiden) sind uns allerdings keine aufgefallen. Dieser Weg dient auch als Einstiegsroute in den Hackberry Canyon ausgehend vom Slickrock Bench Trailhead am Ende der Cottonwood Wash Road.
Nach etwas über drei Stunden waren wir wieder an unserem Ausgangspunkt eingetroffen. Der Weg oberhalb des Canyons verläuft nicht unmittelbar entlang der Kante. Immer wieder müssen Seitencanyons umgangen werden - u.a. sicher auch der von uns zuvor nicht bemerkte North Fork. Im Vergleich zum Schluchtboden ist der Spaziergang durch das aufgelockerte Wäldchen der Upper Slickrock Bench recht angenehm. Wir haben unser Auto von der Ferne schon "blitzen" gesehen. Wer aber die Möglichkeit hat, die GPS-Daten des Parkplatzes aufzuzeichnen, sollte dies auch tun. Schaden kann es jedenfalls nie! ;-)

 
Round Valley Draw Walls
Round Valley Draw


Höhenlage: Der Round Valley Draw befindet sich auf 1.860 m über dem Meeresspiegel. Im März kann am Canyongrund noch viel Schnee liegen!

Unterkunft: In den kleinen Ortschaften Cannonville, Escalante oder Tropic stehen etliche Unterkünfte zur Verfügung. Einen schönen Campground gibt es im Kodachrome Basin State Park. Unser Zimmer im Bryce Valley Inn war einigermaßen ok, aber nicht gerade billig.

Essen: Nicht schlecht und für wenig Geld lässt es sich im Ruby´s Inn vor den Portalen des Bryce Canyon Nationalpark. essen. Einzige Bedingung ist, dass man vor 17 Uhr erscheint, damit man erstens den billigen Nachmittagtarif zahlt und zweitens den Massen entkommt, die allabendlich das Buffet stürmen.
Abraten hingegen kann ich vom Hungry Coyote in Tropic. Ich hatte wenig Hunger und die Preise und das Speisenangebot sorgten dafür, dass auch noch der letzten Appetit verflog. Mein Tee schmeckte ganz ok. Steffen hatte sich einen Burger bestellt, der nur wenig Begeisterung auslöste... Noch schlimmer ging es der französischen Mutter mit ihrem Kind am Nachbarstisch. Ihr Steak um teures Geld bestand nur aus Flachsen. Da es ihnen peinlich war, diese nach dem Ausspucken alle schön verteilt am Teller liegen zu lassen, versuchten sie die guten Stücke verzweifelt unter der Butter und sämtlichen anderen Beilagen zu verstecken. Ein recht amüsantes Schauspiel, das sich uns da bot! :-)))

 

© 15.11.2006 Isabel Synnatschke      

 

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